Frisch war es heute Nacht, bei über 8.000 ft Höhe aber auch keine wirkliche Überraschung – das gute „Doppeldeckenprinzip“ mit Schlafsack und zusätzlicher Kuscheldecke oben drüber kommt bereits früh im Urlaub zum Einsatz. Die Heizung wird angeschmissen und der Männe erbarmt sich und setzt Wasser für das schwarze Gold auf. Ohne Käffchen geht bei mir am Morgen nichts!
Der CG wird neben der absoluten Stille übrigens auch für den unvergleichlichen Blick auf die Milchstraße gepriesen. Wolkendecke und einem noch recht vollen Mond sei Dank - ja ok und der Jetlag war schon auch ein Grund xD - haben wir das nächtliche Aufstehen zum Gucken jedoch direkt ad acta gelegt. Dafür ist später im Urlaub noch genug Gelegenheit.
Wir frühstücken in der Shäbbi Lady und lassen die Rollos bei einsetzender Dämmerung noch ein Weilchen zu, jeder extra Fitzel „Dämmung“ ist herzlich willkommen. Der Pfannenwender führt bei uns auch in diesem Jahr ein Zweitleben als „Rollo-Klemme“ im Schlafbereich – neben die Matratze und vor das Rollo gefriemelt, gebieten wir dem kalten Zug durch das Fenster so ein wenig Einhalt.
Mit vollen Mägen wird die Handbremse der Lady gelöst (die macht auch im Chevy das gewohnte „Klonk“) und los geht’s zunächst zum Sierra View Overlook. Dort führt ein kleiner Pfad auf einen Aussichtspunkt mit Bank und Blick auf die White Mountains und natürlich die Sierra Nevada im Morgendunst. Wunderhübsch, aber zugig ist es.


Mit uns ist noch ein etwas älteres Pärchen zum Fotografieren hier. Mit gedämpften Stimmen wird sich kurz begrüßt, um den Morgenzauber nicht zu stören. Nach etwa 20 min kehren wir zur Shäbbi Lady zurück, um Richtung Visitor Center und dem ersten Trail des Urlaubs zu rollen. Die Lady hat uns wohl doll vermisst … nachdem der Männe nämlich die Fahrertür öffnet, bläst uns erst einmal mit vollem Karacho die Alarmanlage entgegen … autsch, soviel zum Morgenzauber. Wir hatten schon gestern festgestellt, dass die Zentralverriegelung nicht vernünftig funktionierte und dann auf das manuelle Verriegeln an der eigenen Tür gesetzt. Irgendeine Kombination von abschließen und verriegeln passte der Shäbbi Lady jedoch einfach nicht - es sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass wir unsere Abfahrt dem nahen Umfeld in voller Lautstärke kundgeben :)
Nun zumindest richtig wach, wurden die letzten Meilen zum Visitor Center in Angriff genommen. Ihr erinnert euch, dass unser Tank nicht mehr sooo gut gefüllt war? Durch das beständige bergauf und die vielen Serpentinen konnte man die angezeigte Reichweite im Sekundentakt fallen sehen … wäre das VC nicht so nah gewesen, wären wir tatsächlich umgedreht – das ist doch nichts für meine schwachen Urlaubsnerven. Der anstehende Weg nach Big Pine führt zum Glück großteils bergab, so dass wir uns auf der gefühlt letzten Rille (so schlimm war es dann, wie sich später an der Tankstelle herausstellte, doch nicht ;) ) auf den leeren Parkplatz des VC retten, der aus einigen Seitenbuchten entlang eines kleinen Loops besteht.

Rucksäcke geschnappt und auf geht es auf den längsten Trail (ca. 4 mls) hier oben, der nach dem angeblich ältesten Ancient Bristlecone „Methuselah“ benannt ist. Wir folgen dem Trail entgegen des Uhrzeigersinns und sind völlig allein – erst ganz zum Ende treffen wir auf 1-2 andere Wanderer. Also alles ganz so, wie wir es lieben. Die Temperaturen sind frisch, aber angenehm (lange Wanderhose und Jäckchen sind ausreichend) und die Sonne scheint brav vom Himmel. Wir runden Stück für Stück eine Schlucht und genießen dabei spektakuläre Blicke ins „Tal“ und auf die unzähligen Bristlecones, die hier stehen.


