Wer unseren Reisebericht zu unserer Nordkalifornien-Tour aus 2023 kennt, der weiß, dass wir uns damals nicht nur in die Eastern Sierra, sondern insbesondere auch Hals über Kopf in den Yosemite NP verliebt haben. Während wir damals für sechs Tage und davon vier Nächte im Valley unterwegs waren, kam die traumhafte Tioga Road eindeutig zu kurz – ein Umstand, den es dieses Jahr zu ändern galt. Passend zu unserem Vorhaben wurde im Sommer 2025 nach vielen Monaten Bauzeit endlich die Renovierung des Tuolumne Meadows CG abgeschlossen, den ich uns für die anstehenden drei Nächte erfolgreich sichern konnte.
Im ersten Morgenlicht verabschieden wir uns von dem unverhofften Kleinod der Twin Lakes in der Nähe von Bridgeport und entern mal wieder die US 395, dieses Mal in südliche Richtung. Gut, dass die Lady so duldsam ist – bei dem wilden Hin und Her kann man schonmal einen Drehwurm bekommen. Es gibt allerdings deutlich schlechtere Straßen, um diese mehrfach aus allen Blickwinkeln zu befahren … ![]()
Fazit zur Eastern Sierra: Unglaublich. Absolut unterbewertet. Traumhafte Campingspots, irre Hikes, Fototapeten-Motive, Sehnsuchts-Garantie. Ich würde sofort (!) wieder hinfahren.

Mit einem soliden Country-Radiosender im Hintergrund genießen wir den Blick auf den Mono Lake und drücken weiter fest die Daumen, dass der Rauch auch oben auf der Tioga ein Einsehen hat. Flott durchfahren wir Lee Vining und schon geht’s ab auf die 120 und hinein in die High Sierra-Wunderwelt – einfach schön hier.

Langsam zockeln wir bergauf und lassen immer wieder eiligere und deutlich leichtere Fahrzeuge vorbeiziehen. Als das Ranger-Häuschen in Sicht kommt, krame ich nach Kreditkarte und Ausweis, um endlich (!) den diesjährigen America the Beautiful Pass zu kaufen, doch Pustekuchen, niemand zu Hause und das so gegen kurz vor 9 a.m. Nunja, dann wohl erst einmal eine Stippvisite im Visitor Center einschieben und dort unser Glück versuchen.

Als wir auf dem zugehörigen und gut besuchten Parkplatz aus der Shäbbi Lady klettern, sinkt meine Laune um ein paar Grad … Rauch, och nööö ey. Das VC ist sehr klein und proppenvoll – wir checken kurz die Wettervorhersage für die nächsten Tage – Internet ist hier oben nämlich eher nicht so – und ich ernte auf meine Nachfrage bzgl. des Annual Pass einen verständnislosen Blick. Den müsste ich natürlich beim Eingang kaufen … ja gut, eher schwierig :) dann bleiben wir also weiterhin inkognito. Immerhin soll der Wind morgen etwas drehen.
Nach kurzem Kriegsrat, was wir bis zur CG Check-In Uhrzeit anstellen wollen, machen wir uns auf den Weg zum Tenaya Lake. Hier waren wir zwar schon einmal, aber das Panorama ist einmalig und es gibt einen flachen Trail (gut 2,5 mls) um den Lake herum - machbar bei den rauchigen Bedingungen. In guter Tradition parken wir auf dem Parkplatz der östlichen Tenaya Lake Picnic Area und machen uns nach einem Kurzbesuch am zugehörigen Strandabschnitt entlang der Straße und somit entgegen dem Uhrzeigersinn auf den Rundweg.

Aufgrund des kontinuierlichen Verkehrs und der vielen Menschen, die immer wieder in den Parkbuchten halten, ist das Erlebnis hier eher so semi schön. Dies ändert sich schlagartig als wir am Westufer endlich vom Bürgersteig runterkommen und ein paar Meter auf dem Sunrise Lakes Trail machen, der morgen die Hauptrolle spielen sollte ;) Wolken und Dunst trüben die eigentlich türkise Sicht auf den Lake, aber der kürzere Trail ist dennoch schön und vor allem wenig besucht.


[Nein, die Bilder sind nicht unscharf - das ist der Rauch in der Luft
]
Zurück an der Lady schieben wir eine Dusch- und Futterpause ein und rollen dann zurück in die Tuolumne Meadows und checken auf unserer Site 23 in Loop B für $36 pro Nacht ein. Die Site ist riesig mit guten Abständen zu den Nachbarn, jedoch mit einem leicht seitlich abfallenden Hügel, der Leveln zwingend erforderlich macht. Ich strecke die Nase schnüffelnd aus der Tür – ganz leichter Rauchgeruch, deutlich weniger als am Tenaya Lake, und der geliebte Pinienduft. Ist genehmigt.

