Womo-Abenteuer

Nordamerika im Wohnmobil erleben!

Tag 04: Wenn das Wetter die Reiseplanung übernimmt

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Toni-Mara
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Beigetreten: 26.09.2019 - 21:57
Beiträge: 170
Tag 04: Wenn das Wetter die Reiseplanung übernimmt
Eckdaten zum Reiseabschnitt
Reisedatum: 
Sonntag, 28. September 2025
Gefahrene Meilen: 
111 Meilen
Fazit: 
Übernachtung: Harvest Hosts – Enogrow Vertical Indoor Hydroponic Farm, Saint-Leolin

Heute gibt es genau einen Pflichttermin: die falsche Gaskartusche gegen die richtige eintauschen. Ansonsten wollen wir uns treiben lassen. Die Ideenliste ist lang, ganz oben auf der Wunschliste stehen noch die roten Herbstfarben auf Miscou Island. Allerdings hält sich die Lust auf viele Kilometer in Grenzen. Und dann wäre da noch das Wetter, das uns die Entscheidung am Ende ziemlich zuverlässig abnimmt.


 

Da die Centennial Bridge in Miramichi eh gesperrt ist, entscheiden wir uns statt dessen für einen Stop in Newcastle. Wir parken hinter der Bücherei und bummeln gemütlich im Ritchie Wharf Park am Wasser lang. Zurück geht es über den Town Square. Leider haben die Läden alle geschlossen. Ob es am Saisonende, dem Sonntag, der Uhrzeit oder allem zusammen liegt, bleibt ein Mysterium. Bis auf zwei Leute mit Hund und einige Autos am Townsquare sehen wir auch keine anderen Menschen. Wir machen uns nach ner guten halben Stunde schon wieder auf den Weg. Niedlich ist es hier trotzdem und wenn die Läden offen sind, lässt es sich hier bestimmt sehr nett bummeln und Kaffee trinken. Für Kinder gibt es einen tollen Spielplatz mit Splash Pad. 

 


 

 

Der Kartuschentausch bei Canadian Tire in Miramichi klappt kanadisch problemlos. Draußen ist das Wetter inzwischen aber wenig einladend, also gönnen wir uns einen „kurzen“ Bummel durch die Abteilungen. Besonders die Ecke mit den Holzfällerhemden zieht den Mann magisch an. Diesmal wandert für jeden von uns ein gefüttertes Hemd in den Einkaufswagen. Hey, genau so ein Übergangshemd fehlt uns schließlich noch! Der Kassierer erkennt uns als Deutsche und erzählt, er sei mal mit „someone“ auf einer Reise nach Bochum gewesen. Unsere spontane Antwort: „Let me guess, the someone didn’t last the trip?“. Sein Grinsen bestätigt den Verdacht. 😉

 

Beim Rauskommen stellen wir fest, dass unsere Mägen langsam knurren. Ooops – aus dem kurzen Bummel sind tatsächlich gut eineinhalb Stunden geworden! Wenigstens zeigt sich das Wetter wieder freundlicher, sodass wir einen Abstecher zum Île aux Foins Park machen. Der Park ist ein echtes Juwel: durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist die eine Hälfte der Insel ist bewaldet, die andere Hälfte Sumpf. Wir legen wir eine gemütliche Mittags- und Kaffeepause ein, genießen die Aussicht und spazieren noch über den Holzrundweg an der Inselspitze. iOverlander hat auf der Insel übrigens auch einen Boondocking Spot.

Als wir die Insel verlassen, fahren wir zielstrebig auf einen dunkelgrauen Himmel zu. Für Miscou Island wird es langsam spät, und bei der Mischung aus Wind und Regen hält sich unsere Begeisterung für die zusätzliche Fahrerei (knapp 70 km One Way) samt Übernachtung dort in Grenzen. Auch die spontan erwogene Alternative – eine U-Pick-Apple-Farm – fällt direkt am Abzweig dem Wetter zum Opfer. Tja, dann eben nicht. 

Interessanterweise bessert sich der Himmel wieder, nachdem wir den direkten Weg zu unserer Harvest-Hosts-Übernachtung eingeschlagen haben. Durch kleine Dörfchen wie Landry und Paquetville (Fun Fact: die Église Catholique Saint-Augustine zählt zu den schönsten Kirchen auf der Halbinsel und ist zugleich die größte; wäre sie nur einen Meter höher, wäre sie eine Kathedrale) geht es ins beschauliche Sainte Leolin. Tatsächlich werden wir unterwegs sogar mit Bogs verwöhnt wie wir sie auf Miscou gehabt hätten. 
 

Bei unserem Harvest Hosts Host laugh Enogrow könnten wir eigentlich sehr schön auf einer Obstbaumwiese stehen. Die sieht allerdings jetzt schon ziemlich matschig aus, also entscheiden wir uns für die sichere Nummer, den Parkplatz hinterm Haus. Eher pragmatisch, dafür trotzdem ruhig und von der Straße aus nicht sofort einsehbar. 

Leider hat Enogrow selbst heute geschlossen. So bleibt uns nur ein neugieriger Blick durch die Scheibe auf die Salatköpfe, die hier drinnen ganz ohne Erde vertikal wachsen. Die Farm nutzt ein geschlossenen Kreislaufsystem, verbraucht 95% weniger Wasser als normaler Anbau und verzichtet auf sämtliche Chemikalien. Ein spannendes Konzept!

Wir zaubern uns noch etwas Leckeres zu essen aus dem Fundus und machen es uns anschließend mit Snacks im Bett gemütlich. Normalerweise vermissen wir den Fernseher im Canadream Camper kein bisschen. Heute kommt uns das Camper-Kino allerdings gerade recht.



