Ein Wetterumschwung ist ab dem Nachmittag vorhergesagt. Wir wollen trotzdem eine größere Hikingtour wagen und starten früh.
Zuerst aber gibt es in der Familie zu Hause einen Geburtstag; wir möchten gratulieren, bevor wir unseren Hike starten. Ohne Netzempfang bleibt nur die Möglichkeit, einen Whatsapp-Anruf über WLAN zu tätigen, deshalb fahren wir schon in der Morgendämmerung zum VC, bereits fertig angezogen für die Hikingtour heute.

Wir trällern ein Geburtstags-Liedchen und erzählen ein bisschen, checken danach noch e-mails und starten schließlich mit Bambam zum Trailhead auf Loop A des Campgrounds.
Wir laufen zunächst über eine weite Baum/Strauch-Fläche, ein wenig geht es auch hier rauf und runter und über Felsen. Vor uns läuft ein Fotograf. 2 Kameras mit großen Objektiven baumeln vor seinem Bauch. Vielleicht fühlt er sich von uns gehetzt, jedenfalls lässt er uns irgendwann vorbei. Schnell bleibt er hinter uns zurück. Danach sind wir für die nächsten Stunden wieder ganz alleine, wie herrlich ist das! Der Wooden Shoe Canyon ist überraschend grün, viele Bäume mit grün-gelben Blättern säumen den Weg, auch viele Blumen sehen wir hier. Eine Oase.

Wir sind ganz begeistert von der Flora, ein Kontrast zu den vielen roten und gelben Steinen.
Der Abzweig zum Lost Canyon ist ein steil aufsteigender Weg, der aus einer kesselartigen Sandsteinformation besteht, bei Regen sicher überflutet und nicht begehbar. Immer höher steigen wir auf, jetzt nur noch Sandsteinuntergrund, so weit, so groß, der Ausblick reicht bis zum Chesler Park in der Ferne. Und noch darüber hinaus kann man sogar den Island in the Sky in der Ferne erkennen.

Ein Bergkamm bildet den Übergang zum Lost Canyon. So ein herrliches Plätzchen, hier machen wir Rast.
Dann folgt der Abstieg. Und der stellt sich als knifflig heraus.

... runter in den Lost Canyon


... hier geht´s gerade noch

... aber hier?!
Über große Felsen geht es von Stufe zu Stufe tiefer, bis … wir nach dem letzten Steinmännchen nur noch Tiefe vor uns sehen. Der Weg ist weg. Muss man sich hier etwa abseilen? Davon hatten wir im Vorfeld nichts gelesen. Wir sind ratlos, überlegen sogar umzudrehen. Überdinger wollen wir nicht riskieren. Aber aufgeben ist auch keine Lösung. Wir laufen ein paar Meter rechts und links und suchen das nächste Steinmännchen. Und dann finden wir es doch, und auch den Weg hinunter. Man muss um einen Felsen herumlaufen und dann über einige doch rechte hohe Felsbrocken abwärts. Nicht ganz ohne, aber wirklich nur ein kurzes Stück, und schon sind wir am Canyon-Boden angekommen.
Der Lost Canyon macht seinem Namen alle Ehre und präsentiert sich an diesem Ende wirklich wild und unwegsam. Der Trail ist nicht immer zu erkennen, und einsam ist es hier. Es geht durch dichtes Buschwerk, dann im ausgetrockneten Flusslauf durch einen Wald, schließlich durch ein Bambusdickicht.

Ebenso spannend wie herausfordernd, da der Weg kaum zu sehen ist. Wir haben den Eindruck, dass hier lange niemand mehr gelaufen ist. Schließlich aber wird der Canyon breiter, die Sonne scheint, eine traumhafte Umgebung. Es ist Mittagszeit, und wir laufen nun permanent im tiefen Sand. Schweißtreibend anstrengend, kein Lüftchen weht. Insgesamt kommen uns an diesem herrlichen und sehr heißen Fleckchen Erde nur 3 Wanderer entgegen.


Irgendwann müssen wir aber auch wieder aus dem Canyon heraus. Zunächst führt der Trail über Sandsteinstufen hinauf. Die letzte große muss mit einer Leiter überwunden werden, die hier praktischerweise befestigt ist (rechts im Bild):


An dieser Stelle drehen wir uns erstmals seit längerer Zeit um – und erschrecken. Eine tiefschwarze Unwetterfront ist bedrohlich nah und schiebt sich langsam in unsere Richtung, auweia. Jetzt aber Gas geben.

