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Tag 08 - Eastern Sierra | Teil IV: Big Pine Lakes

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Annika86
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Beigetreten: 31.12.2018 - 13:30
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Tag 08 - Eastern Sierra | Teil IV: Big Pine Lakes
Eckdaten zum Reiseabschnitt
Reisedatum: 
Dienstag, 9. September 2025
Gefahrene Meilen: 
0 Meilen
Fazit: 
Eastern Sierra - Liebe <3

Heute steht mit rund 10 Meilen und über 700 Höhenmetern der bislang längste Hike des Urlaubs an. Es geht zu den Big Pine Lakes, von denen es so einige an der Zahl gibt und die über einen gigantischen Loop miteinander verbunden sind. Für alle Seen wird es heute nicht reichen, aber zumindest den First and Second Lake haben wir fest im Blick und der nahe liegende Third Lake - ja, sehr kreative Namensgebung :) - wird dann evtl. spontan angehangen. Auf AllTrails wird der Weg zu 1st / 2nd als einer der Top 5 Hikes hier im Inyo National Forest gelistet, direkt hinter dem vor kurzem gemeisterten Lone Pine Lake. Die Erwartungen sind also hoch und ohne euch die Spannung nehmen zu wollen … sie wurden noch einmal dick übertroffen heart

Wir starten gewohnt früh um kurz nach 7 Uhr und werden vor den Toren des CG nicht nur von eisiger Kälte, sondern auch von zwei Plüschohren begrüßt, die sich ihren Morgensnack ungerührt schmecken lassen. Die Parkmöglichkeiten für größere Fahrzeuge sind hier noch einmal deutlich schlechter als oben in Whitney Portal, was bestimmt mit ein Grund ist, warum wir bis auf einen älteren Herren und seinem Hundi erst auf dem Rückweg weiteren Menschen begegnen werden

Zunächst folgt der Trail (North Fork Big Pine Creek Trail) ein kleines Stück dicht dem Big Pine Creek, dessen Ufer ich beständig im Auge behalte - wenn wir einen Schwarzbär treffen, dann wohl hier, um sich dann ohne viel Federlesens in eng geschlungenen Serpentinen durch ein waldiges Stück nach oben zu arbeiten, puh. Aufgrund der Kälte ist die Anstrengung herzlich willkommen, doch ich atme auf, als die erste gute halbe Meile geschafft ist und die Steigung nachlässt. Traumhaft ist es hier in der Schlucht, der Weg breit und gut zu gehen und so quatschen der Männe und ich friedlich vor uns hin, während die Berge und damit der nächste Anstieg langsam näher kommen. Mitten in diesem Anstieg treffen wir auf besagten Herren und seinen Hundi, die hier ihre Morgenrunde gemacht haben – was für eine paradiesische Vorstellung so seinen Lebensabend zu verbringen. Nach einer ausgiebigen Knuffeleinheit, welche die Fellnase und ich gleichermaßen genießen, setzen wir unseren Weg fort und schnuppern in die Luft … Pinien, Wasser, Kräuter … aber auch ... Rauch.

Es war nur eine Frage der Zeit bis uns der Windgott nicht mehr hold ist und die Partikel des auf der anderen Seite der Sierra brennenden Garnet Fire uns erreichen, schade, dass dies bereits heute der Fall zu sein scheint. Wir lassen uns jedoch nicht beirren – es ist noch früh und die Belastung damit noch für längere Zeit kaum spürbar. Typischerweise wird die Luftqualität im Verlauf des Tages mit der sich erwärmenden Luft, welche die Partikel mit sich empor trägt, ja immer schlechter.

Weiter geht es also bei angenehmer Steigung stetig bergauf mit einem Rundum-Panoramablick. Schon wieder ganz schön nett hier ;) Es wird steiler und steiniger und schon bald treffen wir wieder auf den Creek, der nun dicht neben uns als beständiger Wasserfall die Felsen hinunter plätschert. So hübsch!

Ein erstes längeres Päuschen legen wir an der Lon Chaney Cabin ein, die einst dem Schauspieler Lon Chaney gehörte und mittlerweile als Ranger Station genutzt wird. Das wäre doch mal der perfekter Platz für einen kleinen Kiosk mit Eis! Von einer leckeren Kugel Straciatella träumend biege ich um die Kurve und erstarre. Ich bin Auge in Auge mit einem todschicken Murmeltier (?), das ebenfalls vor Schreck ganz vergisst auf seinem Grashalm zu kauen. Der Stare-down dauert so 10 Sekunden und als ich mich von meiner Überraschung erhole und zum Handy greife, düst das kleine Fellwesen den Wanderweg voraus in flottem Tempo ab. Prima Wildlife-Quote heute.

