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Grand Canyon Trails - 21 Meilen in und durch die Schlucht! [Bright Angel - Tonto - South Kaibab - River]

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zehrer
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Grand Canyon Trails - 21 Meilen in und durch die Schlucht! [Bright Angel - Tonto - South Kaibab - River]

4. März 2019, 4:30 Uhr, 0 Grad Celsius: Die stockdunkle Nacht wird nur durch die Straßenlaternen der Bettenstadt Tusayan durchbrochen. Das sanfte Licht erhellt die Straßen wie Zufahrten auf ein Industriegelände und könnte auch gerne als Markierung einer gut gesicherten Staatsgrenze durchgehen. Dort, wo gestern noch "Myriaden" von Touristen Lärm und Hektik verbreiteten, ist es still. So still, dass der Wecker - unser Wecker - zur ärgerlichen Lärmquelle wird, die versucht, alles im Umkreis von einem Kilometer in den Tag zu befördern.

Die Augen kreisen nur kurz am Plafond des Hotelszimmers, bis die Anspannung und Vorfreude unsere Körper in Bewegung setzt. Das sehr karge Frühstück, das kaum als solches bezeichnet werden kann, erzeugt keine Freude. Als die Zähne geputzt sind und die grau schimmernden Bartstoppeln im Siphon des Waschbeckens Richtung Williams fliessen und das bereitstehende Wanderequipement an Mann und Frau sitzt, geht es endlich los.

Der weiße Yukon gleitet durch die Wälder, die der Colorado River noch nicht verschluckt hat. Das Fernlicht ist in Betrieb, denn die Tierwelt, die inzwischen durch den Tourismus so gezähmt ist, dass sie in jedem Streichelzoo der Welt herzlich willkommen wäre, kann jederzeit den bevorstehenden Tag zum Alptraum werden lassen. Doch bald sind wir am Trailhead. Die Autos der Bright Angel Lodge Gäste versperren fast jede Lücke. Ein letzter freier Parkplatz gehört uns.

Das Gefühl ist ähnlich einem Marathonstart. Wir wissen es wird hart und wir kennen die Fakten, aber ein eisiger Trail auf den ersten 3 Meilen, und das ist nicht mal 1/10 der Gesamtentfernung, die wir heute zurücklegen wollen, brachte gestern Abend noch eine Variable ins Spiel, die wir so nicht erwarteten. Egal, - Stirnlampen auf und auf geht's! Nach ein paar hundert Metern sind wir am Einstieg. Der Colorado wartet 1.679 Höhenmeter weiter unten.

Punkt 6 Uhr setzen wir die "Hirnbirn" auf, ziehen die Spikes an und starten in der noch vorhandenen Einsamkeit des Bright Angel Trails nach unten. Die ersten 2 Meilen ist es brutal glatt, aber diese Billigüberzieher verrichten ihren Dienst. Das Resthouse liegt noch im Dunkeln der Nacht, das Emergency Phone und die Restrooms bleiben unbenutzt.

Ganz weit hinten etabliert sich langsam aber sicher ein kleiner Steifen, der rot schimmert, aber weit davon entfernt ist, diese riesige Schlucht auszuleuchten. Doch bald erreicht das lebensspendende Licht die ersten Spitzen und Felsenwände. Oben am Rim knallt das Gelb in die Dunkelheit. Links vorne steht eine rote Butte, die wie eine Solarlampe zu schimmern beginnt. Von Minute zu Minute wird das Rot intensiver.

Nach 3 Meilen entsorgen wir unsere Spikes und hängen sie an die Rucksäcke. Langsam aber sicher bunkern wir Wasserflaschen und markieren den Ort mit dem GPS. Die Hoffnung, dass wir das begehrte und notwendige Nass wiederfinden, ist vorhanden. Immer tiefer dringen wir in den Grand Canyon vor. Noch sind wir alleine und nichts, aber auch garnichts stört die Ruhe der Natur. Plötzlich Geräusche, ich denke an die aufsteigenden Backpacker von der Phantom Ranch, die uns bald entgegenkommen dürften. Doch zwei Meter neben uns hat es sich ein Reh bequem gemacht und frühstückt.

