Langsam stellt sich unsere gewohnte Camping-Routine ein, die da lautet: Mit dem ersten Licht wach werden, Käffchen kochen, nochmal in die Decken einkuscheln (also ich …
) und nach leckerem Rührei mit Bagel und Honig aus dem Honigbären sich kurz frisch machen und dann auf die Straße bzw. den Trail huschen.
Der vierte Morgen in der Shäbbi Lady und bisher der vierte Morgen ohne Rauchmelder-Alarm, neuer Rekord! Wir beglückwünschen uns … gießen weiter den Kaffee durch einen Filter in unserem aus Deutschland mitgebrachten fancy Silikonfilter, den man platzsparend zusammenklappen kann, und … haben kurz darauf ein Kaffeesatz-Meer in der Küche. Der Silikonfilter hat angesichts der Hitze des Wassers seinen Dienst quittiert und ist in sich zusammengesackt. Alles ist voll … der Boden … die Schubladen und … der Herd. Durch die Öffnungen für die Brenner ist die ganze Soße hindurchgesuppt, örgs. In der nächsten halben Stunde versuchen wir mit vereinten Kräften und Ideen die Sauerei aus dem Herd zu bekommen, das Zeugs kokelt getrocknet nämlich bestimmt richtig gut
In guter amerikanischer Bauweise wurde das Oberteils des Herds, welches den Zugang zu der betroffenen Brenner-Ebene versperrt, jedoch mit Leisten unzugänglich verschraubt. Weder von unten noch oben kommt man an die Schrauben dran, fantastisch. Ich fische mit einem Lappen und mit meinen kleinen Händen so viel Siff wie möglich raus und gehe dann - bei offenen Fenstern brrr – in Lauerstellung beim Rauchmelder. Der Männe beginnt die Bagels zu toasten und als der Rauchmelder zeigt, dass er tatsächlich funktionstüchtig ist, bin ich direkt zur Stelle. So ja nicht!

Deutlich geruhsamer fällt dann die Abfahrt vom Whitney Portal CG aus – dieses Morgenlicht, hach! Heute stehen für den Vormittag die nahen Alabama Hills auf dem Plan, die wir vorgestern nur kurz bewundert haben.
Wer es von uns noch nicht weiß: Bei unbefestigten Wegen in Kombination mit einem Womo sind der Männe und ich Schissbuchsen. Die Movie Road durch die Alabama Hills ist genau so ein Straße, so dass die Tagesplanung vorsah, soweit wie möglich den kleinen asphaltierten Teil der Straße zu befahren, die Lady zu parkieren und dann Schusters Rappen zu bemühen. Der Mobius Arch ist Pflicht, der Rest ist dann Lust und Laune.

Rund eine halbe Meile reicht der asphaltierte Teil, der an einem kleinen holprigen Bereich mit ausgeblichenen Infotafeln zu den Alabama Hills endet. Dort stellen wir die Shäbbi Lady möglichst gerade und platzsparend ab, rüsten uns mit ordentlich Wasser aus – hier unten ist es bereits jetzt echt muckelig – und stapfen los zum nahen Felsen „Shark´s Fin“, immer mit frontalem Blick auf die Sierra Nevada. Einfach nur schön hier.

Weiter geht´s für knapp eine Meile entlang der sandigen Hauptstraße, auf der am frühen Vormittag noch friedliche Ruhe herrscht. Der Sand ist teils mühselig, doch alles in allem gut zu gehen. Auf dem kleinen Parkplatz zum Mobius Arch Loop stehen bereits ein paar Fahrzeuge und wir entern den Loop entgegen des Uhrzeigersinns und ich lasse einfach mal Bilder sprechen:




Man fühlt sich wirklich wie in einer anderen Welt – kein Wunder, dass hier unzählige Filme gedreht wurden. Wir sind beide ganz beseelt von diesem wunderhübschen Fleckchen Erde. Auf der Suche nach dem Django Unchained Spot (auf dem nächsten Bild geradeaus durch saß Christoph Waltz) folgen wir einigen der unzähligen Abzweigungen in den Hills, die immer wieder rechts und links Camping-Optionen offerieren.

Die Wenigsten sind Womo-geeignet, da teils tiefe Sandfurchen zu durchfahren sind und es hier und da enger werden kann. Aber hier stehen und Sonnenauf- oder -untergang genießen, wow.


Ausgeschildert ist bis auf die Übersichtskarten des Areals hier allerdings praktisch nichts, keine Wege und auch keine Film-Spots. wirklich böse verlaufen kann man sich nicht, da die Hauptstraße bzw. die darauf fahrenden Fahrzeuge immer mal wieder ins Blickfeld rücken, aber es ist schon ein kleines Labyrinth. Den Django Unchained Spot finden wir erst auf den Bildern in der Nach-Recherche zu Hause
aber auch so ist der ausgiebige „Hügel-Spaziergang“ sowas von lohnend.

