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The Amish, Lancaster County, Pennsylvania

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Richard
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The Amish, Lancaster County, Pennsylvania
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März 2019

In der Gegend um Lancaster leben die Amischen teilweise noch wie ihre Vorfahren, die aus Europa einwanderten. Eine faszinierende Parallel-Gesellschaft.

Die Amischen (englisch Amish ['aːmɪʃ]) sind eine täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft. Sie haben ihre Wurzeln in der reformatorischen Täuferbewegung Mitteleuropas. Im Jahre 1693 spalteten sich die Amischen von der Gruppe der Mennoniten ab. Heute gibt es um 250.000 Amische in 28 Staaten der Vereinigten Staaten sowie im kanadischen Ontario.

Der Großteil der Amischen wanderte im 18. Jahrhundert nach Pennsylvania in Nordamerika aus weil sie religiös verfolgt wurden. Viele Fürsten europäischer Kleinstaaten ließen die Bevölkerung zwar ziehen - nicht jedoch ohne zuvor einen Großteil ihres Besitzes eingezogen zu haben. Pennsylvania bot sich für die Auswanderer vor allem wegen der vom Quäker William Penn garantierten Glaubesfreiheit an.
Die ersten amischen Zuwanderer kamen zwischen 1736 und 1770 und siedelten sich vor allem im Südosten Pennsylvanias im Lancaster County an. Diese erste Gruppe bestand aus mehreren hundert Amischen. Noch heute findet man in Lancaster County eine große Siedlungsdichte an Amischen, es leben dort heute ca. 25.000.

Die Amischen leben nicht in geschlossenen Siedlungen bzw. Dörfern. Zwar gibt es Gebiete, wo sie dominieren, aber oft leben sie neben „englischen“ Nachbarn. In den Siedlungen fällt allgemein auf, dass bestimmte Nachnamen überwiegen. Dies lässt darauf schließen, dass damals ganze Sippen mit ihren Namensträgern auswanderten. So überwiegen in Lancaster County zu 25 Prozent der Name Stoltzfus/Stoltzfoos, dann kommen die Namen Byler, Fisher, Petersheim, Lapp und King.


Die Maxime aller ist "Gelassenheit". Gruppenerhalt und Gruppenleben gehen vor individueller Verwirklichung.

 

Namengebung:
Der Name „Amische“ bzw. „Amish“ entwickelte sich aus dem Namen von Jakob Ammann, der Älteste, also Gemeindeleiter einer Mennonitengemeinde in der Schweiz war und sich 1693 mit Gleichgesinnten vom Hauptzweig der Mennoniten abtrennte. Im Englischen werden die Amischen als „Amish“ bezeichnet, wobei das „A“ wie das deutsche A ausgesprochen wird.


Ort

Lancaster , PA
Vereinigte Staaten
40° 2' 15.6264" N, 76° 18' 6.354" W
Pennsylvania US

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Richard
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Richard
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Geschichte

-Im Jahre 1517 begehrte Martin Luther gegen den Papst auf und führte die Reformation und Loslösung von der katholischen Kirche herbei.

-Im Jahre 1525 begannen Anhänger eines anderen Reformators, des schweizer Pfarrers Ulrich Zwingli, ihre eigene Reformation innerhalb der evangelischen Kirche, weil sie mit dem Tempo der Veränderungen unzufrieden waren. In einer geheimen illegalen Zeremonie taufen sie sich gegenseitig und damit begann, was  oft als als "Radikalen Reformation" bezeichnet wird. Weil jeder in der Gruppe bereits als Säuglinge von der Kirche, entweder katholisch oder evangelisch getauft war, wurden sie "Wiedertäufer" genannt oder "Rebaptisten".
Sie glaubten, dass nur Erwachsene bereit seien ein Leben des "radikalen Gehorsams  gegenüber den Lehren von Jesus Christus" zu führen. Folglich verweigerte ihrer Gruppe für Säuglinge die Taufe. Sie glaubten auch, dass der Staat nicht in die Religion einbezogen werden sollte, dass er keine Autorität gegenüber der Kirche habe und dass die Kirche allein der Bibel gehorchen sollte. Außerdem erklärten sie sich zu Pazifisten und lehnten den Wehrdienst ab.

-Ihr Glaube brachte sie in direkten Konflikt mit den zivilen und kirchlichen Behörden.  Sie wurden als politische Bedrohung angesehen. Weniger als fünf Monate danach wurde ein Mitglied der Wiedertäufer wegen Volksverhetzung gegen die Regierung hingerichtet. Trotz der Verfolgungen wuchs die Bewegung und verbreitete sich in der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden und Schweden. Aber die Verfolgungen wurden fortgesetzt und verstärkt. Im Laufe der nächsten zwei Jahrhunderte, waren Tausende von Täufern wegen ihres religiösen Glaubens getötet werden.