Zwar sind wir aus den Canyons raus, aber es ist doch noch ein Stück zu laufen. Also einen Gang raufschalten. Zunächst runter in die Ebene, dann den nächsten Hang hinauf. Die Wolkenfront rückt immer näher, langsam verschwindet die Sonne. Werden wir trocken ankommen? Weit ist es nicht mehr.
Auf dem letzten Stück kommen uns ein Vater mit einem vielleicht 10-jährigen Sohn mit schwerem Gepäck entgegen, wollen sicher campen. Wir hören den Vater ganz entspannt sagen, dass das Unwetter bestimmt vorbei zieht… Wenn man den Himmel betrachtet, sieht das nicht danach aus. Soll aber nicht unser Problem sein.

Obwohl es sich nun Armageddon-artig verdunkelt hat, schaffen wir es trocken bis zum Parkplatz und sind erleichtert.
Zurück am VC checken wir die Wettervorhersage für die nächsten Tage: sieht übel aus, mögliche Unwetter und Regen für die ganze Region, auch für Page und Umgebung, unser nächstes Ziel. Da das aber lokal immer sehr unterschiedlich sein kann, muss man erstmal abwarten. Vielleicht haben wir ja Glück.
Zurück an unserer Campsite droht weiter das Wetter mit tiefdunklen Wolken und einem böigen Wind. Glücklicherweise zieht es aber tatsächlich vorbei (gut für Vater und Sohn!). Im anschließenden Sonnenschein räumen wir auf, putzen mal schnell durch und bereiten heute früher als sonst unser tägliches Grillen vor.
Mit weiteren Musical-Liedern von der Nachbar-Site rösten wir unsere S´mores am Campfire und verschwinden früh im Bett. Es war ein wunderbarer Tag, mit einem großartigen Hike, welcher streckenweise sehr anstrengend war, vor allem das Laufen durch den tiefen Sand in der Mittagshitze.
LG, eure Inga
Hallo Inga,
sehr schöne herbstliche Aufnahmen bei feiner zarter Beleuchtung !! Wer sieht sich schon den Wooden Shoe aus der Nähe an ?
Aber die Wanderung ist es absolut wert !
Viele Grüße
Bernhard
Scout Womo-Abenteuer.de
Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen (G.C. Lichtenberg)
Also: Salt Flat bis Lost Canyon. Dann rechts ab bis Wooden Shoe und den wieder rechts rauf. Schöne Runde. Würdet ihr die nochmal machen?
Wäre wohl auch mit einem Womo erreichbar.
Schönen Gruss
Johannes
Hallo Bernhard,
Ansonsten war die Wanderung große Klasse!
LG, Inga
Hi Johannes,
Nein, genau anders herum, und zwar im Gegenuhrzeigersinn:
Start vom Parkplatz am Loop A des Needles CG, hier könnt ihr mit dem 29er parken, sofern es nicht zu voll ist. Dann erst den Wooden Shoe Canyon und links hoch mit Überquerung des Kamms zum Lost Canyon, dort wieder hinunter (etwas knifflig, wie oben beschrieben), links halten und Ausstieg aus dem Lost Canyon über die Leiter.
Hab es gerade nochmal nachgeschaut: 12km gesamt.
Und ja, würden wir wieder machen.
LG, Inga
Hallo Inga
Danke für die Details und die Empfehlung. In der AllTrails App ist die Tour andersrum drin. Vielleicht ist dann die Felsstufe einfacher. Auf jeden Fall eine gute Option für uns.
Schönen Gruss
Johannes
Hi Inga,
ganz großes Kino: Tolle Bilder, abenteuerlicher Hike, und Wetterglück! Das wäre ganz nach unserem Geschmack!
Liebe Grüße, Mike
Experience!
Scout Womo-Abenteuer.de
Hi Mike,
du bist auch dabei, klasse! Ja, ich denke, das wäre was für euch gewesen, vielleicht sogar noch mehr, wenn man sich tatsächlich hätte abseilen müssen
LG, Inga