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Tag 14: Page - Grand Canyon South Rim

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Kai t
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Beigetreten: 27.06.2013 - 13:54
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Tag 14: Page - Grand Canyon South Rim
Eckdaten zum Reiseabschnitt
Gefahrene Meilen: 
194 Meilen
Fazit: 
Schlechtes Wetter, Umfahrung der 89 und Menschenmassen am South Rim

Mittwoch, 21.08.2013

8:00 Uhr

Die heutige Etappe war in meiner ursprünglichen Erstplanung gar nicht vorgesehen. Eigentlich wollten wir von Page aus Richtung Joshua Tree NP fahren, so weit wie möglich kommen und dann irgendwo bei Kingman übernachten.

Nun war die 89 gesperrt und wir mussten die gut 55 Meilen Umweg über die 98 und 160 in Kauf nehmen. Aus diesem Grund wurde eine Übernachtung am Grand Canyon South Rim in die Planung genommen und dafür eine der zwei Nächte im Joshua Tree NP gestrichen.

Heute standen also lange 194 Meilen auf dem Reiseplan. Nach kurzem Stopp im Walmart machten wir uns auf die lange Fahrt, die wir ohne Zwischenstopp absolvierten. Das Wetter war durchwachsen und wir erreichten, bei wolkenverhangenem Himmel und nasskalter Witterung, gegen Mittag den Desert View Point im Grand Canyon NP.

An diesem wunderbaren Viewpoint bekam man schon einmal einen guten Vorgeschmack auf das, was uns im Grand Canyon Village erwarten sollte: Grandiose Ausblicke in die unwirkliche Weite des Grand Canyons, der wie eine unberührte Mondlandschaft vor uns lag. Aber auch Massen von Touristen, die busseweise herangekarrt wurden und die Viewpoints in Scharen belagerten. Amerikanische Tagestouristen,pubertierende Jugendgruppen, massenhaft Europäer und asiatische Reisegruppen, die mir persönlich als besonders anstrengend in Erinnerung blieben. Hier gab es zwei Typen von Fototouristen. Typ 1 war fototechnisch mit allem ausgestattet, was der Fotofachhandel hergab. Mit riesigen Spiegelreflexkameras á la Nikon D4 oder Canon EOS D1, bestückt mit armlangen Objektiven auf Heinz-Sielmann-Gedächtnis- Stativen (Gaben die Ihre Fotoausrüstung am Flughafen eigentlich als Sportgepäck auf?)  und zusätzlicher DSLR für die Freihandfotografie um den Hals hängend, blockierten sie stundenlang die besten Plätze der Viewpoints und fotografierten stumpf in die Ferne, während Typ 2 in Rudeln auftrat und die meist weiblichen Rudelmitglieder sich unter lautem Getöse und hektischen Bewegungen vor der Fototapetenkulisse aufbauten, um sich in den schönsten Urlaubsposen, in ihren selbstgebastelten Plastikmüllsack-Regenschutzjacken, von ihren Männern ablichten zu lassen. Und offensichtlich wollten sie mich gerne an Ihrer Freude teilhaben lassen und auch meine Urlaubsfotos verzieren. Jedenfalls hatten sie anscheinend besonderen Spaß daran, mir ins Bild zu laufen und sich auch auf MEINEN Urlaubsfotos verewigen zu lassen. Die angenehme zurückhaltend-höfliche Art, wie wir sie in unserem letztjährigen Thailandurlaub kennengelernt hatten, war hier leider nicht wiederzufinden.

Tröstlich war, dass es anscheinend so etwas wie einen 500 Meter Bannmeilenradius um die Reisebusse gab, der nur selten übertreten wurde. Entfernte man sich ein paar Meter vom Hauptviewpoint, hatte sich der größte Trubel rasch aufgelöst.