-Im Jahre 1537 kam der katholische Pfarrer Menno Simons  zu den Wiedertäufern. Seine Anhänger wurden später als Mennoniten bekannt und ließen sich im Elsass, im heutigen Frankreich nieder.

-Anders als in den nördlichen Niederlanden, die im Jahr 1579 die religiöse Toleranz einführten, wurden die Mennoniten in den meisten europäischen Ländern weiter unterdrückt und mit Folter und Tod bedroht. Es wanderten daher viele nach Nordamerika aus, wo bis heute ein Großteil der Mennoniten lebt. Viele Pfälzer Mennoniten ließen sich in Pennsylvania nieder.

-Unter den Schweizer und Elsässer Mennoniten spalteten sich im Jahr 1693 die Amischen ab, die sich nach ihrem Gründer Jakob Ammann nannten. Ammann stand für eine stärkere Abschottung von der Welt und betonte stark das Äußere wie schlichte Kleider. Er war auch nicht einverstanden mit der Art und Weise der Exkommunikation derjenigen, die der Kirche verwiesen wurden. Er wollte dass diese nicht nur aus der Kirche geworfen werden, sondern auch in allen gesellschaftlichen Kreisen  gemieden werden und alle wahren Gläubigen jeglichen Kontakt mit ihnen abbrechen sollten. Nach der Trennung passten die Amman Anhänger ihre eigene Lehre an, unter anderem das  Verbote die Bärte zu stutzen, "modische" Kleidung zu tragen und Knöpfe zu verwenden. Daher wurden sie von der mennonitischen Kirche als "Knopf-Menschen." bezeichnet.

-Der Großteil der Amischen wanderte im 18. Jahrhundert nach Pennsylvania in Nordamerika aus.  Die ersten amischen Zuwanderer kamen zwischen 1736 und 1770 und siedelten sich vor allem im Südosten Pennsylvanias im Lancaster County an.

-In den Jahren 1862 bis 1878 entstanden innerhalb der amischen Gemeinschaft zwei unterschiedliche Gruppen. So gab es diejenigen, die die alte Ordnung nicht aufgeben wollten und an einem traditionellen Lebensstill festhielten und auf de randeren seite diejenigen, die bereit waren sich stärker gegenüber der nordamerikanischen Gesellschaft zu öffnen. Erstere Gruppe wird heute zusammenfassend als Old Order Amish (Amische alter Ordnung oder Altamische) bezeichnet und prägt bis heute das mediale Bild der Amischen.

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Richard
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Die Amisch heute

Die Amischen alter Ordnung fahren Pferdekutschen ("Dachwägle") , die je nach der Gruppe grau, schwarz, gelb, weiß oder braun sind, deren Räder Stahlreifen haben und keine Gummibereifung  (dies erlauben andere Gruppen), was ebenso übertragen wird auf den Einsatz von Traktoren (zumeist im stationären Betrieb), aber auch auf Fahrräder (verboten im Lancaster County, erlaubt außerhalb lancastrianischer Siedlungen)

Erwachsene (getaufte oder verheiratete) Männer tragen einen Vollbart ohne Schnurrbart; Frauen tragen ein Häubchen aus filigranem Organzastoff (Cap oder Kappe genannt) und darüber beim Ausgehen noch eine meist schwarze Stoffhaube (Bonnet genannt). Die klassische Kopfbedeckung der Männer zur Arbeit und an Werktagen ist der Strohhut. Am Sonntag wird ein schwarzer Filzhut mit ähnlicher Form getragen. Für die Kleidung wird einfarbiges Tuch verwendet. Gemusterte Stoffe werden dagegen vermieden.

Amische Kleidung ist zumeist einfach, jedoch qualitativ hochwertig gehalten. Es ist nicht gestattet, Knöpfe an Mänteln anzubringen – sie müssen Kleidernadeln oder Haken mit Ösen verwenden. Es werden jedoch durchaus auch synthetische Stoffe vernäht, um zeitaufwändiges Bügeln zu reduzieren. Zumeist wird die Kleidung selbst gefertigt, wobei Hemden jedoch auch in Läden gekauft und Mäntel als Spezialarbeit von besonders fähigen Näherinnen bezogen werden.