In schöner Regelmäßigkeit geht es hoch und runter, so dass wir schon bald die Jacken öffnen und ab und zu ein kleineres Verschnaufspäuschen für mich einlegen – wir haben ja keine Eile und mein Körper ist von den Medis noch immer geschwächt. Gegen Ende zieht es sich ein bisschen, aber als wir nach gemütlichen zwei Stunden wieder vor dem Visitor Center stehen konstatieren wir: Das war ein lohnenswerter und genau richtiger Einstieg für dieses Jahr! Es ist erst 10 Uhr, wir entern das Gebäude des VC und ich frage nach dem America the Beautiful Pass. Doch der ist … ausverkauft. Stattdessen müssen wir einen Day Pass für die Gegend erwerben, der mit $6 zwar so gerade bezahlbar ist ;) , aber wenn der Besuch eigentlich mit dem Jahrespass abgedeckt wäre, ist dies doch ein bisschen ärgerlich. Die Rangerin empfiehlt mir dann im nächsten Atemzug den gerade erwanderten Methuselah Trail, doch ich winke stolz lächelnd ab, schon lääängst erledigt.
In unserer Lady gönnen wir uns einen Zwischen-Joghurt und machen uns dann auf die Mission „spritsparend zur Tankstelle rollen“. Das klappt auf der White Mountain Road famos und kurz darauf biegen wir auch schon wieder rechts auf die CA-168 ab. Die Nerven beim Männe beruhigen sich. Der Tank reicht bis nach Big Pine. Meine Nerven sind noch leicht flatterig, denn da kommt gleich noch was :) Pragmatisch wie ich bin, habe ich dem Männe lieber nichts von dem kurzen einspurigen Stück durch einen Canyon auf dieser Straße erzählt. Hinterher hätte er dann sein Veto gegen den Besuch der Bristlecones eingelegt. Das Stück ist zwar kurz, aber bei Gegenverkehr rückwärts wieder aus einem Canyon herausfahren, weil der bergauf fahrende Verkehr Vorrang hat … *hüstel

Wird schon werden – die Vorrecherche der Strecke auf YouTube sah machbar aus. Nach kurzer Warnung in Richtung Fahrersitz taucht auch schon das Hinweisschild für die „One Lane“ auf. Die Lady huscht hinein und … kurz darauf wieder hinaus. Ok, das war deutlich unspektakulärer als gedacht.

Wir nähern uns Big Pine und damit auch der Sierra Nevada, manometer ist diese Bergkette hübsch. Die erste Tankstelle ist unsere. Nachdem die Shäbby Lady gefüllt ist, stellen wir uns der nächsten Herausforderung: Die El Monte Hotline anrufen. Was leuchtete nämlich wieder fleißig und dauerhaft im Armaturenbrett? Na klar, die Motorkontrollleuchte …
Ich erreiche zwar direkt jemanden, doch die Dame in der Leitung kann mich nicht hören – was ist da denn los. Ich lege auf und werde kurz darauf dann von El Monte zurückgerufen, puh. Ich schildere die Problematik inkl. unserer Extra-Runde in Las Vegas am Übernahmetag und höre es durch den Hörer rascheln. Die Mitarbeiterin nimmt eine Checkliste zur Hand und ich darf auf Englisch einige technische Auto-Fragen beantworten – eine Traumkombination :) wer hat für sowas schon das Vokabular parat. Naja, wir kämpfen uns gemeinsam durch und dann lautet das Fazit: Solange die Leuchte nicht anfängt zu blinken oder die Farbe wechselt – gute Fahrt! Das lassen der Männe und ich erstmal sacken … zu Hause wäre dies für uns undenkbar, aber hier … hier ticken die Uhren halt anders.

