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Kalifonien-Reise mit zwei Kindern (3, 6 Jahre) im November

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Kalifonien-Reise mit zwei Kindern (3, 6 Jahre) im November
Eckdaten zum Reisebericht
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Hallo Liebe Forums-Mitlieder,

nachdem uns hier - passiv lesend - viele Tipps und Berichte geholfen haben, möchten wir ebenfalls einen Kurzbericht unserer Kalifornienreise Ende Oktober und November an das Forum zurückgeben und somit vielleicht dem einen oder anderen, insbesondere jungen Familien, bei der Reiseplanung helfen.

Wir beschränken uns dabei auf eine Zusammenfassung und verzichten auf ein detailliertes Reisetagebuch mit Schilderungen unseres persönlichen Alltags. Der Fokus soll auf unseren - subjektiv  - wahrgenommenen Highlights für die Reiseplanung anderer und einigen praktischen Punkten liegen, die neu sind oder noch nicht so oft beschrieben wurden.

Unsere Reise begann Ende November und dauerte etwas mehr als drei Wochen, wobei wir jedoch zu Anfang und Ende Freunde in Los Angeles besuchten und dort einige Tage verbrachten - die eigentliche WoMo-Tour ging über 16 Tage.

 

Reisezeitraum und -Buchung

Wir hatten das Glück, unglaublich günstige Flüge mit Lufthansa gebucht zu haben (<400 EUR pro Person return) und ein ebenfalls unglaublich günstiges Wohnmobil (27-30ft Star RV mit Slide-Out für ~1100 EUR) gebucht zu haben, nicht ganz ein Jahr im Voraus. Diese Preise wird man wohl nur in der absoluten Nebensaison und mit etwas Glück bekommen.

Uns war von vorneherein klar, dass die Nebensaison auch Einschränkungen mit sich bringt (Nördlich von LA schon ziemlich kalt, insbesondere Nachts), uns war jedoch auch klar, dass Vorteile damit verknüpft sind:

Wir hatten - bewusst - keinerlei Campgrounds voraus gebucht und sind überall wunderbar untergekommen, mit sehr schönen Sites. Dies gibt einem die Freiheit, trotz vorhandener, geplanter Strecke, an dem einen oder anderen Stopp wo es schön ist, auch mehr Zeit zu verbringen bzw. schneller weiterzufahren, wenn gewünscht.

Eine Einschränkung gibt es dennoch bei dieser Reiseform: in den State Parks (nicht zu verwechseln mit Nationalparks) gibt es leider eine sehr seltsame Praxis der Reservierungen. Auch bei Ankunft und mehrtägig freien Stellplätzen lassen sich diese vor Ort nicht mehr mehrtägig buchen. Wir mussten daher innerhalb von State Parks manchmal den Platz wechseln, um länger zu bleiben. Damit nicht genug, man muss jeden morgen für eine Art “Lotterie” anstehen, um dann einen Platz neu zu bekommen (oh wunder - es sind Plätze frei - klar, der Platz war nichtmal halb voll). Es fühlt sich wie Schikane an, ist aber scheinbar gängige Praxis und einfach “Behördentum”.  In den Nationalparks werden Spontananreisen bei freien Plätzen besser gehandhabt. Daher: In State Parks am besten Vorausreservieren, dann bleibt einem das erspart. Andererseits bekamen wir so mehrfach tolle Plätze an den besten Stellen.

 

Insgesamt sind wir 1600 Meilen gefahren und haben im ersten Teil der Reise einige, ausgewählte Orte besucht und weitere Strecken zurückgelegt, während wir dann gegen Ende der Reise gemütlich - im wärmeren Süden - kürzere Etappen und längere Aufenthalte gewählt haben.

 

Fokus der Reise

Wir besuchten mehrfach Freunde, die in Kalifornien leben und waren primär am Meer und den Nationalparks interessiert sowie den Städten Los Angeles, San Francisco, San Diego.

Auf Vergüngungsparks wie Disneyland haben wir verzichtet. Selbst hätten zwar Spaß an den Attraktionen, aber unsere Kinder sind noch zu klein für die Fahrgeschäfte und auch nicht so Disney-Fans (dafür auf andere Serien etc. - wir sind keine völligen Medienabstinenzler). Nur der Attraktionen für kleine Kinder wegen empfanden wir es nicht wert, einen Urlaubstag und Eintritte in Höhe von über $400 pro Familie zu opfern. Wir heben uns das auf für später, wenn die Kinder älter sind und mehr davon “ausnutzen” können. Außerdem gibt es (sogar günstiger) ja auch Disneyland, Legoland und Co. in Europa.