Amische Haushalte besitzen keinen Anschluss an das Elektrizitätsnetz, sondern verwenden gasbetriebene Lampen oder erzeugen für einige Geräte eigene Elektrizität. Batterien sind teilweise erlaubt, mancherorts wird ein Hydraulikbetrieb genutzt.

Anfang des 20. Jahrhunderts kam langsam das Auto in Mode, mehr und mehr Menschen schafften es sich an, besonders seitdem mit dem relativ preiswerten Ford Modell T breitere Volkskreise es sich leisten konnten. Amische alter Ordnung reagierten darauf mit einem Verbot, weil das Auto „automatische Mobilität“ bedeutete, und es dem Einzelnen erlaubte, einfach wegzufahren, außerhalb des Kontroll- und Sichtbereiches der Gemeinde zu verweilen und die nahen Verbindungsstrukturen auseinanderzubrechen drohten. Zudem wurde das Auto als unnötiges Statussymbol angesehen, als ein weltliches „schnelles Element“. Autobesitz wurde also verboten, nicht aber die Nutzung, die lediglich ungern gesehen wurde – so besteht noch immer ein radikales Nutzungsverbot außer in Notfällen bei den Swartzentruber Amischen.

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Die Jugendzeit bis zur Taufe

Kinder der Old Order Amish besuchen heutzutage zumeist keine öffentlichen Bildungseinrichtungen mehr, sondern gesonderte private Schulen, die durch Schulgelder der Eltern finanziert werden. In diesen Schulen werden die Basisfähigkeiten des Lesens,  Schreibens und Rechnens gelehrt, nicht aber Biologie (besonders nicht Sexualkunde), keine wissenschaftlichen oder erdgeschichtlichen Lehren oder gar die Evolutionstheorie. Es wird ebenfalls Deutsch unterrichtet ,damit die religiösen Texte gelesen werden können.

Die eigenen Schulen erlauben die Kontrolle der Unterrichtsinhalte und konditionieren sowie sozialisieren die Kinder stärker in Richtung des späteren Beitritts zur eigenen Gruppe.

Die Zeit zwischen Schulende und dem (möglichen und frei zu wählenden) Beitritt als Erwachsener in die Gemeinde ist als „Rumspringa“ bekannt. Währenddessen tolerieren Eltern viele Freiheiten, die nach dem Beitritt nicht mehr geduldet würden. Nach dieser Zeit kann der amische Jugendliche sich schließlich für oder gegen die Mitgliedschaft in seiner Religionsgruppe entscheiden. Durch das Zeremoniell der Übersprengtaufe wird er schließlich ein Mitglied der „Gemeinde Gottes“ und erkennt deren Regeln an. Dies bedeutet auch, dass von nun an Vergehen geahndet werden. Eine Rückkehr in Reue wird jedoch gegeben.

Die meisten Jugendlichen entscheiden sich nach dieser Zeit für das Leben als Amische. Dies hängt davon ab, wie konservativ die Gruppe ist: Liberalere Gemeinden können zum Teil nur 40 Prozent der Jugendlichen halten (der Rest tritt eher mennonitischen Gruppen bei), die extrem konservativen Swartzentruber sollen 95 Prozent halten. In Lancaster County sagen die Zahlen, dass 85 Prozent beitreten.

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Das Arbeitsleben

Nach ihrer Schulzeit arbeiteten die amischen Jugendlichen früher meistens auf der Farm ihrer Familie, bis sie heirateten. Heute hat sich das berufliche Spektrum der Amischen erweitert, da es nicht mehr genügend Farmen zu kaufen gibt und diese teilweise extrem teuer wurden. Die Amischen gelten als sehr bodenständig und wollen am heimatlichen Ort bleiben. Somit wich man in zuerst aus in landwirtschaftsnahe Berufe und ging dann zunehmend in Berufe wie Maurer, Schreiner, Holzwerker etc.

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Die Sprache

Die Old Order Amish sprechen Hochdeutsch in Gottesdiensten und ihre Bibeln sind auch in Hochdeutsch gedruckt. Alle Amish sprechen Englisch, aber sie verwenden eine Mischform  mit dem Niederdeutschen untereinander im Alltag.

Das „Pennsylvania-Dutch“ (Pennsylania-Deutsche) , auch Pennsylvania German, Pennsylvaniadeutsch, Pensilfaanisch, Pennsilfaanisch Deitsch, Pennsilfaani oder Pennsilveni-Deitsch genannt, ist eine hauptsächlich auf pfälzischen Dialekten aufbauende Sprachvariante der Deutschen Sprache in Nordamerika.

http://csumc.wisc.edu/AmericanLanguages/search_clip_type.php?clip_type=PennDutch

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