Der Männe bugsiert die Lady aus der Nebenstraße mit kleinen knuffigen und seeehr amerikanischen Vorgärten wieder auf die US-395 Richtung Süden. Diese Straße ist umwerfend. Nicht nur angenehm zu fahren, weil zweispurig und frisch geteert, sondern mit einem absoluten Premium-Blick auf die Sierra Nevada, wow. Mein Gesicht klebt am Seitenfenster. Nach guten 40 Meilen erreichen wir das nächste „Pinien-Städtchen“, Lone Pine. Wir biegen rechts auf die Whitney Portal Road ab und haben das heutige Fast-Ziel bald direkt vor Augen – der Mount Whitney ragt in dem faszinierenden Lichtspiel aus Sonne, Wolken und Regen empor.


Den Alabama Hills statten wir heute nur einen Mini-Besuch am Wegesrand ab, die Erkundung ist für übermorgen geplant und bei dem beständigen Donnergrollen muss ich jetzt auch nicht ungeschützt durch die offene Wildnis tapern. Der Stopp am Nightmare Rock, der direkt an der Straße liegt, ist aber Pflicht und schon hier begeistern mich die coolen Steine der Alabama Hills, die mich an den Joshua Tree NP erinnern.

Tapfer stellt die Shäbbi Lady sich dann dem Anstieg auf der Whitney Portal Road. Hier gibt es mehr Gegenverkehr - es ist früher Nachmittag - doch die Straße ist laut Männe problemlos zu fahren. Das leicht mulmige Gefühl aufgrund der Höhe gehört bei mir mit dazu. Oben angekommen darf die Gute dann für zwei Nächte auf Site 1 des Whitney Portal Campground verschnaufen.

Dort habe ich im Vorfeld punktgenau reserviert (zwingend nötig, es war komplett voll) und auf genau diese Site gelauert, um nicht in Schwierigkeiten beim Rangieren auf diesem engen CG zu kommen. Bei Ankunft müssen wir jedoch feststellen, dass die halbe Site 1 dem Regen / Schnee des Jahres zum Opfer gefallen ist :) so darf der Männe dann doch fleißig Kurbeln, um unsere vollschlanke Lady sicher abzustellen.

Der Rest des Tages verläuft ruhig. Der obligatorische Anleger wird genossen, dem Fluss hinter unserer Site sowie dem einsetzenden leichten Regen auf dem Dach gelauscht und mehrere Runden „Arschmallows“ (ja, das heißt wirklich so
) gezockt. Morgen geht es im Morgengrauen wieder los, Höhenmeter ahoi, zum Lone Pine Lake.
Wanderbilanz des Tages: Über 4 Meilen und rund 240 Höhenmeter.
Lieben Gruß
Annika
Mount Whitney, der höchste Berg der USA außerhalb Alaskas
Ich liebe ihn. Waren das erste Mal 1977 dort.
Freue mich auf die Fortsetzung des Reiseberichts..
Liebe Grüße Gerd
Meine Reiseberichte, bitte auch auf Seite 2 schauen.
Ich bin auch ganz gespannt, da wir es 2024 leider dort nicht hin geschafft haben.
Tolle Fotos und eine so lebendige Art zu schreiben - ich fühle mich, als wäre ich dabei.
LG, Regina
Moin zusammen,
ich fand ihn auch total zauberhaft, nachdem ich ihn dann endlich in der Bergwelt lokalisiert hatte
Vor allem bei Blick durch den Mobius Arch, ikonisch.
Und schön, dass du auch an Bord bist, Regina, und danke
Lieben Gruß
Annika
Nordkalifornien 2023: Nebel, Rauch, Berggipfel, Baumriesen und wilde Küste
Hi Annika,
...ja, absolute Traumstraße
!
Munter bleiben
Gruss
Kochi
Scout WoMo-Abenteuer.de