Neuer Tag, neues (Rauch-)Glück! Wir satteln die Shäbbi Lady direkt mit den ersten Sonnenstrahlen des Tages, denn heute wird wieder gewandert! Zwar anders als geplant nicht von den Twin Lakes in Mammoth Lakes, sondern von den *Trommelwirbel* Twin Lakes in der Nähe von Bridgeport aus. Die Einfachheit schlägt hier drüben ja häufiger mal die Kreativität in der Namensgebung ![]()

Die Sonne lacht vom Himmel und die noch leicht dunstige Morgenluft verabschiedet sich minütlich immer mehr. Die Anfahrt ist mit knapp 15 Meilen durch Weideland etwas länger, der Blick auf die Sierra Nevada jedoch gewohnt umwerfend. Vorbei geht es an einigen staatlichen CG - von denen es für heute Nacht wohl einer werden wird - und dann immer am Nordufer des ersten und dann zweiten Twins entlang bis zu Annett`s Mono Village. „Village“ ist hier auch der genau richtige Ausdruck, die Anlage mit kleiner Promenade, Marina und unzähligen Stellplätzen im Pinienwald ist riesig und sehr gut besucht. Wir parkieren auf der großen Schotterfläche vor der Marina leicht schräg gegenüber vom Village Cafe und scannen den Platz nach Schildern, die uns das Parken verbieten könnten. Die Luft ist jedoch rein und so werfen wir uns unsere Rucksäcke auf den Rücken und stapfen quer über den CG in Richtung des Robinson Creek / Barney Lake Trailhead.

Vier Meilen One-Way bis zum Barney Lake unter duftenden Bäumen und über romantische Meadows stehen auf dem Plan. Der Hike beginnt wie im Bilderbuch – weicher Waldboden übersät mit Piniennadeln, riesigen Zapfen, freche Eichhörnchen und meinem absoluten Lieblingsgeruch in den USA, warmes Pinienholz. Ganz seicht steigt der Weg an und kurz nachdem wir die Grenze der hiesigen Hoover Wilderness passieren, öffnet sich der Blick. Hallo, Fototapete!


Immer wieder führt der Weg durch kleine Birkenwälder, die hier oben noch sattgrün sind – wie sähe das hier erst mit Laubfärbung aus? – um dann am Ende des Tals tüchtig anzusteigen und die obligatorischen Sierra-Höhenmeter in der Wanderstatistik unterzubringen.

Vielleicht hat mich die letzte Woche schon ausreichend abgehärtet oder die Trail-Beschaffenheit liegt einfach in meiner absoluten Komfortzone, denn als der Barney Lake ins Blickfeld rückt, habe ich das Gefühl, wir wären gerade erst losgedüst. Ist das schöööön hier!
Eine Seite des Ufers besteht aus einem kleinen Sandstrand, von dem man die gesamte Breite des Sees eingefasst in das unglaubliche Bergpanorama bewundern kann. Wir machen es uns auf bzw. vor einem Baumstamm am Strand gemütlich, denn hier zieht´s! Ich bin froh, um jede Schicht, die ich übergeworfen habe, insbesondere die winddichte Regenjacke leistet dieses Jahr treue Dienste.


Ein paar Meter neben uns räumt eine Mädelstruppe ihr Backpacking Gear zusammen und lässt sich ihr Frühstück schmecken – es gibt schlechtere Übernachtungsspots :) Nach einer ausgedehnten Pause schultern wir wieder unsere Rucksäcke und machen uns auf den Rückweg. Selbstverständlich hätte man von hier aus noch weiter in die High Sierra eintauchen können, aber mit den insgesamt 8 Meilen sind wir heute gut bedient, evtl. sind so die nahe an den Twin Lakes liegenden Horsetail Falls noch drin.



Zurück geht´s also gemütlich durch die Fototapeten-Landschaft, in der wir immer wieder stehen bleiben und den Anblick in uns aufsaugen. Der Blick nach hinten offenbart jedoch … , dass wir uns vllt ein bisschen flotter bewegen sollten. Dunkle Wolken wabern über die Berggipfel und es grummelt leise vor sich hin. So machen wir im flachen Teil der Schlucht ordentlich Meter und tauchen schon bald wieder in die kleinen Birkenwäldchen und danach unter die schützenden Wipfel der Pinien ein. Das Dämmerlicht lässt die Umgebung nicht minder schön strahlen.
Als wir den weitläufigen CG erreichen, beginnt es eindringlich zu tröpfeln. Jetzt aber schnell! Am Abzweig der Horsetail Falls vorbei - bei Regen muss der nicht sein - düsen wir zu unserer Lady und werfen uns mit dreckigen Schuhen ins Innere, puh.