Wir folgen den vielen Abzweigungen in ungefährer Himmelsrichtung der Shäbbi Lady und landen nach rund 2,5 Stunden wieder am Ausgangspunkt, kredenzen uns ein kaltes Getränk und halten Kriegsrat.
Neben der zwingend notwendigen Suche nach einer Dumping Station stehen für den weiteren Tagesverlauf ein Besuch des Museum of Western Film History hier in Lone Pine oder die direkte Weiterfahrt nach Norden auf der 395 zur Disposition. Übernachten tun wir heute auf dem Big Pine Creek CG in der Nähe von … Big Pine
, aber wir könnten den Rest des Tages ein Stück weiter in und um Bishop verbringen und noch einen kleineren Hike einschieben, hmmm.
Das Pendel schlägt flott zugunsten von etwas Abwechslung und dem Museum aus, so dass wir mit der Shäbbi Lady kurz darauf vorsichtig entlang des asphaltierten Teils der Movie Road zurückrollen und uns knapp 10 min später auf dem riesigen Parkplatz des Museums einen schönen Oversized Vehicle Spot sichern. Der Internetempfang ist hier überraschend gut, so dass der Männe während unseres Mittagspäuschens noch weiteres Kartenmaterial für die nächsten Wanderungen zieht.

Das Museum selbst ist liebevoll mit diversen Requisiten und Geschichten zu den hier in den Alabama Hills gedrehten Filmen hergerichtet. Uns sprechen insbesondere die Klassiker wie Star Wars oder die neueren Filme an, wie eben Django Unchained, aber auch Iron Man oder Gladiator – bei Letzterem habe ich vorher noch nie erkannt, dass Russel Crowe erstmal nett mit dem Mount Whitney im Hintergrund unterwegs war, cool. Ein gutes Stündchen wandern wir für $8 pro Nase durch die klimatisierte Ausstellung, ein lohnenswerter Abstecher.


Bevor wir nach Big Pine aufbrechen, gilt es die Shäbbi Lady noch in einen frischen Zustand zu versetzen und erstmalig diesen Urlaub zu dumpen und neues Wasser aufzunehmen. Die nächsten zwei Nächte stehen wir wieder „dry“ und ohne Versorgungsmöglichkeiten vor Ort, wie schon bei den Bristlecones und in Whitney Portal. Auf der Suche nach einer Dump Station rollen wir einmal durch den direkt in Lone Pine verorteten Sierra View RV Park, der eher wie ein fester Trailer-Park aussieht und kein offensichtliches Office besitzt, um dann die paar Meilen nach Süden zum Boulder Creek RV Resort zu düsen, wo wir für $20 (autsch ..) in aller Ruhe auf einer Site die Lady auffrischen dürfen. Der CG ist wirklich nett angelegt, eine gute Option, um mit mehr Komfort in der Gegend zu übernachten.
Die Strecke nach Big Pine ist auch in anderer Fahrtrichtung noch genauso hübsch wie auf der Hinfahrt vor zwei Tagen und nach einem kurzen Tankstopp (jaja … ) schlängelt die Lady sich entlang der Glacier Lodge Road schon wieder in die Bergwelt der Sierra hinauf.

Schlafplatz für die nächsten beiden Tage ist Site 8 des Big Pine Creek CG für $26 pro Nacht. Der CG liegt etwas versteckt und herrlich einsam hinter der bereits für die Saison geschlossenen Lodge.
Das große "aber" bildet allerdings die CG-Straße, die an vielen Stellen von Wurzeln nach oben gedrückt wird und somit extrem huppelig und teils auch noch eng bewachsen ist. Bei Anblick des Rumpelkurses schlucken wir kurz. Ich springe aus dem Führerhäuschen, gebe den Einweiser für die Lady und laufe vorweg, so dass wir wohlbehalten nach einigem Rangieren auf unserer Site stehen und den Anleger mit Blick auf die Berge genießen können.

Zusätzliches Unterhaltungsprogramm zu unserem Lese- und Trink-Stoff bekommen wir durch die den Nachmittag über nach und nach eintrudelnden CG-Nachbarn geboten, die das Loch (!) kurz nach unserer Site lautstark durchrumpeln, knirschend aufsetzen oder im Falle eines voll besetzten Wagens mit 5 Jungs sogar an dem Buckel auf der Straße hängen bleiben.

Äh, wie sollen wir hier übermorgen wieder rauskommen mit unserer vollschlanken Lady? Ein Problem für die Zukunft
, in der Gegenwart machen wir uns lieber noch ein stärkendes Kaltgetränk auf, denn morgen stehen wieder schmerzende Oberschenkel auf dem Weg zu den Big Pine Lakes an.
Wanderbilanz des Tages: Rund 4,5 sandige Meilen und 100 Hügelmeter.
Lieben Gruß
Annika