Heute klingelt mal wieder der Wecker. Wegen des anhaltend guten und vor allem trockenen Wetters wollen wir heute White Pocket in Angriff nehmen. Wir erhoffen uns, dass der Sand auf der Zufahrtspiste nach den Regenfällen fester und das Risiko von Tiefsand geringer ist. Über den Straßen-Zustand konnten uns allerdings weder der nette Ranger in Big Water, noch die Rangerin in der Paria Contact Station wirklich etwas Hilfreiches sagen. Nur dass in den letzten Tagen dort keiner liegen geblieben sei.
Also versuchen wir unser Glück, notfalls drehen wir halt um. Darin haben wir ja Übung.
Als wir um 7:40Uhr losfahren, sind auch die Hiker startklar - tauschen möchten wir nicht, der Schreck sitzt noch zu tief.
Schnell sind wir auf der House Rock Valley Road, deren Zustand viel besser ist, als ich erwartet hatte. Mehrere kleine und ein größerer Wash müssen durchquert werden, heute alle fast trocken. Die 20 Meilen bis zum Abzweig ziehen sich aber ganz schön, und es ist und bleibt eine nervige Rüttelei. So hatte ich es noch von damals in Erinnerung, als wir zu den Coyote Buttes South gefahren sind.
Mittlerweile stehen hier überall Schilder mit dem Hinweis „White Pocket“, den Abzweig auf die 1017 kann man deshalb gar nicht verpassen. Nach 3 Meilen beginnt der sandige Teil. Die Spurrillen sind teilweise so tief ausgefahren, dass die Bodenfreiheit von Bambam gerade eben so dafür ausreicht.


... aus dem Weg!!!
Dazwischen immer wieder auch Steinplatten, felsige Abschnitte und Kanten, Vorsicht ist zu jeder Zeit geboten. Über die 1087 und 1086 nähern wir uns schlussendlich – nach einer gefühlten Unendlichkeit. Wir haben insgesamt 2 Stunden und 20 Minuten gebraucht, als wir endlich den Parkplatz erreichen. Einige andere Fahrzeuge stehen dort, auch Touranbieter. Das Gebiet der White Pocket ist aber so groß, dass sich dort alles verläuft und man dann doch meist alleine ist.
Fröstelig ist es heute, die Sonne lugt nur hie und da zwischen vielen Wolken durch, ein frischer böiger Wind weht.

Wir laufen durch die Wunderwelt, machen viele wunderbare Fotos und setzen uns auf eine blumenkohlartige Gesteinsplatte, um unseren Lunch zu verspeisen. Ein Traum in weiß, gelb und orange. Der Himmel bietet mit dem wechselnden Wolkenspiel einen traumhaften Gegensatz. Ein Fotografen-Paradies!




Trotzdem fühlen wir uns heute nicht so abgeholt. Ich habe fast ein schlechtes Gewissen deswegen, ist es doch so einmalig hier. Vielleicht sind wir übersättigt nach all den wunderbaren visuellen Eindrücken der letzten 2 ½ Wochen? Vielleicht liegt es auch am Wetter, das heute zwar trocken daherkommt, aber nicht den allerbesten Eindruck macht. Wie auch immer, wir verbringen trotzdem 3 Stunden hier.
Wie schon auf der White Rim Road, so gibt mein Mann auf dem Rückweg deutlich mehr Gas, jetzt hat er richtig Spaß am Fahren. Alle Wasserlöcher nehmen wir mit, das fetzt.

Als wir die House Rock Valley Road erreichen, sind wir ein bisschen erleichtert, nichts passiert, das letzte Off-Road-Erlebnis ohne Probleme überstanden. Wie sich zeigen wird, haben wir uns wohl zu früh gefreut….
Wir haben schon die Hälfte der 20 Meilen auf der House Rock Valley Road (HRVR) hinter uns; ich mache unterwegs Fotos und Handy-Videos, denke schon an ein entspanntes After-Tour-Bier… da ertönt ein lauter akkustischer Alarmton – huch?! Von der Fahrerseite höre ich meinen Mann: „So, jetzt haben wir eine Reifenpanne“. Eine Warnanzeige leuchtet: Reifendruckverlust!!! Waaas? Hier? Wir rollen noch ein Stück weiter, der Reifendruck nimmt aber rapide ab. Mein Mann bleibt auf einem geraden Stück am Wegesrand stehen. Motor aus, Tür auf, da hören wir es laut zischen, von hinten links. Ok, der Reifen ist hin. Jetzt erstmal sammeln. Wir sind noch 10 Meilen vom Highway entfernt, Handyempfang Fehlanzeige. Also müssen wir uns selbst helfen. Haben wir überhaupt einen Ersatzreifen? Wir können uns gerade nicht mehr an die Übergabe von Jessica erinnern, sind uns nur sicher, dass der Trailer einen hat. Der hilft uns natürlich nicht. Ein Blick in den Kofferraum, und Erleichterung macht sich breit: da isser.

