Wir starten nach dem Frühstück, das wir im Camper essen, Richtung Charlottetown. Die kleinen Blutsauger sind immer noch da und warten nur darauf, dass der Gatte das Womo verlässt, um den Strom- und Wasseranschluss zu entfernen. Er hat auf der Pulli-Kapuze eine ganze Armada an Stechmücken sitzen, als er wieder ins Womo will. Also Biester durch wilde Armbewegungen vertreiben und so schnell wie noch nie in den Camper springen. Das war echt nicht sehr entspannend hier ... Auf dem Weg nach Charlottetown sehen wir zwei überfahrene Stinktiere auf der Straße. Dass es hier Stinktiere gibt, war uns gar nicht bewusst. Einen toten Waschbären hatten wir in Nova Scotia neben der Straße – Stinktiere sind neu.
Google Maps schickt uns scheinbar den direktesten Weg durch die Walachei. Mehrfach endet die gut asphaltierte Straße plötzlich in einer quietschroten Schotterpiste – meist für 1–2 km –, bevor sie wieder auf eine asphaltierte Straße wechselt. Zum Glück für unseren Camper unproblematisch.

Bei schönem Wetter hätten wir einen zweiten Stopp in Charlottetown gemacht, aber es regnet leicht und ist stark bewölkt, daher fahren wir weiter.
Hinter Charlottetown, auf einer kleinen Mini-Insel, entdecken wir eine Art Mini-Mall-Komplex, u. a. mit Cows Creamery and Factory, daneben die Anne of Green Gables Chocolate Factory. Beides im Vergleich zu den Läden in Charlottetown riesig. Im Cows-Laden erhält man außerdem einen Einblick in die Entstehung und Herstellung von Käse, sieht einen Infofilm, eine T-Shirt-Druck-Manufaktur und natürlich den Shop mit zig Cows-Merchandise-Artikeln sowie eine riesige Auswahl an Eis. Wir lassen uns als Mitbringsel lustige Cow-T-Shirts drucken und gönnen uns jeder zwei Kugeln Eis. Boah, ist das lecker!!!! Unfassbar, so viele Extras in einem Eis habe ich noch nie gesehen. Ich hatte z. B. die Eissorten mit den klangvollen Namen „Wowie Cowie“ (Vanilleeis mit Toffeestücken, Schokostückchen, Salzkaramell und Keks-Crunch) und „Messy Bessie“ (Schokoeis mit Moo-Crunch, Oreo, Karamell und Toffee) in einer frisch gebackenen, knusprigen Waffel! Geschmacksexplosion! Ich brauche kein Mittagessen mehr
Das waren wohl genug Kalorien für die nächsten Tage!
Wir tanken noch für 50 $(Benzin ist mit 2,02$/Liter zwar günstiger als auf den „Maddies“ – da waren es stolze 2,17 $/Liter –, aber in New Brunswick ist es noch günstiger, daher tanken wir später erst voll).
Vor der Confederation Bridge stoppen wir im kleinen Marine Rail Park. Der Marine Rail Park in Borden-Carleton liegt direkt am Fuße der gewaltigen Confederation Bridge und ist der perfekte Stopp für unser obligatorische Brücken-Erinnerungsfoto. Neben dem Panoramablick auf die 12,9 km lange Brücke erinnert ein historischer Eisenbahnwaggon an die Eisenbahnfährverbindung, die PEI über Jahrzehnte hinweg mit dem kanadischen Festland verband, bevor die Brücke 1997 eröffnet wurde. Es gibt auch ein kleines Museum dazu, was wir allerdings nicht anschauen. Nachdem wir unser Brückenfoto gemacht haben, starten wir über die Brücke.
Nächster Stopp ist das Fort Beauséjour. Laut Internet hat es geschlossen, aber wir fahren trotzdem hin – vielleicht hat man ja einen schönen Blick?
Wir werden nicht enttäuscht: Eine mega Aussicht auf die Bay of Fundy erwartet uns und das Fort an sich (viel ist nicht übrig) kann man auch außerhalb der Öffnungszeiten anschauen. Wir erkunden alles, haben die tolle Aussicht fast für uns alleine (erst läuft ein Reh vor uns über die Wiese, dann kommen weitere Autos und ein Camper), essen mit Ausblick zu Mittag und fahren weiter. Auf jeden Fall ein lohnenswerter Stopp!
Unser Ziel für heute ist der Five Islands Provincial Park.
