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1974 WM in Frankfurt; ich war als Zuschauer dabei

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Paul
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Beigetreten: 22.08.2009
Beiträge: 875

Hallo Zusammen,

die WM2010 ist am Laufen, und ich möchte einmal erzählen, wie es 1974 war. 
Wir waren 3 junge Kollegen, heute würde man sagen IT Spezialisten, die in der gleichen Firma arbeiteten.
Die WM´74 war in Deutschland. Deutschland war nicht gerade Favorit.

Es gab den Ärger von Malente, in dem es darum ging, ob die Spielerfrauen, und wenn, dann wie lange, oder auch über Nacht und was ist eigentlich mit den Freundinnen?? 
Und warum wird eigentlich so wenig bezahlt, wir sind doch .....??

Die Spiele der deutschen Mannschaft waren komplett ausgebucht, soweit man die Ergebnisse vorausschauen konnte.
Die deutsche Mannschaft war Favorit für die Gruppe, in der sie mit Australien, Chile und der DDR spielten.(Wikipedia weiß so etwas)
Als Gruppenerster würde es selbstverständlich nach der Vorrunde nach Hannover gehen, evtl. gegen Brasilien, dann ...
Die Spiele wurden im Fernsehen übertragen, die Straßen waren in dieser Zeit leer.
Dann der Schock: das Spiel BRD gegen DDR endete 0:1 für die DDR. Sparwasser war der Held. (je nach Seite mit oder ohne "").
Meine Kollegen und ich hatten sofort gefolgert: die BRD wird nicht Gruppenerster, sondern Zweiter. Spielt dann unter Anderem in Frankfurt. Die Fans hatten vorher geplant, dass dort die DDR spielt.
Dieses Spiel hat eigentlich keinen interessiert, es war alles andere als ausverkauft. 
Also am nächsten Morgen 8 Uhr zum Reisebüro und, --es gab noch Karten.
3 mal Stehplatz für je 14 DM.
Abfahrt dann ein paar Tage später mit der Bahn nach Frankfurt.
Wir waren gegen 14 Uhr im Stadion. Es waren also noch 2 Stunden Zeit.
Die Stimmung war gut, das Wetter wurde schlechter.
Kurz vor 3 fing es leicht an zu regnen. Sepp Maier war der erste Spieler den man zu Gesicht bekam.
Trotz des leichten Regens ließ er sich einschießen.
Der Regen wurde stärker, Sepp Maier blieb.
Der Regen wurde zum Wolkenbruch. Sepp Maier war immer noch da. Es schien ihm Spaß zu machen.
Der Wolkenbruch wurde so stark, dass uns das Wasser den Rücken runter lief, von da über den Hintern bis in die Schuhe.
Innerhalb weniger Minuten hatten wir nichts Trockenes mehr an uns. Regenjacken nützten nichts. Das Wasser war überall. Das Ganze dauerte bis 15:45.
Um 16 Uhr sollte das Spiel beginnen. Man hätte auf dem Platz surfen können, aber nicht Fußball spielen.
Die Feuerwehr kam zum Einsatz. Mit großen Walzen hat man versucht, das Wasser aufzusaugen, bzw. vom Platz zu schieben.
Die Stimmung auf den Rängen war immer noch hervorragend, obwohl die Zuschauer auf den nicht überdachten Plätzen nass bis auf die Haut waren.
Das Spiel fing dann gegen 16:45 an. Polen war überlegen, die deutsche Mannschaft hatte kaum eine Chance.
Einige Szenen habe ich noch in der Erinnerung. Gadocha mit dem Ball in Richtung deutsches Tor. Berti Vogts (heute auch bekannt als Bördi) daneben, die Hand fest in das Trikot von Gadocha gekrallt.
Der Schiedsrichter und Linienrichter konnten es nicht sehen.
Das Ganze war auch ein Glückspiel, man wusste nie, ob der Ball in einer Wasserlache oder im Schlamm stecken blieb.
Sepp Maier machte eines seiner besten Spiele (hat sich ja auch im Schlamm eingespielt) und die Mannschaft kämpfte.
Auch wenn es keine 11 Freunde waren, waren sie auch keine 11 überbezahlten Selbstvermarkter, die gelegentlich Fußball spielen. 
In der 2. Halbzeit dann das 1:0 für Deutschland. Gerd Müller hatte wieder einmal ein wichtiges Tor geschossen.
Dabei blieb es bis zum Ende.
Raus aus dem Stadion, wir waren langsam am Abtrocknen und rein in den Zug.
Fahrkartenkontrolle: unsere Zugfahrkarten waren nur noch ein paar aufgequollene Pappklumpen. Das Wasser stand auch im Portemonnaie.
Das Spiel ging in die Geschichte ein als „Die Wasserschlacht von Frankfurt“.
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viele Grüße ... Paul

Viele Grüße

paul

Team Womo-Abenteuer.de

Fredy
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Beiträge: 3243
Danke

Hallo Paul

Toller Bericht aus vergangenen Zeiten! Auch ich erinnere mich noch recht gut an die Weltmeisterschaft 1974. Damals war ein Fernsehgerät noch nicht überall selbstverständlich und wir hatten uns ein solches gemietet. Da wir Schweizer - wie üblich - wegen Nichtqualifikation nicht dabei waren Smile schlug mein Herz für Deutschland. 

 

Herzliche Grüsse, Fredy
Team Womo-Abenteuer.de
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Bernhard
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Erinnerung

Hallo zusammen,

auch noch eine Erinnerung aus grauer Vorzeit: als Kind noch in der Quinta , kann ich mich an 1958 erinnern: Fernsehgeräte (Bildschrm-Diagonale 43 cm !!) gab es als hochstehende Geräte im Nebenzimmer einer Bäckerei (oder Gaststätte), es war heiß, rauchig und Bierduft lag auch in der Luft -- als Kind wurde man gerade mal bei Nachmittagsspielen gelitten.

Das Schlimmst hörte ich aber als Radio-Übertragung: Spiel gegen Schweden -Juskowiak vom Platz gestellt -- und verloren. Ich glaube, ich hatte sogar ein paar Tränen in den Augen.

Grüße

Bernhard

Scout Womo-Abenteuer.de

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