So schön der Tag gestern war, so bescheiden startet er heute. Seit 5 Uhr regnet es, mal mehr, mal weniger. Ab heute ist unsere Planung tatsächlich sehr flexibel: Wir haben keine festen Orte mehr geplant und hatten sowieso vor, den Tag heute wetterabhängig zu gestalten. Bei Sonne wären wir den Schlenker zum Taylor Head Provincial Park gefahren, aber das macht bei diesem Wetter einfach keinen Sinn.
Wir starten so spät wie nie vom Campground und fahren Richtung Truro – es schüttet wie aus Eimern. Vor uns im Regen kriecht ein Tier über die Straße. Wir bremsen und erkennen ein Stinktier, das quasi durch den Regen über die Straße „schwimmt“. Auf PEI haben wir mehrere überfahrene Stinktiere am Straßenrand gesehen – dies ist unsere erste lebendige Sichtung!
Gegen 12 Uhr soll der Regen dort nachlassen und wir wollen spontan zur Fundy Discovery Site fahren, um auf die Tidal Bore zu warten. Ich habe mir diese schon etliche Male online über die Webcam angeschaut und da sah es immer sehr unspektakulär aus, weil man oft wirklich nur eine Miniwelle anrollen sah. Manchmal hat sie sich auch gebrochen, dann sah man zumindest eine Minischaumkrone. Der Gatte hat sich zu Hause auch sehr darüber lustig gemacht, aber nun liegt es auf dem Weg und wir haben nichts Besseres vor.
Um 12 Uhr sind wir dort und es regnet tatsächlich nicht mehr. Nachdem wir uns im Discovery Center und an der Site umgeschaut und den Lieben zu Hause über die Webcam zugewunken haben (sehr lustig), essen wir im Camper zu Mittag. Dann warten wir auf die Welle, die um 13:55 Uhr anrollen soll. Sie kommt auch fast pünktlich, ist sogar erstaunlich groß und bricht sich bereits in der ersten Kurve vor der Site. Sie rauscht dann entlang der Sandbank an uns vorbei und zieht eine Wahnsinnsströmung hinter sich her. Beeindruckend ist auch die Lautstärke der Welle, womit wir gar nicht gerechnet haben.
Erschreckend zu sehen ist, wie heftig die Flut nun in den Fluss hineindrückt: Nach etwa einer halben Stunde ist die Sandbank komplett geflutet und der Pegel locker 3 bis 5 Meter gestiegen.
(Das Video zur Tidal Bore findet ihr im Blog)
Das Wetter scheint zu halten, daher wollen wir noch etwas spazieren gehen und entscheiden uns für einen Strandspaziergang am Martinique Beach.
Dort angekommen weht es schon ordentlich, der Himmel ist dunkelgrau und am Strand krachen die Wellen ans Ufer. Heute haben sich nur wenige Menschen hierher verirrt. Im Meer sind vier Surfer; der Lifeguard fragt uns, ob wir vorhaben, schwimmen zu gehen. Ähm, nein – wir stehen hier in langen Klamotten, Fleece und Regenjacken!?
Er weist uns trotzdem darauf hin, dass die Strömungen heute gefährlich seien und man schon bei knietiefem Wasser kaum noch an den Strand zurückkommen würde. Außerdem sei der Strand nach einer Haisichtung den ganzen Vormittag gesperrt worden. Surfen wäre auf eigene Gefahr, wovon er abraten würde.
Das sind schon zu viele Gefahren für mich, um hier – abgesehen vom Wetter – auch nur den großen Zeh ins Wasser zu halten. Der Gatte will wissen, was für ein Hai es war. Antwort (die ich gar nicht hören will): „A white shark!“
Wir laufen den Strand noch ein Stück entlang – das Ende ist im Nebel nicht zu erkennen – und gehen dann rüber auf die andere Seite zur kleineren Bucht, die etwas windgeschützter ist. Auf dem Rückweg schauen wir den total verrückten Surfern in den Chaoswellen noch eine Weile zu, dann folgt ein lauter Donnerschlag. Blitze zucken über dem Meer – Zeit zu gehen!
Ich sehe noch das Schild mit der Beach-Info: Wassertemperatur +12 Grad ... brrrrrr
Das war auf den Magdaleneninseln deutlich wärmer und auch vor 10 Jahren kam mir das Meer hier am Risser’s Beach deutlich wärmer vor. Gut, wir waren Mitte August hier, aber am Risser’s Beach waren wir damals schwimmen – ganz ohne Neopren. Und auch am Cape Breton waren wir schwimmen. Verrückt! Selbst bei Sonnenschein wären mir 12 Grad zu frisch.
Wir fahren zum Porters Lake Provincial Park, den wir im Regen erreichen, und beziehen unsere Site Nummer 1. Eigentlich echt schön: direkt mit Seeblick, auf einer Seite keine Nachbarn, viel Privatsphäre und ein kleiner Strand. Aber eben Regen – und Mücken. Nicht so schlimm wie im Panmure Island PP, aber ich zähle tatsächlich fünf Stiche, als ich die Campsite in der Regenpause erkunde und schnell ein paar Fotos schieße.
Also wieder Abendessen im Camper: Burger aus der Pfanne. Wir spielen noch ein paar Runden Karten, dann fallen wir ins Bett. Die Regennacht davor war etwas anstrengend, da der Regen über dem Bett so laut ist
Was hier etwas seltsam ist: Das Personal wurde hier scheinbar wegrationalisiert. Es gibt nur eine kaputte Schranke am Eingang, am Ausgang eine mit Bewegungssensor. Uns hat das jetzt nicht allzu sehr gestört, aber es fuhren nachts um 1 Uhr noch Autos / Womos (?) über den Campground ... das fanden wir merkwürdig.
Für die Statistik:
• Gefahren: 196 km
• Gelaufen: 5.499 Schritte
• Wetter: Regen, Wolken, bis 19 Grad
• Unterkunft: Porters Lake Provincial Park, Site 1
Weitere Bilder und Videos im Blog:
Tag 21: Regen - Plan B muss her!
Tidal Bore in Truro / Fundy Discovery Site