Gut, dass ich meinen so begabten und schlauen Mann habe, ich wäre aufgeschmissen gewesen. Er nimmt den Wagenheber, zack, aufgebockt, zack, Reifen runter, zack, neuen drauf – in 10 Minuten erledigt! Wir fragen uns allerdings, wie das passiert sein kann. Er ist sich sicher, beim Cattle-Guard muss es passiert sein, unmittelbar danach hat der Reifen Druck verloren. Warum es gerade hier passiert, auf der harmlosesten der dirtroads, die wir gefahren sind, bleibt uns allerdings unerklärlich.
Langsam und sehr vorsichtig fahren wir weiter. An der Paria Contact Station ist Handy-Empfang. Ich versuche, Jessica&Tobias anzurufen, doch nur der Anrufbeantworter geht an. Ich hinterlasse eine Nachricht und schreibe das Ganze auch noch per Whatsapp. Wir möchten wissen, ob wir eine Werkstatt anfahren sollen. Der Ersatzreifen sieht sehr nach einem vollwertigen Reifen und nicht nur einem Notrad aus. Zurück auf dem CG ruft Jessica zurück. Nein, wir sollen uns keine Sorgen machen, der Reifen ist ok, wir können damit bis Las Vegas fahren. Sie würden sich dann darum kümmern, damit uns nicht wertvolle Urlaubszeit verloren geht – wie klasse ist das denn! Dankedankedanke. Graner-Service at its best. Vorsichtshalber schicke ich noch Fotos von den Reifen, die doch in der Größe ganz leicht unterschiedlich sind. Zunächst meint Tobias deshalb, wir sollten vielleicht doch besser auf der Weiterfahrt in Kanab die Reifen wechseln lassen, doch der Größen-Unterschied ist so gering, dass wir uns darauf verständigen, dass das nicht notwendig ist, weil wir ja nur noch die Strecke bis Las Vegas fahren werden, von hier in Summe ca. 250 Meilen.
Zum Tagesausklang laufen wir zum Paria River, wir wollen sehen, wie jetzt der Wasserstand ist. Heute plätschert hier nur noch ein friedlicher Bach. Man kann an den Felsen und der Uferböschung noch gut sehen, wie hoch die Flut war, sicher ein Meter oder mehr. Kaum zu glauben, was hier vor gerade mal 2 Tagen los war.

- die Linie zwischen dem oberen gelben und dem darunter liegenden orangen Fels markiert die Wasserhöhe der Flutwelle, auch der gesamte Uferbereich im vorderen Bildbereich war überschwemmt -

Der Campground ist heute viel ruhiger, und Gott sei Dank sind die überfälligen Autos bzw Permit-Holder auch verschwunden, also offensichtlich angekommen. So hoffen wir wenigstens. Heute sind hier keine Hiker, sondern nur entspannte Camper. Eine ruhige und friedvolle Stimmung liegt über dem Platz. Nach all der Aufregung der letzten Tage und dann auch noch der Reifenpanne heute fühlt sich das großartig an.
Und was war noch? Na klar, grillen und Campfire…
LG, eure Inga
Hallo Inga,
Wowww, das ist ja echt das volle Abenteuerprogramm bei euch! Jetzt seid ihr trainiert für weitere Wüsten-Trips. Wenn man - wie dein Mann - noch gelernt hat, Reifen zu wechseln, ist das ziemlich beruhigend. Und dass die Graner-Fahrzeuge mit top Ersatzreifen ausgerüstet sind, ebenfalls.
Nun könnt ihr auf den letzten 250 mls eure aufregende Reise noch gut auslaufen lassen.
Übrigens: Ganz wunderbare Fotos hast du wieder gemacht!
Viele Grüße, Irma
2012 Südwesten 2015 Yellowstone/Badlands/RMNP Herbstfahrer's Reiseberichte
Hi Inga,
auch meine schönsten Erinnerungen sind aus der White Pocket; Wir waren mit Michael dort mit dem 4WD von Steve. Matsch auf der House Rock Valley Road (HRVR) , dass es nur so spritzte, aber er zog es durch !
Viehe Grüße
Bernhard
Scout Womo-Abenteuer.de
Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen (G.C. Lichtenberg)
Hallo liebe Irma,
Ja, und für beides bin ich unendlich dankbar!
Vielen lieben Dank!
In der White Pocket ist das allerdings auch nicht schwer, die Fotomotive sind unzählig... und wenn dann noch das Wetter mitspielt!
LG, Inga
Hallo Bernhard,
So war es bei uns auf der 1086 und 1087; ich hab schöne Videos gedreht. Der Wagen war anschließend allerdings nicht mehr ganz so sauber...
LG, Inga
Hi Inga,
schade, dass ihr die White Pocket nicht so genießen konntet. Die Fotos sind dennoch sehr beeindruckend und ich sehne mich wiedermal dorthin. Im Sommer hatte Steve von den Outfitters das leider nicht mehr als Kombi-Tour mit der CBS angeboten.
Die Reifenpanne hat euch sicherlich einen gehörigen Schreck eingejagt - aber das habt ihr mit Bravour gemeistert!
Liebe Grüße, Mike
Experience!
Scout Womo-Abenteuer.de
Hi Mike,
Ich weiß tatsächlich nicht, woran das lag. Der fröstelige Wind hat das Sommerfeeling getrübt, und vielleicht waren wir tatsächlich einfach übersättigt von den vielen Eindrücken. Keine Ahnung.
Vielen Dank, das Kompliment geht weiter an den besten aller Männer
LG, Inga
Hi Inga,
Das kann nicht sein, meine Frau behauptet das von mir

Liebe Grüße, Mike
Experience!
Scout Womo-Abenteuer.de