Womo-Abenteuer

Nordamerika im Wohnmobil erleben!

15. Der Tag F

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SusanW
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Beigetreten: 15.02.2019 - 10:45
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15. Der Tag F
Eckdaten zum Reiseabschnitt
Reisedatum: 
19.06.2017
Gefahrene Meilen: 
0 Meilen
Fazit: 

Wir haben auch ohne Ventilator ganz entspannt geschlafen, ganz ohne Hitzewellen. Nach einem gemütlichen Frühstück (allein, die Familie muss arbeiten) können wir uns gestärkt an die schwere Arbeit wagen. Packen!  Zu Colins Gepäck ist im Laufe der Monate einiges dazu gekommen, unter anderem:  sieben Paar Schuhe, Skihelm und -hose, zwei Anzüge, ein Stativ, ein Schlafsack,… Wir Eltern haben zwar sparsam eingepackt, doch als wir den aufgetürmten Berg in Colins Zimmer so anschauen – passt das alles wirklich in die zwei Koffer und die große Reisetasche?
 
Erstmal aufräumen und ausmisten; so gar nicht Kerlies Ding. Zwei kaputte Jeans und ein Paar abgewrackte Sneakers können weg. Wir verpacken die Winterklamotten in Vakuumbeuteln, stopfen Socken in die Schuhe und rollen T-Shirts. Ohje, die Gepäckstücke sehen schon gut gefüllt aus.   Gut, dass BA eine großzügige Gewichtsbeschränkung beim Handgepäck hat. So können wir Eltern unsere Bordtrolleys noch voll packen.
Auch Packen schlaucht – Verschnaufspause willkommen

Mittlerweile ist Colins Gastmutter nach Hause gekommen und wir können zum allerwichtigsten Termin des ganzen Jahres aufbrechen.   Dazu fahren wir  hier hin: 

   

Nachdem Junior

  • am 19. Dezember 2016 nach etwas bürokratischen Aufwand und einem kleinen Online-Test den Utah-Lernführerschein erhalten hat
  • sechs plus zwei Stunden Fahrschulkurs absolviert und dort die Fahrprüfung bestanden hat
  • in den letzten sechs Monaten 40 Stunden in Begleitung selbst gefahren ist ( 100% davon in den letzten zwei Wochen)

kann er heute seinen Utah-Führerschein bekommen. Kurzer Sehtest, ein paar Unterschriften der Gastmutter, einmal drucken und er hat zumindest die vorläufige, doch voll gültige Class D-Lizenz.  Die im Scheckkartenformat wird in den nächsten Wochen zugeschickt  und per Eilbrief nach Deutschland weitergeleitet werden. Das mit dem Eil-Brief hat nicht ganz geklappt  -  18 Tage von San Francisco City Amt bis San Francisco Airport-Amt gebraucht!!!  Hat Nerven gekostet, doch letztlich hatten wir keine Schwierigkeiten den Führerschein in einen deutschen umschreiben zu lassen.


Die Gastmutter möchte mir unbedingt noch Cabela’s zeigen. Das ist ein großer Laden für all das Outdoor-Gedöns. Was sie mir hauptsächlich zeigen möchte, ist die Ausstellung mit den ausgestopften Tieren der Gegend.  Neben Reh, Hirsch, Bär und Co gibt es noch einen Teich mit lebendigen Fischen. Ansonsten hat der Laden eben alles Mögliche für Camping, Wandern, Fischen und Jagen. Dazu gehört natürlich auch eine –für uns große- Waffenabteilung. Die Gastmutter spricht den Verkäufer an: sie hätte hier einen Austauschschüler aus Deutschland, ob der wohl mal eine Pistole halten könne, er hätte sonst nie wieder Gelegenheit dazu.  Klar kann er! Der Verkäufer ist ganz erstaunt über unsere Waffengesetze, schließlich kämen alle guten Waffen aus Deutschland: die Walther, die Sig Sauer, Heckler & Koch… Der gute Mann ist ganz in seinem Element; referiert und zeigt seine Schätze. Die Kerlie dann auch mal halten darf. Darunter auch ein sehr gefährlich aussehendes Schnellfeuer-Was-auch-immer ...  Wir lernen, dass es doch ein paar Bedingungen gibt, um in Utah Waffen kaufen zu können. Außerdem dürfen wir die "Bibliothek" besichtigen, sozusagen der Second-Hand-Laden. Dort sehen wir historische Revolver und Gewehre. Winnetous Silberbüchse lässt grüßen.

 

 

Den Rest des Nachmittages widmen wir uns wieder dem Pack-Puzzle, für den Abend haben wir eine Einladung zum "evening bread" .
Beim Skypen im Vorfeld erzählten uns die Gasteltern von einer deutschen Familie in der Nachbarschaft. Ein Sohn, jetzt Anfang zwanzig, war auch zum Austausch dort gewesen und jetzt wohnt die Familie in Farmington. Es gäbe also Leute, die Deutsch und über seine Heimat mit Colin reden könnten, denn eine Tochter der Familie wohnt bei uns in der Gegend.  Sie kamen dann auch in Kontakt, Colin war kurz vorher zur Hochzeit des Sohnes eingeladen, die Mutter hatte einen Narren an ihn gefressen und natürlich wollten sie nun uns kennenlernen. Wir hatten uns schon gewundert, wie Leute denn so einfach nach Utah ziehen, wo ihr Sohn zum Schüleraustausch war. Einfache Erklärung: es sind Mormonen.