Den “Big Sur” ließen wir auf dieser Reise aus, aufgrund der zuvor stattgefundenen Erdrutsche und gesperrten Brücke hätte dies einen sehr großen Umweg für uns bedeutet. Auch den Yosemite NP haben wir bewußt ausgelassen, damit es nicht zu viel wird, und da es zu dieser Zeit dort relativ kalt ist. Müssen wir eben nochmal wieder kommen! Stattdessen planten wir mehr Zeit für die Küste zwischen LA und San Diego ein, um dort an den warmen Orten im Süden auch mal mehrere Tage am Stück zu verbringen zu können und noch etwas "Sommerurlaub" im Winter zu haben.

Unsere Reiseroute:

Los Angeles - Sequoia - San Francisco (Tagesausflug Berkeley)- Marina - Morro Dunes - Carpinteria - Joshua Tree - South Carlsbad (inklusive Tagesausflug nach San Diego) - Doheny - Los Angeles.

Insgesamt wollten wir erreichen, dass keine Fahrtstrecken deutlich über 250 Meilen dabei sind. 

 

Camper & Autovermietung

Der gewählte Camper war ein absolutes Highlight und gigantisch groß. Wir empfanden dies als angenehmen Luxus, ein kleineres Modell hätte es sicher auch getan - der Urlaub wurde so aber sehr entspannt. Es ist nicht untertrieben, das Fahrzeug ein fahrendes Hotel gehobener Klasse zu nennen.

Mit der Autovermietung Star RV (gehört zu Apollo) waren wir einigermaßen zufrieden. Das Fahrzeug war in Top Zustand und noch nicht viel gelaufen. Leider war die Abholung jedoch sehr umständlich, ein steinzeitliches IT-System hatte mehrere Ausfälle, unsere vorab eingegebenen Daten fehlten alle und mussten nochmal erfasst werden. Es ging dennoch einigermaßen schnell, da wir die einzigen Kunden waren. Was uns gar nicht gefiel, war der Versuch uns etliche Extras zusätzlich zu verkaufen - teilweise mit fragwürdigen Praktiken. Das Toilettenchemikalien etc. einfach günstig mit im Walmart gekauft werden können, wussten wir bereits. Allerdings konnten wir vor Ort nicht direkt feststellen, ob man ein Maut-Erfassungsgerät "FastTrack" nicht besser mitkauft. Man lies uns nur wissen, dass eine  Barzahlung auf vielen Straßen nicht möglich sei, und bei befahren dann eine Strafe von $80 (oder ähnlich) von Seiten Star RV anfällt. Man suggerierte uns, die Tollstraßen seien recht üblich, da man als erstes die Golden Gate Bridge anführte und auf "viele weitere" Hinwies. Genauer könnte man aber nicht beraten. Die Miete wäre aber um die $50 gewesen. Aus schlechtem Bauchgefühl verzichteten wir auf das Toll-Gerät. Wie sich herausstellte, benötigt man es mitnichten; zwar ist z.B. bei der Golden Gate keine Barzahlung möglich, es kann auf der Golden Gatre dennoch das Nummernschild und eine Online-Einmalzahlung vorgenommen werden. Ansonsten fanden wir in Kalifornien keine Straßen, wo wir es gebraucht hätten. In anderen Staaten mag es häufiger sein, aber unser Hinweis, wo wir entlang fahren würden, hätte eigentlich direkt reichen müssen um uns zu sagen: das braucht ihr nicht wirklich. Nun ja. Der Camper war eben sehr günstig. Auch die Einweisung zum Fahrzeug war knapp gehalten. Die Einweisung zur Benutzung des Fernsehers und der diversen Antennen/Kabel-Einspeisemöglichkeiten nahm am meisten Zeit ein, die Bedienung des Fahrzeugs selbst (Automatikschalthebel liegt z.B. auf einem Hebel am Lenkrad statt "Schaltknauf" in der Konsole) entfiel völlig und musste erfragt werden. Sehr negativ zu erwähnen ist lediglich die Kautionspolitik von Apollo / Star RV. Statt einen Betrag auf der Kreditkarte wie üblich nur zu blocken, wurde uns der gesamte Betrag abgebucht und erst erheblich später zurückgebucht. 