Wir schnüren direkt wieder unsere Wanderschuhe, denn der Tagesprogramm-Meister (ich
) hat noch einen Spiegelstrich auf der Liste: Auf zum Lembert Dome mit Blick über die Meadows!

Wir lassen die Lady bei ihrem Mittagsschläfchen zurück und stapfen direkt vom CG aus los in Richtung Trailhead. Der Lembert Dome ragt vielversprechend vor uns auf und ich zweifle an der Höhenmeterangabe (ca. 850 ft) für den Trail ... das sieht ganz schön hoch aus …
Nunja, nützt ja nix – wir wechseln die Straßenseite und befinden uns kurz darauf schon mitten im „Unterholz“, wo es auf einem unebenen Weg über Wurzeln und Geröll mit zweistelliger Steigung aufwärts geht, puh. Der Trail ist zwar als „moderat“ angegeben, aber die Steigung ist echt nichts für schwache Nerven. Ich stapfe schimpfend dem Männe hinterher und lege das ein oder andere Päuschen zum Luft holen ein. Was habe ich uns da denn eingebrockt? Flacher wird es erst als wir die Gabelung zum Dog Lake erreichen. Wenn wir uns jetzt so abgeschuftet haben, nehmen wir den auch noch mit. Schön isser, aber im Vergleich zu den 1+ Bergseen der letzten Tage verschmerzbar, wenn man hier nicht vorbeikommt.

Nach einer kurzen Rast geht es demnach das Stückchen retour zur Gabelung und dann nach links endlich (!) flacher in Richtung Lembert Dome. Allein ist man hier überall nicht, aber eine Völkerwanderung wie im Valley auf dem Mist Trail herrscht hier mitnichten. Am „Fuße“ des unbewachsenen Teils des Domes angekommen geht die milde Kletterei los. Einen festen Trail gibt es nicht und wir suchen uns Stufe für Stufe einen Weg die Felsen hinauf. Der Wind frischt auf und so beschließen wir irgendwann, dass unserer Höhenangst genüge getan ist und wir die letzten Meter links um die Kuppe herum nicht mehr wagen brauchen – der Blick ist auch von hier gigantisch ![]()


Nach einer ausgedehnten Snack- und Fotopause nehmen wir den Abstieg in Angriff und der ist nicht überraschend schon bald ziemlich steil – die Höhenmeter wollen ja wieder abgebaut werden. Wir treffen auf eine ältere Dame, die sich im Schneckentempo mit ihren Stöcken bergab kämpft und aufgrund der Wurzeln mehr als einmal kurz vor einem Sturz ist, auch sie hat nicht mit einer solchen Steigung gerechnet. Wir schwatzen kurz und da sie bereits Unterstützung von zwei Herren an ihrer Seite hat, nehmen wir wieder etwas Tempo auf und stehen bald erleichtert mit leicht schmerzenden Knien an der Tioga Road. Um den Loop zu schließen, geht es über die Straße und einen Parkplatz einige Meter hinab und dann auf dem Pacific Crest Trail entlang des Tuolumne River westwärts vorbei an u. a. dem Wilderness Center und einigen Mitarbeiter-Unterkünften.
Unverhofft erspähen wir dann noch zuckersüßes Wildlife
Insgesamt ein schöner Hike mit tollem Blick … jedoch „High Sierra-anstrengend“ ![]()


Zurück an der Shäbbi Lady folgt das obligatorische Abendprogramm: Wanderschuhe aus, FlipFlops an, Kaltgetränk auf und Kräfte auffüllen für morgen. Wir sind mal wieder ziemlich weit oben, so dass wir uns mit der untergehenden Sonne ins Womo zurückziehen, brrrr. Morgen klingelt der Wecker und ohne zu viel verraten zu wollen, uns und euch erwartet der anstrengendste Hike, den ich jemals gemacht habe … wir greifen mal nicht nach den Sternen, sondern nach den Wolken ![]()
Wanderbilanz des Tages: 3,2 Meilen und 39 Höhenmeter in rund einer Stunde um den Tenaya Lake und 5,6 Meilen mit 303 Höhenmetern in guten 2,5 Stunden zum Lembert Dome.
Lieben Gruß
Annika
Hallo Annika,
wieder eine sehr schöne Schilderung mit Bildbegleitung von eurer Wanderung zum Lembert Dome. Es ist ja schon außergewöhnlich, dass ihr euch 3 Nächte auf der Tuolumne Meadow gönnt. Ich bin dann mal auf morgen gespannt.
Wenn du ein Bildbarbeitungprogramm auf deinem Rechner hast, dann kannst du ja mal nach "Dehaze" oder ""Dunst entfernen" suchen und damit dem Rauch den Kampf erklären.Es hilft manchmal recht gut.
Herzlichen Gruß
Bernhard
Bernhard
Scout Womo-Abenteuer.de
Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen (G.C. Lichtenberg)