Womo-Abenteuer

Nordamerika im Wohnmobil erleben!

Tag 05: Museumsdorf am Anfang, Museumsdorf am Ende – und dazwischen spielt das Leben mal wieder nicht nach Drehbuch

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Toni-Mara
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Beigetreten: 26.09.2019 - 21:57
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Tag 05: Museumsdorf am Anfang, Museumsdorf am Ende – und dazwischen spielt das Leben mal wieder nicht nach Drehbuch
Eckdaten zum Reiseabschnitt
Reisedatum: 
Montag, 29. September 2025
Gefahrene Meilen: 
159 Meilen
Fazit: 
Übernachtung: Harvest Hosts - Duthie Pointe Festival Parc, New Richmond

So schlecht das Wetter gestern war, so schön ist es heute Morgen wieder. Ob sich da ein Muster abzeichnet? 😉

Wir sind früh wach und fahren ins Village Historique Acadien. Das ist eigentlich schon out of season, aber zwischen 8 und 16 Uhr darf man trotzdem auf das Gelände und das sogar kostenlos. Wir genießen den Spaziergang durch den Park und vorbei an den alten Gebäude sehr und würden jedem empfehlen, hier einen Stopp einzulegen. Wenn das Dorf im Sommer „bewohnt“ ist, sicherlich noch beeindruckender, aber auch so für einen herbstlichen Spaziergang wunderschön.

Nach einem Stop am Leuchtturm in den akadischen Farben und der Kirche von Grande-Anse geht es relativ schnell wieder weiter. Die Sonne scheint, aber der Wind an den Klippen hat es in sich. Ne Mütze wär gut gewesen...

Schon beim Reinfahren nach Bathurst sind wir uns ziemlich einig: sieht nicht so einladend aus, wir fahren weiter. OK, also geht’s durch die Innenstadtbaustelle über die Veteran’s Bridge. Tja, dumm nur, dass die Straße im weiteren Verlauf ausschließlich für Fahrzeuge bis fünf Tonnen zugelassen ist. Frau entdeckt das Schild gerade noch rechtzeitig und schickt den Mann kurz vor dem Point of no Return nach rechts in eine Seitenstraße. Da liegen wir drüber – wir brauchen eine Alternative! Mist, ausgerechnet jetzt, wo der Mann vermeldet, dass es ihm nicht gutgeht.  dem Mann nicht gut geht. Die Seitenstraße entpuppt sich leider als Sackgasse, und der Vorschlag einer Ruhepause wird abgelehnt. Google Maps ist auch keine große Hilfe und will uns beharrlich zurück über die Brücke schicken. Auf der endlich angezeigten Alternativroute stehen wir plötzlich vor einer Brücke mit maximal 2,50 Metern Durchfahrtshöhe. Unser Camper ist 2,60 Meter hoch. Läuft bei uns! Der Puls steigt, dem Mann wird noch kodderiger. Frau schaltet in den manuellen Navigationsmodus und lotst den Mann ganz oldschool anhand der Karte durch die Nebenstraßen zurück zur Hauptstraße. Von dort ist der Weg zur Autobahn und damit außen um Bathurst herum dann auch ganz leicht. Das Tingeln durch die kleinen Örtchen an der Küstenstraße möchte Frau dem Mann ersparen, also bleiben wir bis Campbellton auf dem Highway 11.Die Strecke ist erstaunlich schön – offiziell gehören die Hügel links und rechts schon zu den Apalachen.

Proportional zur gefahrenen Strecke mehren sich die Wolken am Himmel, und der Wind dreht zunehmend auf. Deshalb bleibt es in Campbelltown bei einem kurzen Frischluftstopp an der Waterfront mit dem Pecheur und zum weltgrößten Lachs am Salmon Plaza. Superlative können die Kanadier!

Die Frischluft bringt keine Besserung, hierbleiben und eine längere Pause machen will der Mann aber nicht. Auch die Idee, den Harvest-Hosts-Spot zugunsten des nächstgelegenen Campgrounds abzusagen, wird abgelehnt. Der Mann will tapfer durchhalten. Wir einigen uns auf einen Kompromiss und fahren über die J. C. Van Horne Bridge Richtung Parc National de Miguasha. Mit seinen rund 370 Millionen Jahre alten Fossilien gehört er zum UNESCO-Welterbe und steht ohnehin eher auf der Liste „Für Frau interessant“.