Wir werden sehr herzlich und locker begrüßt. Entgegen der Ankündigung gibt es kein deutsches Abendbrot; eher ein Buffet mit Nudelgerichten, Salat, Käsetorte mit Erdbeeren und zu trinken selbst gemachte Zitronenlimonade. Wir sitzen im Garten und plaudern im munteren Mischmasch aus Deutsch und Englisch über alles Mögliche.  Colins Gasteltern wirken ungewohnt zurückhaltend, richtig respektvoll. Im Laufe des Abends bekommen wir auch eine Ahnung warum. Der Herr des Hauses ist ein ziemlich hohes Tier der Kirche. Spaßeshalber habe ich ihn daheim gegoogelt, der hat sogar einen Wikipedia-Eintrag.

Unsere Reisen sind Thema. Wir werden gefragt, warum wir nicht nach Utah ziehen, so oft wie wir hier Urlaub machen. ;D  Wäre tatsächlich eine Überlegung wert, wenn es nicht einige Wenns-und-Abers gäbe. Die Dame des Hauses und Kerlies Gastmutter sind sich jedenfalls einig, dass sie nirgendwo lieber als dort in Farmington wohnen wollen. Wobei erstere wahrscheinlich bald wieder umziehen muss, wenn ihr Mann versetzt wird.

Neugierig war ich auch, wie Deutsche denn zum Mormonentum kommen. Okay, die LDS-Kirche hier habe ich schon öfter gesehen, trotzdem erschien mir diese Religion doch mehr eine amerikanische Sache zu sein. Tatsächlich gab es schon ab 1842, zwölf Jahre nach Gründung der Kirche, Gemeinschaften von Mormonen in Deutschland.  Viele der ersten Gläubigen damals sind später nach Utah ausgewandert. Die Familie unserer Gastgeberin ist schon seit deren Großeltern mormonisch.

Es war jedenfalls ein sehr interessanter und entspannter Abend, ganz ohne Missionierungsversuch. Während die anderen relativ früh zu Bett gehen, vernichten Kersten und ich noch unsere letzten zwei Dosen Schlummertrunk 

 

 

 

 

 

Liebe Grüße Susan

suru
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Beigetreten: 05.03.2011 - 20:13
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RE: 15. Der Tag F

Hallo Susan,

diese Packorgien habe ich mehrmals mitgemacht. 2008 durfte ja jeder noch mit 2 Koffern reisen und meine Eltern waren mit. Also jede Menge leere Koffer für unsere große Tochter, vor allem für die Ballkleider. Da hatte es die mittlere Tochter 2011 schon schwerer. Sie musste alle Kleidungsstücke, die nicht mehr in die Koffer passten und die sie mitnehmen wollte übereinander anziehen. Unter anderem Bademantel und Cowboystiefel..... . Am besten hatte es unser Sohn, da hat die Gastfamilie uns kurz nach seiner Abreise in Deutschland besucht und noch alles mögliche mitgebracht.

Toll, dass dein Sohn den Führerschein machen konnte. Das war leider bei allen unseren 3 Kindern nicht möglich, aus verschiedenen Gründen. Die Austauschorganisation hat das nicht erlaubt und außerdem ist es ja nicht in allen Bundesstaaten möglich. 

Mit den Mormonen haben wir und unsere mittlere Tochter auch nur gute Erfahrungen gemacht. Sie ist ja in Boulder City zur Highschool gegangen und da leben viele Mormonen. Sie hat öfter dort übernachtet und hatte auch nie das Gefühl bekehrt zu werden. Wir haben die Familie danach noch mehrfach getroffen, war immer sehr schön. 

Liebe Grüße

Susanne
Scout Womo-Abenteuer.de

Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen. (Johann Wolfgang von Goethe)

Annie123
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RE: 15. Der Tag F

Hallo Susan,

toll, dass es mit dem Führerschrein geklappt hat! Durfte Colin dann in Deutschland gleich alleine fahren oder musstet ihr ihn erstmal auch noch begleiten?

Vor so einer Packorgie hätte ich auch Horror. Aber ich glaube, bei Jungs ist das einfacher als bei Mädels...

SusanW
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Beigetreten: 15.02.2019 - 10:45
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RE: 15. Der Tag F

Hallo Annie,

da Colin noch keine 18 war und der Utah-Führerschein nur solange gültig war wie das Visum,  haben wir den US-Führerschein hier in den Führerschein ab 17 getauscht. Gut 3 Monate konnte er dann auch hier nur begleitet fahren. Mit 18 gab es dann automatisch den üblichen, den er sich natürlich gleich am Geburtstag abgeholt hat. Bei dem steht übrigens als Zusatz drin: aus USA.

Liebe Grüße Susan

Annie123
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Beigetreten: 05.09.2018 - 17:56
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RE: 15. Der Tag F

Hallo Susan,

Danke für die Info! Ab Mai darf Jannes auch begleitet fahren. Bin mal gespannt, wie das so klappt mit meinen Nerven... surpriselaugh... Aber eigentlich finde ich das echt eine gute Sache!