Die Nacht ist kurz – trotz großer Erschöpfung hat mein Kopf es gar nicht eingesehen, mich brav durchschlafen zu lassen und ein paar Stunden reinzuholen. Jetlag ahoi! Ziemlich gerädert werfe ich mich unter die Dusche und komme kaputti wieder raus. Huiuiui, mein Körper wird uns doch wohl keinen Strich durch die stramme erste Wanderwoche machen?
Ignorieren ist die Devise und so machen wir uns auf durch die verwaisten Casino-Flure in Richtung Käffchen und Frühstück. Die Putzcrew zieht polierend an uns vorbei und Geldkassetten in den Automaten werden getauscht, spannend. Ich liebe es, die alltägliche Logistik hinter großem Brimborium zu erleben, so erdend.
Da der 150€ Verzehrgutschein eingesetzt werden wollte (ging ganz einfach indem wir den Gutschein beim Kellner erwähnt haben und er die Rechnung entsprechend intern verbucht hat), landen wir im „The Henry“ direkt vor Ort. French Toast und Omelett munden und die Bedienung ist aufmerksam und lieb, so dass ich langsam mit dem gestrigen usseligen USA-Start versöhnt werde.
Fit bin ich aber auch nach dem Frühstück nicht … so organisieren wir uns noch einen zweiten „lecker“ Kaffee und legen ein Päuschen auf unserem höchsteigenen Balkonien ein – kann man machen :) Fontänen gibt es vormittags ja nicht zu bewundern (unter der Woche erst ab 3 p.m.), aber auf dem Strip ist auch so genug los. Wir beobachten die Wartungscrew des Bellagio im Boot, diverse Müll- und Lieferwagen und die unzähligen Flugzeuge, die den Harry Reid heute aus nördlicher Richtung kommend anfliegen und somit nah an uns vorbeikommen, cool. Und wer sich ob der grauen Bilder wundert: Ja, es hat tatsächlich geregnet und war auch zeitweise echt zugig.

Am Vormittag fühlte man sich übrigens immer zwischendurch beobachtet :) die Sphere ist schon irre. Eigentlich wollten wir diese auch von innen besuchen, doch Ende August wurde "Postcard from Earth" eingestellt und auf den Zauberer von Oz hatten wir zu den Preisen keine Lust, blöd.

Gegen Mittag bestellen wir uns ein Uber und nehmen den ersten Teil unseres Ersteinkaufs – Teil II folgt dann morgen nach Womo-Übernahme – in Angriff! In diesem Jahr haben wir weder persönliche Ausstattung noch das Küchenpaket gebucht, da wir sowieso jedes Mal einiges nach unseren Wünschen und Bedürfnissen hinzukaufen und viel Gedöns aus den Paketen nicht brauchen. Mit zwei verschließbaren Ikea-Tüten bewaffnet lassen wir uns auf einem großen Parkplatz absetzen, an den ein Walmart Supercenter und ein Dollar Tree angrenzen. Deutlich entspannter als am Übernahmetag schlendern wir durch die Flure und suchen uns Stück für Stück unsere Utensilien für die nächsten vier Wochen zusammen. Scharfe Messer, Brettchen, ein kleines Topf-Set und ein Wasserkessel wandern genauso in den Wagen wie eine Kuscheldecke und die obligatorische Hakenleiste für die Badezimmertür, die wir mittlerweile in dritter Ausführung im Dollar Tree erwerben. Bei Verbrauchsgegenständen halten wir uns zurück, erfahrungsgemäß ist das Resteregal nach dem Labor Day (und dem Burning Men Festival :) ) in der Station gut gefüllt.
Wir kassieren nicht nur einen verdutzen Blick als wir unsere Schätze dann nach dem Bezahlen an einem kleinen Tisch in unsere Volumenwunder Ikea-Tüte unterbringen, hrhr. Mal eben kurz offensichtlich als Europäer geoutet. Unser Uber-Fahrer zurück zum Cosmo erkennt uns auch gleich „Aaaah, you are those guys with the Ikea bags I saw inside“ – jop, sind wir. Unser Fahrer entpuppt sich als BVB Fan und so quatschen wir die Fahrt über angeregt über Sport und u. a. den Bau des riesigen neuen Baseball Stadions hier in Las Vegas. Wohlbehalten angekommen eilen wir mit unseren Tüten in Richtung der Fahrstühle. Ein bisschen lustig ist das ja schon, wenn einem die Mädels mit Chanel und Gucci Tasche gegenüberstehen und man selbst die klitzekleine blaugelbe Schönheit auf der Schulter frisch justiert :)

Auf der Suche nach etwas Essbarem wandern wir dann durch die angrenzenden Hotels und landen schließlich bei In-N-Out Burger. Ein paar Geschäfte werden erbummelt, ein Flamingo-Kaffeebecher erstanden, Fontänen „von unten“ geguckt und sich bei der CVS mit Trinkbarem eingedeckt, um den Abend dann entspannt auf unserem Zimmer in Wanne und auf dem Balkon zu verbringen. Das Zimmer will ja angemessen genutzt werden! Ein Vollbad in einer Sitzwanne mit Blick auf den Strip ... empfehlenswert ;)

Was ich heute früh jedoch schon ahnte und erfolglos versuchte tagsüber zu ignorieren und mit literweise Wasser und Mannose zu bekämpfen, wird allerdings langsam Gewissheit: Ich habe mir meinen typischen Reise-Infekt eingefangen, hmpf. Zumindest bin ich inzwischen vorbereitet und habe alles Nötige in der Reiseapotheke mit dabei und muss nicht wie 2022 – übrigens auch in Las Vegas - einem Arzt mit den weißesten Zähnen der Welt gegenübersitzen, um die nötigen Medis zu bekommen ![]()
Ganz schön ereignisreich der Start dieses Jahr. Ob die morgige Übernahme sich da einreiht? Fortsetzung folgt.
Lieben Gruß
Annika