White Rim Road – Teil 1
Das Abenteuer beginnt…. später. Erstmal ausschlafen. Der Fahrer muss gut erholt starten, es warten einige Stunden hochkonzentrierten Fahrens auf uns, die dem Fahrer, aber auch der Beifahrerin allerhand abverlangen werden. Zum Glück wissen wir das zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Detail. Eine gewisse innere Unruhe macht sich dennoch breit, als wir alles Nötige vor Bambams Kofferraum ausbreiten, während ich Nudeln mit Tomatensauße vorkoche, die wir dann abends zusammen mit einem Salat kalt verspeisen wollen. Einen Campingkocher haben wir ja nicht.
Zelt, Schlafsäcke, Kissen, Isomatten, Campingtisch und -stühle, Spaten, Holzkeile, Werkzeug, Zahnbürsten und Wagbags kommen in den Kofferraum, und natürlich finden Wasser, Wasser, Wasser, aber auch einige andere Getränke den Weg in die Kühlbox. Ach ja, Kaffee wird auch vorgekocht, den trinken wir morgen früh kalt (brr, was macht man nicht alles). Außerdem kommt Brot, Marmelade und Erdnussbutter an Board.
So ausgerüstet erreichen wir um viertel vor 12 am Mittag den Beginn des Shafer Trails. Die Aufregung steigt angesichts des Schilds... es wird ernst!

...einmal um die Kurve... und hier geht´s runter:


Einmal tief Luft holen – und los geht´s. Über Serpentinen, die in steilen, engen Kurven hinab führen, in denen der Fahrer nur noch Himmel und nicht mehr die Begrenzung der Straße zum Abgrund sieht, schlängeln wir uns abwärts. Glücklicherweise ohne die brenzlige Situation, die durch Gegenverkehr entstehen kann. Zwischendurch murmelt mein Mann: „Was, wenn ich jetzt Gas und Bremse verwechsle?!“ Witzbold. Ich beruhige mich damit, dass ich weiß, was für ein guter und umsichtiger Fahrer er ist. Sonst hätten wir uns niemals hierhergewagt.
Unten angekommen, atmen wir das erste Mal durch und halten schnell noch am Plumpsklo. Das letzte für die nächsten ca. 20 Meilen oder so. Und dann geht es weiter.

Über Stock und Stein, Sand und am Abgrund entlang. Schnell wird klar: das ist echt anstrengend. Es rüttelt und schüttelt, durchgehende Konzentration ist gefragt, um spitzen Steinen, Löchern, Platten und tiefen Spurrillen auszuweichen. Wir halten zu Beginn an den 3 Viewpoints, sind wir ja noch der Meinung, dass wir unendlich Zeit haben. Die Fahrt bis zu unserer Campsite (Gooseberry) wird mit 3 Stunden angegeben.


da denkst du, du stehst in der Wüste, da zwitschert es auf einmal hinter dir ...

Am Musselman Arch treffen wir auf einen Ranger. Ich mache mich bereit, unser Permit zu zeigen. Er jedoch möchte das gar nicht sehen, sondern fragt uns, ob wir ein day-use Permit haben. Ich sage, nein, Overnight. An der Gooseberry Campsite. Da ist er sichtlich erleichtert und meint, damit sind wir fein, das sei in 2 Stunden zu erreichen. Er wollte nur sicherstellen, dass wir heute nicht mehr die ganze Runde fahren und in die Dunkelheit geraten.
Ab jetzt wird die Route eher schlechter als besser. Auch heute muss ich immer wieder aussteigen, einmal legen wir Holzkeile aus, um eine Stufe zu überbrücken.

Bretter ausgelegt... und los geht´s:

Auf einmal sagt mein Mann, so, jetzt hängen wir in der Luft. Steig mal aus, meint er, und schau dir das an. Tatsächlich, zwischen rechtem Hinterrad und dem Boden tut sich eine Lücke von mindestens einem halben Meter auf, weil wir schräg stehen und die Bodenplatten eben so liegen, wie sie liegen.