Mittlerweile habe ich festgestellt, dass Google Maps die energieeffizienteste Route ermittelt – als wir unterwegs sind, wissen wir das noch nicht.
Wir fahren durch eine tolle Gegend, wie eine Art Hochebene, als plötzlich das Schild am Straßenrand erscheint, das den Wechsel von Asphalt auf Schotterpiste anzeigt. Ok, hatten wir auf PEI ja auch mehrfach – war nach 1–2 km erledigt ...
Tja ... never trust Google Maps ... Kontrolle ist besser (wobei wir das ohne Google-Satellitenansicht nicht erkennen können). Am Ende erwartet uns eine wirklich tolle Landschaft, viel Einsamkeit (ab und zu rast ein Einheimischer mit dicker Staubwolke an uns vorbei) und 25 km Schotterstraße in nahezu Schrittgeschwindigkeit.
Schneller ist es am Ende wohl nicht, aber zumindest Kilometer und Sprit haben wir gespart!
Wir machen noch einen Abstecher im Five Islands Lighthouse Park, der unmittelbar vor dem Five Islands Provincial Park liegt. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf die fünf Inseln, die Namensgeber des Parks. Der süße kleine Holzleuchtturm von 1914 stand früher übrigens ganz woanders und musste 2008 hierher versetzt werden, weil die Küste immer weiter abgebröckelt ist. Ein wirklich schöner, ruhiger Stopp mit Picknickbänken, um einfach kurz durchzuatmen und den grandiosen Blick auf die Landschaft zu genießen. Wir sitzen kurz auf den bunten "Kanadastühlen", kommen aber schon vom Nichtstun ins Schwitzen. In der Sonne ist es unfassbar warm geworden, es weht auch kein Lüftchen.
Wir fahren weiter zum Five Islands Provincial Park und bevor wir auf den Campground fahren, stoppen wir in der Day Use Area, die einen „Strand“-Zugang hat. Wir haben nämlich wieder das unfassbare Glück, dass in 2 Stunden die tiefste Ebbe sein wird, also starten wir den „Ocean Floor“-Spaziergang – eher ein Mud Walk – zur Felsformation „Old Wife“. Der Weg am Strand entlang ist beschwerlich, da die Steine, auf denen man laufen muss, sehr groß sind. Wir trauen uns irgendwann in den „Matsch“. Wenn man meist über die Felsplatten läuft, die überall im roten Schlamm auftauchen, kann man einigermaßen sauber auf dem Meeresboden laufen.
Habe ich erwähnt, dass es tierisch heiß ist??? Mir läuft die Brühe, wir kommen mehr oder weniger nass geschwitzt an der Old Wife an, zu der wir noch parallel zum Wasser über die Algensteine klettern müssen. Keine 15 Minuten später, als wir den Rückweg antreten, ist das Wasser vor den Algensteinen weg!
Wahnsinn, wie schnell der Wasserpegel sinkt! Wenn der genauso schnell in 1 Stunde wieder steigt, möchte ich gerne wieder am Camper sein!
Wir schaffen es mehr oder weniger schlammfrei zurück zum Camper und fahren zum Campground.
Wir fahren zum Campground und finden unsere Site ohne Probleme. Sie ist ganz neu und thront über allen anderen auf einer riesigen „Terrasse“ mit Aussicht. Wow!!! Einzig das Befahren der Site ist etwas knifflig, da man am steilen Hand schon einschlagen muss, um auf die "Terrasse" zu fahren. Hoch klappt das, mal sehen, wie wir hier morgen rückwärts wieder raus kommen...
Abgesehen von der Größe und dem fantastischen Ausblick: es gibt hier KEINE Mücken!
Nach einer Dusche grillen wir entspannt draußen und sitzen noch lange am Lagerfeuer. Was für ein schöner Ort.
Für die Statistik:
• Gefahren: 280 km
• Gelaufen: 11.019 Schritte
• Wetter: Sonne-Wolken-Mix bis 27 Grad
• Unterkunft: Five Islands Provincial Park, Site 34
Weitere Bilder und Videos im Blog:
Zu Besuch bei der Kuh mit Wowi Cowie
Marine Rail Park & Confederation Bridge
Fort Beauséjour - ein Fort für uns alleine
Back in Nova Scotia - never trust Google Maps....!
Five Islands Provincial Park und Mud Walk
Five Islands Provincial Park Campground, Site 34








