    

Wir bezogen unser Quartier auf dem Mather Campground und warteten erst einmal den heftigen Regenguss ab, der pünktlich mit unserem Checkin niederging. Danach machten wir uns auf den Weg zum Rim. Es war ungemütlich, weil nass und kalt und so entschieden wir uns, den sehr nett gemachten Infofilm über den Grand Canyon im Kinosaal des Visitorcenters anzusehen. Danach spazierten wir noch ein wenig am Rim entlang und bestaunten die wolkenverhangene Canyonlandschaft, bevor wir zum Campground zurückkehrten. Abends zog der Himmel sogar noch ein wenig auf, sodass wir vielleicht noch einen netten Sonnenuntergang hätten sehen können, wären wir schnell genug am Rim gewesen. Als sich die ersten blauen Lücken am Wolkenhimmel zeigten, war es jedoch bereits so spät, dass wir nur noch die letzten paar Minuten des allabendlichen Naturschauspiels erhaschen konnten. Als wir am Rimtrail ankamen, verschwand die Sonne gerade am Horizont.

Wieder zurück am Campground entzündeten wir unser Campfire und froren uns beim Abendessen den Arsch ab. Dann gingen wir früh ins Bett, weil es erstens nicht sonderlich gemütlich war, unter nassen Bäumen, auf aufgeweichtem Lehmboden in der Kälte zu sitzen und außerdem wollten wir am nächsten Morgen früh raus, um wenigstens den SonnenAUFgang über dem Grand Canyon bestaunen zu können.

Herzliche Grüße Kai

dreamtiem
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Beigetreten: 24.09.2010 - 12:45
Beiträge: 1104
RE: Tag 14: Page - Grand Canyon South Rim

Köstlich - Deine Beschreibung der (meist asiatischen) Reisegruppen trifft wirklich punktgenau zu. Ich habe diese "in Rudeln auftretende Spezies" auch gut in Erinnerung zuerst erlebt an einem kleinen idyllischen Strand am Balaton ... genau 5 min. spukten gefühlte 500 Menschen an unserem kleinen Steg und investierten sicher 10 Filme (damals gab es noch keine Digitalfotografie), um den Teilabschnitt "Ungarn/Balaton" von ihrer Europareise zu Hause präsentieren zu können. 

Ich hoffe, dein Reisebericht dauert noch sehr lange - ich freu mich jeden Tag auf eine neue Episode :) DANKE!

Liebe Grüße
Margit

„Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden.” - Mark Twain

 

Bally
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Beigetreten: 09.09.2013 - 12:48
Beiträge: 103
RE: Tag 14: Page - Grand Canyon South Rim

Klasse, ich bin auch über jede weitere Etappe begeistert! MEHR DAVON! Da leg ich jedes Buch weg cool

Danke!

Gruß

Babs

Man reist nicht nur um anzukommen, sondern vor allem um unterwegs zu sein! Goethe.

Gisela
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Beigetreten: 26.08.2009 - 14:49
Beiträge: 4928
RE: Tag 14: Page - Grand Canyon South Rim

Hi Kai,

ja genau so fühlt es sich am South Rim an, super beschrieben!

Das Wetter zeigte sich ja auch nicht von seiner schönsten Seite, dafür habt Ihr am North Rim in jeder Hinsicht die schönere Seite erwischtwink  

Ich bin auch schon gespannt was Ihr noch erlebt habt.

Herzliche Grüsse Gisela

 

robbelli
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Beigetreten: 07.09.2012 - 07:53
Beiträge: 7429
RE: Tag 14: Page - Grand Canyon South Rim

Hallo Kai,

1A, deine Bilder und dein Bericht. Und, wie Margit schon schreibt, auch eine absolut zutreffende Beschreibung der asiatischen Reisegruppen. Genau so haben wir das im Arches NP erlebt, köstlich... zumal, wenn man hinterher drüber lachen kann! So mittendrin will man eigentlich nur das Weite suchen.

Ich freue mich schon auf den nächsten Reisetag smiley!

Liebe Grüße

Elli
Scout Womo-Abenteuer.de