Nach 5 Meilen erreichen wir Indian Gardens. Am Campground sind die meisten wach, sitzen bereits an den Picnickbänken und futtern. Die Sonne strahlt inzwischen in die oberen Teile des Canyons und leuchtet hier eine rote Steilwand wie ein Scheinwerfer an. Etwas weiter kommt nach 5 Meilen unser Abzweig. So einfach runter und rauf kommt nicht in Frage, wir queren auf dieser Höhe den Grand Canyon und wandern auf dem Tonto Trail nach Osten.

Das Licht ist inzwischen angekommen und leuchtet die Schlucht in weiten Teilen aus. Die Sonne trifft uns und wir erreichen eine komplett andere Vegetationszone. Es geht auf dem steinigen Bergpfad dem South Kaibab Trail entgegen. Kakteen und Sträucher säumen den Weg, alles ist grün. Leider erweckt nicht nur der Weg das Feeling einer Bergwanderung. Vielmehr geht es auf dieser Traverse immer wieder bergauf und bergab. Es sind einige Washes zu umgehen, so dass sich die Verbindung zwischen dem Bright Angel Trail und dem South Kaibab Trail 4,6 Meilen zieht.

Die Bergwände drücken von oben und unten ins Bild und wechseln ihre Schichten von gelb nach rot und umgekehrt. Die unglaubliche Weite wird von der freien Sicht auf weit hinten stehende Butten beeindruckend in Szene gesetzt. Einsam und klein kommt man sich vor - wir bleiben immer wieder stehen und genießen die Natur und die Ruhe.

Nach 4 Stunden und 8,5 Meilen gönnen wir uns die erste kurze Pause. 40 Minuten und 1,2 Meilen weiter sind wir an unserer zweiten Kreuzung angekommen, - der Tonto läuft auf den South Kaibab Trail auf. Uiiih Menschen! Wir wandern nach links, denn das ist die Richtung zum Colorado River. Hier ist die Landschaft wieder anders, teilweise sieht es aus wie auf Hawaii, alles grün und der Boden knallrot.

Nachdem uns stinkende Maultiere, die vermutlich den Müll aus dem Canyon transportieren, entgegen kommen, der erste Sichtkontakt. Die gigantische Felsenlandschaft tritt in den Hintergrund, denn jetzt kommt derjenige, der das alles modelliert hat. Und er ist wieder am Werk, der Colorado, denn in tiefem Braun kommt er daher und transportiert wohl eine Menge an weiteren Sedimenten ab. Nach 12 Meilen, für die wir 6 Stunden gebraucht haben, sind wir am Fluß.

Die Kaibab Suspension Bridge überspannt das Wasser und macht aus dem South den North Kaibab Trail. Hier wandern wir nach links auf dem River Trail weiter. Name ist Programm, er führt am Fluß entlang. Links schützt inzwischen eine Felsenwand weitestgehend vor der Sonne. Wir nehmen die Bright Angel Suspension Bridge nach rechts und platzieren uns genau in der Mitte; wenn man schon mal da ist! Diese zweite Brücke ist schon Teil des Bright Angel Trails und würde weiter zur Phantom Ranch, den Ribbon Falls und letztendlich bis zum North Rim führen. Wir haben T-Shirt-Wetter und es ist schon unglaublich wenn man sich vor Augen hält, dass der North Rim wegen der Wintersperre noch nicht erreichbar ist.

Es geht den Bright Angel Trail zurück, aber hier führt er noch nicht nach oben. Vielmehr begleitet er weiter den Fluß. Sogar Palmen stehen am Wegesrand, es ist halt doch eine Wüste. Nach 13,5 Meilen, fast 7 Stunden unterwegs, sind wir am Sandstrand des Pipe Creek Beach. Kinder spielen, aber Baden wäre vermutlich lebensgefährlich. Zwar sind keine wilden Stromschnellen zu sehen, aber das unebene Wasser zeigt doch eine gewisse Geschwindigkeit des Colorado an.

Es geht wieder nach oben. Anfangs von Palmen begleitet, erreichen wir das sogenannte River Resthouse. Rest wäre schön, aber wenn ich den Blick nach oben richte, weiß ich, was zu tun ist. Schritt für Schritt, der Körper funktioniert noch, nähern wir uns nach 16,5 Meilen der Kreuzung zum Tonto Trail. 8,5 Stunden sind schöne Vergangenheit, nach einer kurzen Pause am kleinen Kraftwerk des Indian Gardens Camp Ground, kommt der gnadenlose Endspurt.