Ich lerne, was Differentialsperre heißt, und weiter geht´s. Mein Mann fährt sehr vorsichtig, sicher teilweise auch zu vorsichtig. Beide fühlen wir uns damit aber wohler. Hier eine Reifenpanne? Nein danke. Deshalb werden aber aus den 2 Stunden am Ende ganze 4. Gegenverkehr ist extrem selten, gibt es aber auch zweirädrig (der ist deutlich schneller als wir...):



In der letzten halben Stunde zieht sich zu allem anderen dann auch noch der Himmel zu, und es droht schon wieder Regen! Das wäre ja nun ganz fatal. Wenn die Felsbrocken auch noch rutschig werden! Tatsächlich fallen 2 Meilen vor dem Ziel die ersten Regentropfen, jetzt aber schnell. Schon glänzen die Steine vor Nässe. Glücklicherweise hört es aber nach einigen Minuten wieder auf, und wir erreichen mit den letzten Sonnenstrahlen unser Ziel. Auf Gooseberry A hat eine ganze Fahrradtruppe ihre Zelte aufgeschlagen. Gooseberry B liegt etwas erhöht und außer Hörweite. Das Plumpsklo teilen wir uns.

Wir atmen einmal ganz tief durch. Das war wirklich anstrengend! Deshalb können wir die Umgebung auch gar nicht so richtig genießen, zu groß ist noch die innere Anspannung. Wir holen Tisch und Stühle raus, da kommt schon wieder heftiger Wind auf, und der nächste Regen fällt vom Himmel. Also alles wieder ins Auto. Die folgende Regenpause nutzen wir schnell zum Verspeisen von Nudeln und Salat, dann jagt uns wieder ein Schauer ins Auto.

Ganz ehrlich, bei dem Wetter haben wir so gar keine Lust, das Zelt aufzubauen. Also puzzeln wir Tetris-like das Innere vom Auto einmal von oben nach unten und von rechts nach links, so dass die Rückbank umgeklappt werden kann und trotzdem alles andere Platz im Trockenen findet. Die Isomatten legen wir der Länge nach aus, darauf lässt es sich ganz gut liegen! Bambam hat ein Glasdach. Sternenhimmel sozusagen aus dem Bett heraus, direkt über unseren Köpfen – das ist doch mal was! Denn irgendwann hört der Regen tatsächlich auf, der Himmel klart auf und die Milchstraße ist zu sehen. Es ist mächtig kalt geworden, aber im Auto mit dem Daunen-Schlafsack ist es gut auszuhalten und irgendwie sogar gemütlich. Ein bisschen gruselig ist der nächtliche Toilettengang, und kalt obendrein. Trotzdem schlafe ich erstaunlich gut, wahrscheinlich vor lauter Erschöpfung…
LG, eure Inga
Hi Inga,
herrlich,deine Beschreibung und die Bilder !
Wie ein Jeep doch die Möglichkeiten erweitert ....
Herzlichen Gruß
Bernhard
Scout Womo-Abenteuer.de
Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen (G.C. Lichtenberg)
Hej Inga
Was für ein Abenteuer
erinnert mich stark an unsere Off-Road-Tour im Outback Australiens.
Grüessli
Flo
Flo's Berichte: Westkanada mit VI (2016), Indian Summer in Ontario (2018), Colorado Plateau (2019), Rockies im Herbst (2021)
Hi Bernhard und Flo,
ja, mit dem Jeep konnten wir Dinge unternehmen, die sonst nicht möglich gewesen wären; unter anderem deshalb haben wir diesmal das Gespann gewählt. Das Fazit der White Rim Road folgt morgen, wir müssen ja noch zurück!
Liebe Grüße
Inga
Hi Flo,
…WOW, wirklich ein toller Tag. Wie Bernhard schon schrieb: so ein Jeep erweitert die Möglichkeiten ungemein 😉, wie wir ja auch festgestellt haben 😀!
Munter bleiben
Gruss
Kochi
Scout WoMo-Abenteuer.de
Liebe Inga,
kommt mir bekannt vor. Ist dann doch gar nicht so leicht, den ganzen Kram umzuräumen. Wenn man das wegen Regens noch innerhalb des Autos räumen muss, wird’s richtig lustig😂.
Die White Rim Road ist schon ein ganz besonderes Erlebnis. Ich habe dieses Abenteuer mit gemischten Gefühlen, die sich zwischen absoluten Glücksmomenten und nackter Angst abspielten, erlebt. Nichtsdestotrotz haben wir damals den Plan gefasst, dass wir die Strecke mal mit dem Bike befahren wollen. Ob wir es jemals machen - who knows?
Liebe Grüße
Elli
Scout Womo-Abenteuer.de
Liebe Elli,
Jo, war wirklich gar nicht so einfach... hat aber am Ende geklappt.
So ähnlich ging es uns auch
Und dabei haben wir den ganz heftigen Teil ausgelassen...
LG, Inga