Für die letzten, folgenden Tage in L.A. hatten wir bei einer normalen Autovermietung (Budget) einen PKW gemietet, der uns gute Dienste erwies. Budget als Autovermietung können wir absolut empfehlen, der Service und die Übernahme verlief sehr problemlos. Die Strecke von der Rückgabestation bis zum Flughafen (Budget-Station) legten wir mit Uber zurück. Es empfiehlt sich "Uber XL" zu bestellen (große Fahrzeuge) und direkt dem Fahrer anzukündigen, dass man viel Gepäck hat. Als Zieladresse beachten: die Autovermietungen sind in L.A. alle nicht direkt im Terminal (dort ist maximal ein Info-Counter, wo man zum Shuttle geschickt wird), sondern an einer anderen Adresse - also direkt die genaue Adresse  nachschauen, und nicht zum Terminal fahren - sonst macht man einen Umweg. 

Vorbereitung

Wir haben alles vor Ort gekauft und organisiert, insbesondere zu erwähnen sind:

  • Die Campingstühle (die wie vielfach erwähnt leider billiger für 10$ / Stück bei Walmart zu haben sind, als sie zu mieten - und zudem dann auch in Mini-Kindergröße verfügbar sind).

  • Auf einen Tisch haben wir verzichtet, da es fast überall Picknicktische gibt.

  • Weiterhin haben wir für 5$ eine große Plastikbox (ca. großer Umzugskarton) gekauft, die provisorisch auch als Tisch dienen konnte und nebenbei sehr praktisch für das Umladen von Lebensmitteln aus Wohnmobil in Bärenbox (Sequoia NP) sowie als Wäschebox war.

  • Ein Bettgitter (normalerweise für normale Betten, damit Kinder nicht herausrollen) aus Schutz, damit die Kinder nicht aus dem Alkoven herunterfallen für $30 in Walmart

Aus Deutschland mitgebracht haben wir:

  • einen Messerschärfer und einen Schälmesser. Diese beiden Utensilien fehlen bei uns auch bei Ferienhaus-Reisen nie im Gepäck, da auch bei voll ausgestatteten Küchen eigentlich immer die Messer stumpf sind und man sich oft mit seltsamen lokalen Geräten oder gar normalen Messern beim Gemüse/Obst/Kartoffelschälen abmüht.

  • einen Kindersitz (Kiddie mit Fangkörper, Flugzeug- und damit auch Beckengurtgeeignet, siehe Hinweise anderer hier). Einen zweiten Sitz amerikanischer Art haben uns netterweise unsere Freunde vor Ort ausgeliehen, so dass wir nur einen dieser unhandlichen Sitze mitschleppen mussten.

Für den Einkauf der Lebensmittel ein Tipp, der uns mindestens einen halben Urlaubstag gespart hat:

  • Bestellt vorab als “Online-Pickup” alles in einem Walmart entlang der Route, dann können alle Lebensmittel auf einen Schlag innerhalb von 15 Minuten geholt werden. Allen, die keine “Supermarktromatiker” sind ist dies unbedingt zu empfehlen, wir würden es immer wieder tun. Das “Erlebnis”durch einen Walmart-Supercenter zu laufen kann man auch zu späterem Zeitpunkt mit geringer Intensität nachholen, wenn man es unbedingt sucht; die “kuriosen” anderen Produkte sieht man auch beim Online-Kauf).
  • Mit deutschen Smartphones kann leider die Walmart-App nicht herunter geladen werden. Es geht aber trotzdem: per Website und Pickup-Bestätigung per Telefon. Lebensmittel und sonstiges müssen getrennt bestellt werden.
  • Weiterhin können deutsche Kreditkarten im Bezahlvorgang nicht angenommen werden, da es keine Auswahl für “Germany” als Kartenhalter gibt. Die Lösung: wählt als Land “Armed Forces Overseas - Other” (oder so ähnlich), dann wird die deutsche Karte akzeptiert.

Wir hatten vergleichsweise wenig Reisegepäck, zwei große Koffer für die ganze Familie. In das WoMo hätte mehr reingepasst, in das Taxi zur Mietstation und zurück jedoch nicht.

Geld

Leider berechneten inzwischen alle Geldautomaten, die wir aufsuchten, Gebühren zwischen $2.50 und $5 für eine Bargeldabhebung - auch bei Karten ohne Abhebegebühr der ausgebenden Bank, wie bei uns (DKB).

Die Alternative ist, für möglichst viele Transaktionen eine Kreditkarte ohne Auslandseinsatzentgeld zu verwenden und das Bargeld ganz zu vermeiden.