4,5 Meilen sind es noch bis zum Trailhead und es ist wie immer. 4,5 Meilen sind nichts, wenn du aber schon fast 17 Meilen gegangen bist, wirst du vom Kampf bis zur Qual alles erleben. Und so kommt es dann auch. Die Meilen nehmen kein Ende, wir suchen unser Wasser und finden nur eine von drei Flaschen. Keine weitere Zeit vertrödeln, es muss ein Ende her.

Aber zunächst einmal brauchen wir wieder unsere Spikes. Die letzte Meile ist der Hammer, wir taumeln dem Ziel entgegen. Nach 11 Stunden, das GPS hat über 21 Meilen aufgezeichnet (Hinweis: Zuviel, denn es waren einige Ausschläge erkennbar), erreichen wir mit letzter Kraft den Tunnel vor dem Trailhead. Koreaner, Japaner, was auch immer, schlittern uns entgegen. Wie eine Wand erschlagen uns Busladungen von Menschen und Turnschuhe ist noch das beste Schuhwerk, das sie tragen. Für ein Foto hat die Kraft nicht mehr gereicht. Und dann ist es vollbracht! Unser längster Dayhike ist geschafft. Es war einzigartig und hier meine ich die Natur, aber auch die Anstrengung.

Nur noch eine Pizza an der Hotelbar, - wir können uns kaum mehr bewegen.

Hier sind alle Bilder
Hier gehts zum Reisebericht

Formale Hikebeschreibung auf der USA Hiking Database folgt ...

Kaddi
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Zuletzt online: vor 2 Wochen 5 Tage
Beigetreten: 28.10.2017 - 07:33
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RE: Grand Canyon Trails - 21 Meilen in und durch die Schlucht! [

Hallo Fritz!

Sehr schöner Schreibstil! Es war eine Freude deinen Beitrag zu lesen. Und die Fotos sind auch ganz wunderbar!

Gern mehr davon.

 

Viele Grüße

Kaddi

zehrer
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Zuletzt online: vor 1 Monat 2 Wochen
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RE: Grand Canyon Trails - 21 Meilen in und durch die Schlucht! [

Danke Kaddi

suru
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Zuletzt online: vor 3 Stunden 15 Minuten
Beigetreten: 05.03.2011 - 20:13
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RE: Grand Canyon Trails - 21 Meilen in und durch die Schlucht! [

Hallo Fritz,

wir sind genau einen Monat später den South Kaibab Trail hinunter und den Bright Angel Trail am nächsten Tag wieder hoch. Schnee hatten wir zum Glück nicht mehr, morgens zwar kalt aber ansonsten Traumwetter bei angenehmen Temperaturen.  Schade, dass mir eure Kombinaion für den Weg nach unten nicht eingefallen ist, denn den South Kaibab Trail kannten wir schon. Tolle Leistung, dann ohne Übernachtung wieder  wieder nach oben zu laufen! 

Wir sind in den 6 Wochen mal wieder einige Trails aus eurer USA Hiking Database gelaufen, vielen Dank dafür.

Liebe Grüße

Susanne
Scout Womo-Abenteuer.de

Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen. (Johann Wolfgang von Goethe)

zehrer
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Zuletzt online: vor 1 Monat 2 Wochen
Beigetreten: 30.09.2009 - 05:20
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Hallo Susanne,

das klingt super. Habt Ihr in der Phantom Ranch oder am Camp Ground übernachtet? Wie lange vorher musstet Ihr reservieren?

Richard
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Zuletzt online: vor 17 Stunden 59 Minuten
Beigetreten: 07.10.2009 - 21:00
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RE: Grand Canyon Trails - 21 Meilen in und durch die Schlucht! [

Servus Fritz,

Unser längster Dayhike ist geschafft. Es war einzigartig und hier meine ich die Natur, aber auch die Anstrengung.

