Um 5:45h ist Tagwache, uiii bin ich aufgeregt, heute ist endlich der grosse Tag mit Tide Rip.
Kurz vor halb sieben laufen wir zum General Store, wo der Treffpunkt ist. Es ist noch dunkel, aber trocken.
Es sind bereits etliche andere Mitstreiter vor Ort, eine Mitarbeiterin nimmt die Personalien auf und teilt uns in drei Gruppen ein. Es gibt ein kleines aber feines Frühstück; immer mehr Gäste trudeln ein und die Terrasse füllt sich. Man hört allerlei Sprachen auch weitere Schweizer und Deutsche sind mit von der Partie. Insgesamt gibt es drei Boote à 11 Personen, die Tour ist ausgebucht.
Kurz vor 7h teilen wir uns nach Teams auf, die jeweiligen Guides stellen sich kurz vor und wir laufen los zu unseren Booten am Pier. Unser Team leiten zwei junge Frauen, eigentlich hatte ich eher langjährige und erfahrene Guides erwartet. So bin ich zu Beginn etwas skeptisch, aber so viel sei verraten: wir hatten die besten Guides, die man sich vorstellen konnte. Frauen Power eben! ![]()

Mittlerweile ist der Tag angebrochen, wir nehmen im Innern des Motorbootes Platz und Patty, die Bootsführerin fährt den andern zwei Booten folgend langsam aus dem Hafen.
Sobald wir auf dem offenen Wasser sind, gibt sie Vollgas und los geht’s ins Abenteuer. In Nebel verhüllt fahren wir in zügigem Tempo Richtung Knight Inlet, die reine Fahrzeit beträgt ca. 2 Stunden bis zu unserem Ziel, der Glendale Cove, wo die Bärenbeobachtungen stattfinden werden. Der Nebel ist am Anfang dicht, die Scheiben beschlagen und die Sicht somit gleich Null. Hauptsache Patty weiss, wo es entlang geht.

Wir erhalten eine Einführung und allerlei Wissenswertes über Bären im Allgemeinen und über die Grizzlybären in der Region im Speziellen. Es werden die Unterschiede zwischen Schwarzbären und Braunbären erläutert, dies sind nebst den Krallen vor allem die unterschiedlich geformten Ohren, der verschieden ausgeprägte Nacken sowie die Anordnung der Zehen. Farbe ist - wie vielleicht dem einen oder anderen hier bekannt - absolut kein Kriterium, es gibt sowohl schwarze wie auch braune Schwarzbären. Unser Guide macht auf der Fahrt ein erstes Quiz, wir müssen anhand von Fotos entscheiden, ob es sich um einen Black Bear oder Grizzly Bear handelt. Ich schlage mich wacker und habe am Ende die Nase vorn.

Unsere Gruppe ist bunt durchmischt: zwei ältere Paare aus Kanada, eine davon aus dem Osten, ein Paar aus Holland, ein Vater-Sohn-Duo aus Deutschland und eine alleinstehende Engländerin, die jedoch ursprünglich aus Vancouver Island stammt.
Nach einer halbstündigen Fahrt lichtet sich plötzlich der Nebel und boahh, das Wetter ist nicht nur trocken und einigermassen passabel, nein, es verspricht ein richtig schöner Tag zu werden.


Es dauert nicht lange und ein erster Bär wird gesichtet: ein Schwarzbär aus ziemlicher Distanz, alle rennen aufs Deck, wir haben nur ein müdes Lächeln übrig
…

Die Fahrt geht weiter durch die mystisch schöne Landschaft:


Und kurz darauf taucht der erste Grizzlybär am Ufer auf:



Die Geschichte über die Lady ist spannend, sie hat seit längerem eine Verletzung am Bein, die aber am Ausheilen ist. Die Bärin ist wie hier üblich am ‘Grasen’. Die Grizzlys werden hier auch Kühe des Knight Inlet genannt, da sie den grössten Teil des Tages mit Grasen verbringen. Die Vegetation an Ufernähe ist sehr proteinhaltig, wir lernen, dass diese Bären im Gegensatz zu anderen Grizzlies nicht auf Lachsfang gehen, da sie ihren Eiweissbedarf so gut decken können.
Die Fahrt durch die fjordähnliche Landschaft ist einfach nur atemberaubend:

Nach zweistündiger Fahrt erreichen wir unser Tagesziel, die Glendale Cove, wo das Bärenviewing stattfindet. Dort wechseln wir die Boote, nun geht es auf ein kleines, leichtes Boot mit Plattform:

Kurz vor Bootswechsel gibt es noch ein paar faule Seehunde:


Vor dem Mittagessen machen wir eine erste Erkundungstour. Es geht ins mäandrierende Sumpfgebiet und es dauert nicht lange, bis wir eine Grizzlymutter mit ihren zwei Cubs sehen und beobachten können.