Zwar geben einige Tankstellen einen Discount für Barzahlung, wer jedoch die Gebühren überschlägt, wird feststellen dass die Gebühren zur Barabhebung dies schnell wieder “auffressen”. Ansonsten benötigt man in den USA kaum Bargeld, wir haben zwar immer eine Bargeldreserve dabei gehabt, sie aber selten benötigt.

 

Attraktionen und Eintritte

Grundsätzlich haben wir nie versucht, alle klassischen Attraktionen an einem Ort "abzuhaken", sondern uns auf solche Beschränkt, die auch den Kindern Spaß machen. Der Rest bleibt ebenfalls übrig für zukünftige Reisen, damit man nochmal wieder kommt.

Vor dem Betreten von großen Sehenswürdigkeiten mit Eintritt kann es sich lohnen, kurz per Google nach Online-Deals zu fahnden. Wir erlebten mehrfach, dass wir so Dollar sparten und die Tickets direkt Online auf dem Telefon hatten.

 

Fortbewegung 

Wir hatten bis auf eine Ausnahme keine Einschränkungen durch die Größe des RVs. Die Ausnahme war die Einfahrt nach Sequioa, welche im Süden nicht für große Fahrzeuge erlaubt ist / empfohlen wird. Wir fuhren über den Norden herein, es handelt sich aber auch um eine angenehmere Strecke und dauert nicht viel Länger. Beim Parken gilt ein RV i.d.R. ohnehin überall direkt als "Oversize Vehicle", egal wie groß; Platz ist überall in Amerika genug - es kann nur an einigen Stellen dadurch etwas mehr beim Parken kosten. In den Campsites war ebenfalls überall genug Platz, einmal, in Carpinteria, mussten wir jedoch wegen einigen Zentimetern zu viel Länge einen anderen Platz (gleich gegenüber) als unseren Wunschplatz nehmen.

Für die Fahrtenplanung: Plant die Fahrtzeiten realistisch - vor allem, aber nicht nur, mit Kindern - hierzu gibt es schon genug Hinweise im Forum. Ergänzend aber unser Tipp: Nutzt die App "Waze". Sie sagt den Verkehr vorher und so lassen sich die Abfahrtzeiten so legen, dass die Fahrtdauer optimiert ist. Auf diese Weise haben wir uns sicherlich mehrere Stunden Fahrtzeit gespart und sind nur ein einziges Mal in einem kleineren Stau gelandet.

In den Städten nutzen wir das RV nicht. Wir fuhren mehrfach Uber und waren so gut wie immer zufrieden damit.

In San Francisco und um San Diego ist auch der öffentliche Nahverkehr (Trams, Züge, Fähre) gut. Der "Coaster" entlang der Küste zwischen LA und San Diego ist zu empfehlen, um sich Fahrerrei und Stress zu ersparen.

 

 

Mia72
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RE: Kalifonien-Reise mit zwei Kindern (3, 6 Jahre) im November

Hallo liebe family,

danke für das Fazit, es hilft nicht nur Familien mit jüngeren Kindern, auch uns mit älteren. Vor allem der Tipp mit dem "Coaster" ist interessant und wird für uns eine mögliche Alternative zu den drei Nächten campen in San Diego darstellen, wo wir das Campen am Strand und die Stadt verbinden wollten, scheinbar aber auch nur zu sehr hohen Preisen. Also danke für die mögliche Alternative.

Liebe Grüße

Steffi

family
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RE: Kalifonien-Reise mit zwei Kindern (3, 6 Jahre) im November

Danke für Deine Antwort! Genau so ging es uns auch. Der "Coaster" ist klasse! Wir zahlten, wenn ich es richtig notiert habe, im Rahmen einer gerade erhältlichen Sonderkarte am Automaten pro Erwachsener $12 für die Tageskarte inklusive Nutzung der Verkehrsmittel in San Diego. Der Zug fuhr von Carlsbad etwa eine Stunde und ist sehr komfortabel, sauber und die Stationen angenehm. Aus dem Fenster konnten wir den Stau beobachten und ersparten uns die Parkplatzsuche. Der Strand ist in San Diego sicher nicht schlecht, aber ob er schöner als in Carlsbad ist, wage ich zu bezweifeln. Und wie Du schreibst, sind die RV Parks in San Diego nicht gerade günstig - und man muss dort ja ebenfalls noch vom / zum Campground kommen.