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Nordamerika im Wohnmobil erleben!

Tag 12: The Maze Overlook

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Bolly_Bollo
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Tag 12: The Maze Overlook
Eckdaten zum Reiseabschnitt
Reisedatum: 
13.10.2022
Gefahrene Meilen: 
0 Meilen
Fazit: 
... grandiose Blicke über ein riesiges Felsenmeer


Neben dem "Islands in the sky" und dem "Needles District" gibt es ja noch einen dritten Teil des Canyonland Nationalparks: "The Maze"
The Maze ist der am wenigsten zugängliche Bezirk des Parks. Er liegt weit abgelegen und ist relativ schwer erreichbar, dafür bietet er absolute Einsamkeit und Abgeschiedenheit.
Die Anfahrt ist zeitaufwändig, und im Prinzip nur mit einem robusten Allradfahrzeug zu bewältigen.
Das Gelände gleicht auf Satellitenbildern einem zerknülltem Blatt Papier, zerfurcht von verwinkelten Canyons und tiefen Schluchten.

Utah gehört ja an sich schon zu den am dünnsten besiedelten Gebiete (mal abgesehen von Sal Llake City),
aber das Gebiet um the Maze zählt zu den entlegensten der gesamten USA.

- und genau das ist unser nächstes Ziel   laugh

 

          

             

Ausgangspunkt für Maze-Expeditionen ist meist das kleine Kaff Hanksville, das kaum mehr zu bieten hat als zwei Motels, eine Tankstelle und ein paar Souvenirshops, die durchreisenden Touristen kitschige Reiseandenken, Kühlschrankmagneten oder "Where-the-fuck-is Hanksville"-T-shirts verkaufen
(verdammt, hätten wir uns doch nur so eins gekauft ... wink  )
 

Der erste Weg führt uns morgens zur gas station. Dort besorgen wir uns noch zwei 5-gallonen Ersatzkanister und wir befüllen diese sowie unsere Tanks bis zur obersten Oberkante. Insgesamt haben wir jetzt gute 95 Liter im Tank bzw. in den Kanistern, das dürfte gerade so reichen um wieder zurück in die Zivilisation zu kommen. So hoffen wir jedenfalls ...
Auf dem Weiterweg zum Maze gibt es im Umkreis von hunderten Meilen keine weitere Möglichkeit mehr zu tanken geschweige denn einzukaufen, nicht mal ein einziges verlassenes Haus, rein gar nichts. Nur Canyons, Steine, Sand und viel Natur.

Normalerweise führt der kürzeste Weg via Hans Flat Ranger Station und via Flint trail in the Maze. Da es jedoch in den letzten Wochen starke Regenfälle gab, ist der Flint trail (an sich schon eine übelst steile, ziemlich enge offroad-Piste aus groben Schottersteinen) in einem absolut erbärmlichen Zustand. So die einhelligen Berichte, auch die Ranger in Moab haben dies bestätigt.
Wir haben daher bereits beim backcountry office in Moab unsere permits ausdrucken lassen und alles so geregelt, dass wir nicht mehr bei der Hans Flat Station vorbeischauen müssen. Wir fahren stattdessen den kleinen Umweg über Hite, und dringen von dort aus in the Maze ein.
Im Nachhinein eine unserer besten Entscheidungen, der Weg ist zwar kilometermässig ein klein wenig weiter, dafür kommt man aber deutlich besser und schneller vorwärts.

Die Ranger geben eine reine Fahrzeit von 8-10 Stunden an, über technisch anspruchsvolle offroad-Pisten.
Wir haben zwar eine Menge Respekt, aber Zuversicht und Abenteuerlust sind eindeutig größer.
Der Weg zum Maze Overlook ist vom Niveau etwa mit der Elephant Hill road zu vergleichen, eher einen Tick anspruchsvoller, nur deutlich länger und abgelegener.
Auf der website des Nationalparks heisst es:

"Four-wheel-drive roads in The Maze are extremely remote, very difficult, present considerable risk of vehicle damage, and should not be attempted by inexperienced drivers. A high-clearance, low range, four-wheel-drive vehicle is required for all Maze backcountry roads"