Ideenliste

Wir haben immer eine Ideenliste am Start und nutzen diesen Fundus, um vor Ort spontan zu entscheiden, was wir je nach Lust und Laune oder auch Wetter ansteuern wollen. Manchmal machen wir viel, manchmal skippen wir aber auch alles oder landen am Ende ganz woanders. Aber wir mögen es, Ideen in der Hinterhand zu haben. Vielleicht hilft sie jemandem von euch bei der Reiseplanung (kein Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Gewähr ob wirklich lohnenswert). Was wir in diesem Urlaub tatsächlich gemacht/gesehen haben, ist kursiv gedruckt und findet sich oben im Reisebericht wieder. 

  • Kouchibouguac NP: diverse Trails direkt an der Rückfahrt zum Parkausgang (Pines, Beaver, Migmag Cedars, Saltmarsh)

  • Miramichi Ort:  

    • History Museum: kleines Museum mit Ausstellung zu den Mi'kmaq und einigen Kuriositäten

    • Chatham Waterfront Trail: Spaziergang am Wasser mit Blick auf die Brücke ; Statue Francis Peabody (Gründervater der Stadt); Kinderspielplatz

    • Centennial Bridge: sehenswerte Bogen-Stahlbrücke, aktuell in Sanierung

    • Middle Island Irish Historical Park: im 19. Jahrhundert als Quarantänestation, insbesondere für irische Einwanderer. Jetzt Park mit Sandstränden, Wanderwegen, keltischem Kreuz, Besucherzentrum, Amphitheater und Picknickplätzen. 

    • Saltmarsh Trail, Miramichi: 2km Wanderweg durch Marschland. Blick auf den Fluß, Beaubears Island, Brücke. Viele Wasservögel, gelegenhtlich Weißwedelhirsche und Weißkpfseeadeler zu sehen. Das Gelände hat eine ungewöhnliche Wandlung hinter sich – es wurde früher als Pferderennbahn, Baseballplatz und Mülldeponie genutzt und später in ein gesundes Ökosystem sowie eine naturnahe Abwasser- und Sickerwasserstruktur umgewand

  • Newcastle (heißt jetzt wohl offiziell Miramichi West):

    • Beaverbrook House: kleines Living History Museumshaus

    • Queen Elizabeth Park (Town Square): mini Park, aber mit vielen Monumenten und sogar Picknickmöglichkeiten

    • Ritchie Wharf Park: schöner Holzsteg entlang des Flusses; großer Kinderspielplatz mit Splash Pad, Restaurants, Eisdielen, kleine Kunsthandwerksläden etc.

  • MacDonald Farm Provincial Heritage Place: Farm der schottischen Siedlerfamilie Alexander MacDondald aus den 1820er Jahren

  • I'lle aux foins Park: Insel, Leuchtturm, Wanderwege / Holzstege, Kinderspielplatz, Picknicktische

  • Tracadie Sheila:

    • Musée Historique De Tracadie Inc.: das einzige Museum im Osten des Landes, das die Geschichte von Lepra-Kolonien und der Leprabekämpfung im 19. und 20. Jahrhundert dokumentiert; nur im Sommer auf

    • Heritage Walk: auf dem Gelände hinter der Bibliothek Père-Zoël-Saulnier. Beginnt an der Sainte-Famille Akademie und endet am alten Leppa-Friedhof.

    • Yachthafen mit Leuchtturm

  • Verger Haut, St. Isodore: große U-Pick Apfelfarm

  • St. Isidore Catholic Church, St. Isidore: Stilmischung aus romanisch, gotisch und neoklassisch. Gilt als eine der schönsten Kirchen in den Maritimes.

  • L'Eglise Catolique Saint-Augustine, Paquetville: Spirituelles Symbol der Akadier-Gemeinde; imposante Architektur mit neugotischen Elementen und prächtigen Buntglasfenstern mit biblischen Szenen. Der Innenraum ist mit Holzschnitzereien verziert. Nur 1m höher und sie wäre eine Cathedrale.

  • Distillerie Fils du Roy, Petite-Paquetville: war die allererste Brennerei auf der akadischen Hablinsel und soll den besten Gin haben. 

  • Shippagnan: 

    • L' petite Église: minikleine Kirche, hier finden oft Ausstellungen statt

    • Aquarium: maritime Flora und Fauna der Region; kleines Zentrum für Meeresforschung; Seehundfütterung; Besonderheit: blaue Hummer ; 360Grad Becken

    • Hafen und Leuchttürme

  • Lamèque Island:

    • Ecological Park of the Acadian Peninsula, Lameque: ein 2,6km Spazierweg führt durchs Vogelschutzgebiet (u.a. Eisvögel, Gelbfußregenpfeifer, Kanadareiher

    • Sainte-Cecilia Catholic Church, Petite Rèviere de Ille: Erbaut im Jahr 1813 und von außen schlichtweiss, innen in den 1960er-Jahren von einem psychedelischen Geistlichen in bunten Farben kaleidoskopartig gestrichen. 

  • Miscou Island:

    • Sentier du Tourbiere / Peat Bog Walk: einfach, 1km Loop, 15Min; Torfmoore, die im Herbst scharlachrot leuchten. Vom Ende der Plattform kann man grüne Nadelholzbäume sehen, die wie kleine Boote auf dem Meer auftauchen. Auch kleine blaue Teiche die wie umgekehrte Inseln im roten Meer leuchten.

    • Plage publique Miscou: einer der vielen schönen Sandstrände auf Miscou

    • Observatoire du lac Frye de Miscou: Vogelbeobachtungsgebiet dicht beim Leuchtturm

    • Phare de Miscou: Leuchtturm ganz an der rauhen Spitze der Insel