Mit der Überquerung des Restigouche River startet nicht nur offiziell unsere Rundfahrt auf der Route 132, sondern wir sind ebenfalls in Québec angekommen. Damit haben wir nicht nur eine Stunde gewonnen, sondern auch die Sprache gewechselt. Ein parc national ist hier ein Provincial Park, für den man einen Sépaq Day Pass oder Annual Pass braucht. Die Nationalparks von Parks Canada heißen – tadaa – auch parcs national. Na gut, vollständig parc national du Canada. Der Kanadapart wird bloß häufig einfach weggelassen. Zu lang. Verwirrend? Willkommen in Québec! 😉

Der Plan: Mann ruht sich mit Wärmflasche im Bett aus, Frau guckt im Parc national de Miguasha Fossilien. In den Gesteinsschichten an der Küste wurden über die Jahre zahlreiche urzeitliche Fossilien entdeckt. Darunter auch Fischarten, die sowohl Kiemen als auch Lungen besaßen. Der Fund sorgte als möglicher „Missing Link“ zwischen Wassertieren und den ersten landlebenden Wirbeltieren für Furore unter Experten. Doch der Park genießt auch aus anderen Gründen unter Fossilienfreunden und Paläontologen Weltruf. Hier sind nicht nur harte Teile wie Knochen und Zähne erhalten geblieben, sondern teilweise auch Weichteile, Schuppenabdrücke und sogar Details bis hin zu Embryonalstadien sichtbar. Durch ein Glasfenster kann man den Technikern im Labor zuschauen, wie sie mit Miniaturwerkzeugen Funde aus dem Gestein freilegen – ein Prozess, der für ein einzelnes bedeutendes Exemplar Hunderte von Stunden in Anspruch nehmen kann. Sehr beeindruckend! Der knapp zwei Kilometer lange Trail dagegen deutlich weniger. Der Weg hinunter zum Strand, an dem Forschende noch Fossilien suchen und finden, ist ganz nett. Den Rest des Rundwegs kann man sich aber getrost schenken. Selbst direkt an der Küste fehlen die Ausblicke, und der Rückweg führt komplett durch einen ziemlich langweiligen Wald. Fazit: Fossilien top, Wanderweg eher flop.

Dem Mann geht es inzwischen deutlich besser. Er möchte aber gern direkt zu unserem Übernachtungsspot am Duthie Pointe durchfahren. Macht nix, die Fahrt verwöhnt uns schon genug mit bunten Herbstfarben und tollen Küstenblicken. Und auch Carleton-Sur-Mer scheint schon in der Winterpause angekommen zu sein.

Unterwegs bekommen wir eine Harvest Host Message: Die Volunteers sind heute Nachmittag nicht mehr vor Ort. Wir können uns aber aussuchen, ob wir oben auf dem Festivalgelände an der Küste oder unten auf dem Parkplatz an der Heritage Site stehen wollen.

Wir entscheiden uns für die vermeintlich schönere Aussicht und quälen unseren Camper durch die enge, steile Einfahrt nach oben. Dort angekommen, sieht es allerdings nicht ganz so idyllisch aus wie erhofft. Auch die matschigen Spurrillen im Rasen wirken nicht gerade vertrauenerweckend. Und windig ist es hier, jungejunge!

Also drehen wir wieder um und kuscheln unseren Camper in die hinterste Ecke des Parkplatzes. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellt: Für die Nacht gibt es eine Sturmwarnung. Aber jetzt genießen wir aber erst einmal die abendliche Restsonne. Geschützt zwischen Camper und Büschen ist es draußen im Klappstuhl erstaunlich warm. Nach dem Essen dann noch eine kleine Runde durch das geschlossene, aber wirklich niedliche Museumsdorf Duthie Pointe. Dann igeln wir uns im Camper ein.

 



Ideenliste

Wir haben immer eine Ideenliste am Start und nutzen diesen Fundus, um vor Ort spontan zu entscheiden, was wir je nach Lust und Laune oder auch Wetter ansteuern wollen. Manchmal machen wir viel, manchmal skippen wir aber auch alles oder landen am Ende ganz woanders. Aber wir mögen es, Ideen in der Hinterhand zu haben. Vielleicht hilft sie jemandem von euch bei der Reiseplanung (kein Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Gewähr ob wirklich lohnenswert). Was wir in diesem Urlaub tatsächlich gemacht/gesehen haben, ist kursiv gedruckt und findet sich oben im Reisebericht wieder. 