Die Beschilderung ist sehr dürftig bzw. nicht existent. Wir nehmen versehentlich den falschen Abzweig. Schön ist es hier zwar schon, aber der trail wird immer schlechter, bis er plötzlich gänzlich verschwindet. Wir versuchen noch ein Stückchen schräg auf einem sandigen Hang weiter vorzudringen, aber keine Chance. Bevor wir abrutschen und den Hang hinunterpurzeln setzen wir vorsichtig zurück.
Verdammt - der Verhauer hat und fast anderthalb Stunden gekostet, und auch unnötig Sprit. angry
 

Auf der richtigen Piste geht es dann zunächst durch typische Utah Prärie, wir passieren steile Buttes und rot-braune Sandsteinformationen, die Umgebung wirkt wie die Kulisse eines Westernfilms.
Wir würden uns nicht wundern, würde plötzlich John Wayne ums Eck reiten.  wink
 

 

Die Piste ist anfags aber erstaunlich gut, wir kommen zügig voran


Spätestens ab der Flint trail junction verwandelt sich diese allerdings in eine Steinbrocken-Piste der allerübelsten Sorte.
Die Jeep-road führt über Serpentinen mehrere hundert Höhenmeter steil hinauf auf ein Hochplateau.
Ein Felssturz hat den Trail beschädigt, hat Teile der Straße weggebrochen, Felsen in der Größe von Reisekoffern blockieren den Weg und müssen vorsichtig umfahren werden.
 

  oben am Pass angekommen

 

 

Das war ein ganz schön hartes Stück Arbeit, sowohl für Maschine als auch für Mensch.
Aber auch wenn wir nur langsam vorangekommen sind, von den prophezeiten acht Stunden sind wir weit entfernt.
Bisher haben wir, trotz Verhauer, ab Hanksville knappe sechs Stunden gebraucht. Weit ist es nun zum Glück nicht mehr.

Auf dem Plateau wird die Piste wieder etwas besser, später geht es immer knapp am Rande eines Rims entlang.
Ein idealer Platz zum Beine ausschütteln und für ein spontanes Picknick.

Dann nur noch ein paar weitere Meilen den sandigen Spurrinnen folgen und schon haben wir es geschafft, wir sind endlich an unserem Ziel,
dem Maze Overlook !!!

Das Zelt ist rasch aufgebaut und das Lager eingerichtet.

 

Holy shit, wenn das mal kein gigantischer Zeltplatz ist:


Von hier hat man eine atemberaubenden Sicht auf das sich vor einem ausbreitende Labyrinth aus verwinkelten Canyons.
Unzählige hintereinandergeschichtete Wände, soweit das Auge reicht.

In der Ferne die Türme des "land of standing rocks". Den eye-catcher im Vordergrund bilden die aufragenden Wände der Chocolate Drops.
Wir sind absolut überwältigt. Einen schöneren Zeltplatz hätten wir uns nicht wünschen können.


So spektakulär der Ausblick aber auch von hier oben ist, wir wollen das ganze natürlich auch von unten erkunden.
Vom Maze Overlook führt ein abenteuerlicher trail über mehrere Felsbänder, Rims und Spalten hinab ins Valley.
Fast wie ein kleiner Klettersteig - nur ohne Seile. Es macht wirklich einen Mords-Spaß hier herumzuklettern.
Steinmännchen leiten über die Felspassagen, manchmal muss man eine Weile suchen um herauszufinden wo es weitergeht.
 

Das Ganze ist aber gar nicht so einfach, die schwierigste Stelle dürfte klettertechnisch so im oberen 2. Schwierigkeitsgrad liegen,
An mehreren Stellen sind sogenannte "Moki steps" in den Felsen gehauen, Vertiefungen um den Auf- und Abstieg zu erleichtern,
die bereits vor Jahrhunderten von den damals ansässigen Indianern angelegt wurden.

 Unten im Valley angekommen erwartet uns eine reizvolle Kulisse. Der Pfad schlängelt sich um etliche Ecken und Kurven.
Auch eine Quelle mit frischem Wasser sprudelt aus dem Boden, hier unten liesse es sich auch prima Zelteln.