Das kann ich sehr gut nachvollziehen. yes

Viele Grüße

Richard
Scout Womo-Abenteuer.de

Unsere Möglichkeiten sind begrenzt. Von dem was wir für unmöglich halten.

zehrer
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Zuletzt online: vor 1 Monat 2 Wochen
Beigetreten: 30.09.2009 - 05:20
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RE: Grand Canyon Trails - 21 Meilen in und durch die Schlucht! [

Ja, war fast so anstrengend wie ein Marathon. Aber wir sind gleich am nächsten Tag nach Sedona und haben ein paar Trails gemacht 🤔😎😂

suru
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Zuletzt online: vor 3 Stunden 15 Minuten
Beigetreten: 05.03.2011 - 20:13
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RE: Grand Canyon Trails - 21 Meilen in und durch die Schlucht! [

Hallo Fritz,

wir waren auf der Phantom Ranch, fanden wir wesentlich angenehmer als in 2014, da waren wir mit dem Zelt unten. 13 Monate vorher haben wir die Dormplätze in der Lottery "gewonnen". Unten hatten wir dann Glück und haben für 50 $ upgrade eine Cabin bekommen. Das Essen hatte ich ebenfalls schon so früh reserviert. So eine Nacht dort unten ist einfach genial. Ich träume noch davon, auf der Bank vor unserer Cabin zu sitzen und zum Rim zu schauen. 

Wir sind am Tag nach dem Aufstieg nach Lees Ferry gefahren und sind den Cathedral Wash gelaufen. Fand ich schwieriger als die Wanderung in den Canyon, die eine "Stufe" wäre ich ohne Volkers Hilfe nicht wieder hoch gekommen.

Liebe Grüße

Susanne
Scout Womo-Abenteuer.de

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zehrer
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Zuletzt online: vor 1 Monat 2 Wochen
Beigetreten: 30.09.2009 - 05:20
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RE: Grand Canyon Trails - 21 Meilen in und durch die Schlucht! [

Danke Susanne für Deine hilfreiche Info. Cathedral Wash hatte ich 2017 eingeplant, haben aber zu lange bei den Wave-Arches rumgehangen ☺️

eagle eye
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Zuletzt online: vor 21 Stunden 41 Minuten
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RE: Grand Canyon Trails - 21 Meilen in und durch die Schlucht! [

Hallo Fritz,

vielen Dank für die Beschreibung und die wunderschönen Fotos Eures sensationellen Erlebnisses.

4,5 Meilen sind es noch bis zum Trailhead und es ist wie immer. 4,5 Meilen sind nichts, wenn du aber schon fast 17 Meilen gegangen bist, wirst du vom Kampf bis zur Qual alles erleben.

Ich kann Euer leiden gut nachvollziehen. Diesen Strecke und vorallem die Höhenmeter an einem Tag zu bewältigen ist schon bemerkenswert - aber ihr seid ja auch wandererprobt und leidensfähig. Und dann habt ihr euch am nächsten Tag in Sedona noch locker ausgelaufen?

Wir waren letzten Sommer mit den Kids auch unten im Canyon  allerdings bei 40 Grad und mehr. (Den Bericht habe ich zufällig auch erst vor ein paar Tagen eingestellt, da passt Deine Schilderung also bestens!) . Wir aber waren mehr als froh, dass wir eine Nacht zwischen Auf- und Abstieg hatten. Ich glaube, meine Frau hätte sich scheiden lassen, wenn ich für den nächsten Tag einen Hike auf dem Zettel gehabt hätte. (Also einen im Petto gehabt hätte ich schon, aber das muss ich ihr ja nicht sagenwink).

LG, Mike

 

zehrer
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Zuletzt online: vor 1 Monat 2 Wochen
Beigetreten: 30.09.2009 - 05:20
Beiträge: 432
RE: Grand Canyon Trails - 21 Meilen in und durch die Schlucht! [

Hallo Mike,

die Temperatur ist bei diesem Hike natürlich ein nicht zu vernachlässigender Faktor. Da war es bei uns sehr angenehm, nur unten im Canyon war T-Shirt angesagt.

In Sedona sind die Hikes natürlich i.d.R. moderat, so dass wir - wie Du geschrieben hast - uns mehr oder weniger nur ausgelaufen haben. Das und dehnen ist im Alter sehr wichtig  smiley