Der Spuk ist schnell vorbei und nachdem wir uns aus unseren schwitzigen Regenjacken gepellt und ein kaltes Getränk aus dem Kühlschrank vernichtet haben, meldet sich unser Magen. So ein kleiner Burger-Lunch wäre nach dem tollen Hike jetzt genau das Richtige! Das Village Cafe mit vielen kleinen Diner-Ecken wird geentert und wir bleiben erst einmal abwartend im Flur stehen und warten auf das „Seating“. Als sich niemand für uns interessiert, spreche ich eine der Kellnerinnen an und bekomme die unwirsche Antwort, dass wir uns einfach irgendwo hinsetzen sollen, ok öhm untypisch-amerikanisch hier. Die Burger sind dann leider auch eher unterer Durchschnitt, schade – den Laden können wir nicht empfehlen.
Kurz darauf rollen wir mit Getöse (jop, die Alarmanlage der Shäbbi Lady ist weiterhin fleißig) vom Parkplatz und gehen auf die Jagd nach einem Übernachtungsspot. Die staatlichen CGs hier an den Twin Lakes sind grottig ausgeschildert – fast wären wir auf einer rumpeligen Zufahrtsstraße im Osten der beiden Twins wieder umgedreht, doch im letzten Moment taucht ein altes Hinweisschild für den Crags CG linker Hand auf. Wir entscheiden uns schlussendlich für den Lower Twin Lake CG rechter Hand, der etwas näher zum See liegt und sogar frisch geteert und top in Schuss ist. Nach einer kurzen Fußrunde über den CG richten wir uns auf Site 4 wohnlich ein. Die fcfs Gebühr ($34 … autsch) für den Stellplatz wird in einem Briefkasten vor dem Sanitärgebäude hinterlegt. Gerade die im Boden versenkten Feuerstellen sind schick, ein rundum schönes Fleckchen auf dem wir uns sehr wohl fühlen.


Der frische Wind und der tröpfelnde Himmel vertreiben uns mehrfach in die Lady und so genießen wir erneut einen entspannten Abend im Inneren mit Würfeln und Serie. Aber da war ja noch was … ab morgen sind drei Nächte auf der Tioga Road oben im Yosemite NP geplant. Hinfahren und dem Rauch des Garnet Fire trotzen (bzw. es zumindest versuchen)? Oder direkt weiter nach Norden und irgendwie länger am Lake Tahoe unterkommen?
Hmmmhmmm ... wir sind uns einig, Yosemite NP here we come! Drückt uns die Daumen.
Wanderbilanz des Tages: 8,6 Meilen und 397 Höhenmeter.
Lieben Gruß
Annika
Liebe Annika,
endlich wieder ein rauchfreier Tag, eine tolle Wanderung und wunderschöne Bilder 😍.
Dein klasse Bericht und die Fotos macht richtig Lust auf die Eastern Sierra.
Yes!!!😀
Liebe Grüße, Annett
Hallo Annika,
in deiner Schilderung riecht man direkt das warme Pinienholz -- schön beschriebene Natur. Eine richtig schöne Wanderung, die ihr (fast) für euch alleine hattet.
Herzlichen Gruß
Bernhard
Bernhard
Scout Womo-Abenteuer.de
Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen (G.C. Lichtenberg)
vielen Dank für den schönen Bericht.
Ich liebe den Geruch von warmem Pinienholz ebenfalls
Die Bilder von der Wanderungen sehen echt toll aus!
Glatt Fernweh bekommen beim Lesen
Freue mich schon auf den nächsten Teil!
lg Stefan
Moin zusammen,
Danke, Annett
, ich bekomme beim Schreiben auch wieder doll Sehnsucht. Da geht´s mir ganz wie dir, Stefan
Schön, dass ihr alle fleißig mitlest - die nächsten Tage lohnen sich auch ordentlich, der Yosemite ist einfach ... 
Lieben Gruß
Annika
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