  • Village Historique Acadien, Bertrand: Living History Freilichtmuseum zur Geschichte und Kultur der Akadier, mit Originalhäusern aus dem 19. Jahrhundert und Führungen von Bewohnern. Ab Mitte September Gebäude geschlossen, aber Gelände kostenfrei zugänglich 8-16 Uhr
  • Grande Anse:
    • Phare de Grande Anse: schöner Leuchtturm in den akadischen Farben, nebenan ist die Visitor Info. Aussicht aufs die Steilküste.
    • Plage de Grande Anse: Fantastische Aussicht sowohl aufs Wasser als auch entlang des Strandes, auf die Klippen und den Leuchtturm gegenüber. Hier soll man gut picknicken können und es soll im Sommer auf Foodtrucks geben.
    • Église catholique Saint-Simon-et-Saint-Jude: direkt auf der Klippe mit atemberaubendem Meerblick. Im Gegensatz zu vielen historischen Holzkirchen der Region als massiver, langlebiger Steinbau im neoklassischen Stil errichtet.
  • Parc provincial de Pokeshaw: Salzwasserstrand und See zum Baden; von Wind und Wellen geformte Küste und Felsen; hier sollen Tausende von Kormoranen nisten; Picknickplatz
  • Jacquet River Gorge Lookout, Belledune: Eine abgelegene, aber gut erreichbare Hütte mit einer tollen Aussicht auf das Naturschutzgebiet
  • Campbellton:
    • Range Rear Lighthouse: 😉 mal wieder ein Leuchtturm, recht unspekakutlär
    • Le Pecheur: Fischerstatue mit superschönem Hintergrund – Blick aufs Wasser und die J.C. Van Horne Bridge
    • Salmon Plaza: kleiner Platz mit Brunnen und der weltgrößten Lachs-Statue
    • Centre d'expérience de la rivière: Museum rund um den Fischfang und das friedliche Zusammenleben von Mikmag akadischen und schottischen Communities;
    • Restigouche Gallery: Museum und Kunstgallerie in einem u.a. mit Sammlung indigener ARt
  • Sugarloaf Provincial Parc, Atholville: diverse Wanderwege, u.a. Aufstieg zum Gipfel des Sugarloaf Mountain (mit Panoramablick) ; Mountainbike Park (mit Lift)
  • Pointe-à-la-Croix :
    • Centre d'interprétation de la Petite Rochelle : Das Young House, ein Blockhaus aus dem Jahr 1830 mit Schwalbenschwanzverbindungen, ist typisch für die frühe Kolonialarchitektur. Ursprünglich in Escuminac gelegen, wurde es 1983 an seinen heutigen Standort verlegt. Tolle Anlage für Picknick
    • Battle of the Restigouche National Historic Site: Hier können Sie die Überreste der Machault, eines imposanten Segelschiffs, bewundern. Es erzählt die letzte Seeschlacht zwischen Frankreich und Großbritannien um den Besitz des nordamerikanischen Territoriums im Jahr 1760
    • Belvédère de Pointe-à-la-Croix : Aussichtspunkt auf 210m; bietet einen Blick auf die Appalachen an der Mündung der Chaleur Bay
  • Halte municipale Bertrand Berger, Avignon : sehr schöner Rasplatz für ein Picknick
  • Parc National de Miguasha, Nouvelle: gehört mit seinen rund 370 Millionen Jahre alten Fossilien zum UNESCO-Welterbe. 2km langer Wanderweg mit dem passenden Namen »L’évolution de la vie« (Evolution des Lebens) führt über 214 Stufen hinab zum Meer und entlang der Klippen wieder zurück zu einem modernen Museum, in dem viele Fossilien ausgestellt sind.
  • Parc régional du Mont Saint-Joseph: Rundumblick bis New Brunswick auf 550m Höhe; verschiedene Wanderungen mit Wasserfällen, Wald und Aussichtspunkten; RV Zufahrtsmöglichkeit checken
  • Carleton-Sur-Mer:
    • Plage de Carleton-sur-Mer: Strand mit Volleyball und schönem Strand für die ganze Familie; Spielplatz
    • Promenade des Acadiens: durchgehender Rad- und Gehweg der um das Barachois herum bis zur Pointe Tracadigash und weiter in Richtung des Leuchtturms (Phare de Carleton) führt; Skulptur Terre des Ois’hommes ; Ausblick auf (aufgebockte) Schiffe
    • Observatoire des oiseaux migrateurs: Holzaussichtsturm auf der Landzunge
    • Église catholique Saint-Joseph: zwischen 1850 und 1854 erbaut und 1917 umgebaut wurde. Sie ist die älteste katholische Kirche auf der Gaspé-Halbinsel und den Magdalenen-Inseln.
  • Gesgapegiag First Nation Ceremonial Pow-wow Grounds: Herrlicher Blick aufs Wasser; kleines Micmac-Dorf, und die eigentlichen Zeremonienplätze liegen im Waldstück nördlich des Parkplatzes; Ort zum Erkunden oder einfach nur zum Entspannen.
  • Gaspesian British Heritage Village / Duthie’s Point Heritage Site, New Richmond: Kleine Ansammlung historischer Häuser – in die man aber wohl nicht rein kann; der tolle Gemischtwarenladen scheint nur freitags und sonntags geöffnet zu sein. Am Ende der Straße den Berg hoch steht noch ein Leuchtturm.