  

Weiter geht’s - natürlich bergauf - in einen Teil der Wanderung, der ordentlich Vegetation aufweist. Zwischen mannshohen Sträuchern und gräsernem Bewuchs kraxele ich auf teils feuchtem Boden voran und quietsche und polter vor mich hin, um in den engen Kurven nicht plötzlich einem Bären gegenüberzustehen, der uns nicht mitbekommen hat. Bären sichten, ja gerne, so nah und ungeschützt, nein danke.
Dieses Stück zieht sich ein bisschen, doch eines der Tagesziele ist bereits nah, der First Lake lugt türkis durch die Baumspitzen hervor. Noch ein paar ungemütliche Windungen erklimmen und dann liegt er da in all seiner Pracht … was für ein Bergsee, huiuiuiuiuiui, alter Angeber. Nicht nur die irre Farbe, sondern auch die großen glitzernden Steine überall und wie auf einem Gemälde diese wohlplatzierten Bäume. Wir sind hin und weg.

Verschnauft wird jedoch nur kurz, denn wir möchten die Früchte des frühen Starts mit einer Privataudienz beim Second Lake krönen. Dieser ist ein beliebter Instagram-Spot und diesen fast für uns allein zu haben - ein paar Backpacker pausieren am Ufer - ist magisch.

Wir vertilgen Nüsse und kalte Cola und genießen einfach nur. Über einen Abzweig kommt man zu einem kleinen Damm hinunter, die abfließenden Wasserläufe sind mit schmalen Gittern versehen, so dass man auf die andere Seite des Sees gelangen könnte. Das erste Gitter meistern wir noch, beim Zweiten (auf dem Bild nicht sichtbar) kneifen wir jedoch beide. Zu tief, zu eng, zu windig … die Höhenangst schlägt erstmalig in diesem Urlaub zu. Halb so wild, dann bummeln wir eben zurück zum First Lake und suchen uns dort noch einen schönen Stein für den zweiten Teil der Rast :) den Third Lake sparen wir uns für das nächste Mal auf.

Nun kommen uns auch die ersten von so einigen Wanderern entgegen, denen wir mit dem frühen Start erfolgreich aus dem Weg gehen konnten, mittlerweile ist es später Vormittag. Alles richtig gemacht! Als der Rauchgeruch so langsam stärker wird, sammeln wir unsere Klamotten zusammen und machen uns an den Abstieg.

Wir folgen unseren Fußspuren zurück und bewundern diese unglaubliche Landschaft nun aus neuer Perspektive. Flott geht es hinab und plötzlich tut es hinter mir einen Knall. Der Männe hat einen der kleinen hellen Steine, die aus dem gleichfarbigen Kies ragen nicht gesehen und sich erst einmal lang gelegt – die Kamera mit einer Hand schützend erhoben ;) Bis auf ein paar Kratzer an der Nicht-Kamera-Hand und dem Knie geht es ihm aber zum Glück gut … so schnell kann es gehen.

Die letzten Serpentinen durch den Wald fordern dann noch einmal höchste Konzentration, manometer ganz schön rutschig hier … ich bewege mich langsam vorwärts und weiche dabei tatsächlich einem FlipFlop Touristen aus, der sich gerade frohen Mutes auf die Wanderung begibt, verrückt. Und das hier oben in den Bergen.

Eine Viertelstunde später kommt dann die Shäbbi Lady in Sicht. Was für ein cooler, abwechslungsreicher Hike! Trotz so einiger Höhenmeter mit der genau richtigen Länge und gespickt mit tollen Ausblicken und den beiden Seen als absolute Höhepunkte. Ich könnte sofort wieder los.
Den Rest des Tages entspannen wir - zum Glück weitgehend rauchlos – in der Nachmittagssonne auf der Site, kochen uns leckere Nudeln mit Bolognese (die selbstverständlich noch besser aufgrund der notwendigen Kaltgetränke schmecken) und erkunden den Rest der CG-Straße, um zu konstatieren: Wir fahren hier auf dem gleichen Weg wieder raus, wie wir gekommen sind. Das nahe Loch in der Straße ist nur eines von weiteren Hindernissen, die der Lady zum Verhängnis werden könnten. Safety first.

Wanderbilanz des Tages: 11 Meilen und 800 Höhenmeter in ca. 6,5 Stunden inkl. langer Pausen.

Lieben Gruß
Annika