Leider etwas weit entfernt, dies schmälert das Erfolgserlebnis aber auf keine Weise. Gut gelaunt kehren wir zur Plattform zurück, wo wir gemütlich in der Sonne unser Mittagessen einnehmen. Es gibt Fajitas, die jedermann selbst zusammenstellen muss. Wirklich eine originelle Idee. Auch innerhalb der Gruppe haben wir es gut, es ergeben sich immer wieder interessante Gespräche und so vergeht die Pause in Nu.
Fortsetzung folgt im nächsten Reiseabschnitt ... ![]()
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Schöne Grüsse / Flo
Hallo Flo,
Würden wir genauso sehen. Vor allem die Damen in unserer Mannschaft. Die Bären immer in sicherer Entfernung zu haben, wäre ihnen am liebsten, egal ob es Schwarzbären oder Grizzlys sind.
Das Erlebnis mit der "Frauen-Power" hatten wir übrigens ebenfalls, und zwar bei unserer geführten Wanderung mit IceWalks auf dem Athabasca-Gletscher. Da hätten auch wir uns einen besseren Guide nicht vorstellen können.
Bin schon gespannt auf die Fortsetzung des heutigen Reisetages. Ich nehme mal an, dass es einen Grund gibt, warum du den Tagesbericht in zwei Teilen schreibst.
Viele Grüße
Alex
I love not man the less, but nature more
Reisebericht "The Big Circle" (LAX-LAX)
Hej Alex
Es war schon ein gutes Gefühl, im Wasser erhöht auf der Plattform zu stehen, Grizzlys sind schon nochmals ein anderes Kaliber als Schwarzbären.
Ausserdem konnte man so natürlich viel besser fotografieren. Da wir leider keine langen Rohre hatten, wie so manche auf dieser Tour, sind es nicht so Wow-Bilder. Wird aber in Teil 2 besser
.
Warum unser Frauen-Duo die beste Crew an diesem Tag war, wird sich im 2. Teil zeigen. Der Grund für die Zweiteilung ist eigentlich ganz banal - der Beitrag wäre viel zu lange, so viel gibt es noch zu berichten
.
Sollte morgen so weit sein, hoffe nur, dass die Resonanz etwas besser wird. Zum Glück gibt es deine treuen Kommentare, danke hierfür
.
Grüessli
Flo
Flo's Berichte: Westkanada mit VI (2016), Indian Summer in Ontario (2018), Colorado Plateau (2019), Rockies im Herbst (2021)
Hallo liebe Flo,
so eine wunderbare Landschaft, und schon wieder Bärnerlebnisse.
Langsam verstehe ich, warum du dich besonders auf diese Tour gefreut hast. Und das Boot mit den Plattformen ist genauso originell wie praktisch!
Liebe Grüße
Inga
Lieber Flo, was für beeindruckende Bilder. Ich habe dummerweise Teil 2 zuerst gelesen
Aber ich bin so oder so mega begeistert.
Und ja, die Resonanz auf die Berichte ist aktuell eher dürftig, Lob und Dank aber an die, die es immer zu würigen wissen und auch gute Ideen für neue Resien haben.
Ich bin in der Planung für den Sommer, derzeit stagniert sie etwas, da die staatlichen Campgrounds frühestens die 6 Monate vorher "online" gehen. Nur den am Crater Lake NP konnte ich schon buchen.
Ich lese gebannt weiter.
VG, Regina
Lieben Dank Regina - freut mich sehr, dass es dir gefällt
.
Ich wünsche dir weiterhin viel Spass bei der Planung. 2026 wird für uns kein Jahr in Übersee - das Planen wird mir fehlen
.
Grüessli
Flo
Flo's Berichte: Westkanada mit VI (2016), Indian Summer in Ontario (2018), Colorado Plateau (2019), Rockies im Herbst (2021)