Unser heutiges Tagesziel ist die berühmte "harvest szene", ein großes Pictograph-panel welches eine ganze Reihe andromorphe Gestalten zeigt
(Aliens die in den Vorzeiten die Indianer besuchten?), einige von ihnen halten Getreide gen Himmel, sowie Vögel und anderes Getier.

Ein Ort der zum Verweilen einläd aber auch eine eigentümlich mystische Stimmung ausstrahlt. Wir trauen uns kaum lauter zu sprechen als zu Flüstern.
Wie mag es damals wohl gewesen sein, als die vorzeitlichen Talbewohner hier ihre wilden Pow-Wow feierten dem großen Manitou ihre Opfer darbrachten?
- oder waren die pictographs doch nur einfache Kinderkritzeleien? - Die Archeologenm rätseln bis heute ...
 

(wer genau hinguckt, und seine Brille aufsetzt, erkennt links neben den Büschen die pictographs)

Wer waren die Künstler? - Was wollen sie uns sagen?


Ein Traum in Schokolade: Die Chocolate Drops


Der Rückweg wieder hinauf über die Moki-steps ist wieder das reinste Vergnügen. Solche Pfade machen einfach Laune.
Fast überlegen wir den Weg morgen früh nochmal runter und wieder rauf zu klettern, weil er gar so toll ist.

Von unten erspähen wir noch andere Menschen oben am rim, aber als wir aus dem Canyon nach oben gestiegen sind, sind sie verschwunden.
(oder waren es gar die Ahnen der Indianer die über dem Maze wachen?)

Hier gibt es lediglich zwei campsites, beide liegen vorne an der Abbruchkannte.
Die Nachbar-campsite bleibt allerdings für heute Nacht verwaist. Wir sind mutterseelenalleine, kurz vorm Ende der Welt.
Wenn morgen ein Atomkrieg ausbrechen würde, wir wären wohl die letzten die dies erfahren würden... surprise

Trotz der guten Fernsicht ist kein einziges Licht der Zivilisation zu sehen.
Es ist gespenstisch ruhig, nur das leise Säuseln des Windes und das Schlürfen unseres heissen Tees durchbrechen die Stille.
Einfach nur dasitzen und den Blick über den Horizont schweifen lassen. So schön kann Nichtstun sein ...

 


Am nächsten Morgen ist es frisch, es weht ein kühler Wind.
Aber der wolkenlose Sonnenaufgang entschädigt für die kalten Finger und Ohren.
 


Als die Sonne ihre ersten wärmenden Strahlen ausschickt wird es aber schnell angenehmer.


Wir entdecken eine Stelle an der man ein kleines Stück die Abbruchkante hinunterklettern kann, auf eine Art Balkon.
Ein Frühstücksplätzchen der Superlative !!!


Wir sitzen in der wärmenden Sonne, und lassen dieses besonderen Ort auf uns wirken.
Es weht ein Hauch von Abenteuer und Freiheit über dieses tolle Fleckchen Erde,
Solche Momente sind es, die man sucht, die sich tief in das Gedächtnisn einbrennen und für immer in Erinnerung bleiben ...
 

 


Das Schlimme ist nur, dass unsere Liste mit den Orten die wir unbedingt noch einmal besuchen müssen nicht kürzer, sondern immer länger wird ... !  surprise

 

To be definitely continued ...

 

Bernhard
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Beigetreten: 21.08.2009 - 15:31
Beiträge: 14443
RE: Tag 12: The Maze Overlook

Hi Christian,

ich kann mich nur wiederholen: grandios  -- besonders für jemand wie mich, der sicher nicht mehr dorthin kommen wird.

Grüße

Bernhard

Scout Womo-Abenteuer.de


Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen (G.C. Lichtenberg)

Bernhard
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Beigetreten: 21.08.2009 - 15:31
Beiträge: 14443
RE: Tag 12: The Maze Overlook

Hi Christian,

ich habe mir erlaubt, die einstelligen Titel Tag 1 - Tag 9 in Tag 01 - 09 umzubenennen, damit die Sortierung ab Tag 12 in der richtigen Reihenfolge steht.

Nur: was machen wir mit dem doppelten Tag 07 -- ein Versehen ?

Grüße

Bernhard

Scout Womo-Abenteuer.de


Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen (G.C. Lichtenberg)

Familie Roesner
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Beigetreten: 17.11.2019 - 11:47
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RE: Tag 12: The Maze Overlook

Hallo Christian, 

 

Solche Momente sind es, die man sucht, die sich tief in das Gedächtnisn einbrennen und für immer in Erinnerung bleiben ...
 

Genau so ist es... Gänsehautmomente smiley

 

LG,

Christina 

Bolly_Bollo
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Beigetreten: 04.04.2018 - 09:55
Beiträge: 158
RE: Tag 12: The Maze Overlook

Hi Bernhard,

nein, im Prinzip kein Versehen,
der eine Teil des Berichts (Tag 04-07) beinhaltet den ersten Teil von Tag 07 (Aufstieg aus dem Salt Creek Canyon)
der folgende dann die Weiterfahrt in die Needles und den Cyclone Canyon (ebenfalls noch an Tag 07).

Aber, um Verwirrungen zu verhindern hab ich den ersten Teil jetzt auf Tag 04-06 abgeändert.

Trotzdem vielen Dank,
auch für die Aufnahme von  "the Maze" in die Highlights.    smiley

Grüße,

Christian

Bernhard
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Beigetreten: 21.08.2009 - 15:31
Beiträge: 14443
RE: Tag 12: The Maze Overlook

HI Christian,

da hatte ich jetzt den Tagesbericht nicht mehr komplett gelesen. Entschuldige bitte.

Du könntest es auch übersichtlich(er) lösen mit mit Tag 07 (Teil 1)  und Tag 07 (Teil 2).

Highlight The Maze:  auch wenn man das Gebiet keinesfalls mit Wohnmobil erreichen kann, gehört es auf jeden Fall auf die Map  -- es war halt nur bis jetzt keiner dort !!!  Es hat mit Spaß gemacht, es anzulegen. Marker sitzt auf dem Maze Overlook. Toller Platz.

Grüße

Bernhard

Scout Womo-Abenteuer.de


Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen (G.C. Lichtenberg)

robbelli
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Beigetreten: 07.09.2012 - 07:53
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RE: Tag 12: The Maze Overlook

Hallo Christian,

ein Traum! Leider bin ich bei solchen Strecken die schlechteste Beifahrerin, die man sich vorstellen kann🙄. Vielleicht komm ich trotzdem mal hin, wer weiß…

Welches Sicherheits-„Backup“ nutzt ihr eigentlich? Auf’s Handynetz muss man da ja nicht unbedingt setzen.

Liebe Grüße

Elli
Scout Womo-Abenteuer.de

Bolly_Bollo
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Beigetreten: 04.04.2018 - 09:55
Beiträge: 158
RE: Tag 12: The Maze Overlook

Hi Elli,

Ich bin in meinem Leben schon so oft "ohne" unterwegs gewesen,
mehrere Wochen mit dem Kanu in den Yukon Territories, auf Bergexpeditionen in den Anden und im Kaukasus, Skidurchquerung Grönlands, ...
Die Trails im  Maze sind dagegen ja fast regelrecht überlaufen. wink

Früher gab es das ja alles nicht, Handys oder Satteliten, und man hats trotzdem überlebt.
Handy ist natürlich schon immer dabei, aber wie du schon sagst, auf Empfang darf man sich nicht verlassen.

Die ständige überallvorhandene Erreichbarkeit nimmt auch so ein bisschen von dem Abenteuer-feeling.
Am liebsten schalte ich alles aus und habe meine Ruhe.  smiley


LG,

Christian

Mizubi
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Beigetreten: 28.08.2019 - 20:31
Beiträge: 24
RE: Tag 12: The Maze Overlook

Hallo Christian

Klasse Reisebericht. Auch wenn wir nur den Chesler Park auf dem Programm haben, stimmt uns dein Bericht schon richtig schön darauf ein. 

Liebe Grüsse
Michael