Womo-Abenteuer

Nordamerika im Wohnmobil erleben!

Tag 38: White Wonderland

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Bolly_Bollo
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Beigetreten: 04.04.2018 - 09:55
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Tag 38: White Wonderland
Eckdaten zum Reiseabschnitt
Reisedatum: 
08.11.2021
Gefahrene Meilen: 
0 Meilen
Fazit: 
... white rocks & deep sand

Fortsetzung Tag 37:
Sonntag, 7. November, 02:00 pm

was, so früh noch ... ?  surprise
Ja, heute Nacht war Zeitumstellung, die "daylight saving time" ist zu Ende, ab jetzt haben wir Winterzeit.

In genau sieben Tagen und zehn Stunden hebt unser Flieger Richtung Heimat ab,
und wir müssen uns leider von diesem märchenhaften Stückchen Erde wieder verabschieden.  crying
Aber noch ist es nicht so weit, ein paar “heiße Eisen“ haben wir ja noch im Feuer!  laugh

 

Wir sind also auf dem Weg zu „farbigen Steinen“, und ja, Weiß ist auch eine Farbe – eine ziemlich schöne sogar!
Vor allem wenn sie sich mit feinen Streifen aus Orange, Gelb und Rot vermischt, die ineinander fließen, und so ein unglaubliches Form- und Farbenspektakel erschafft. Kenner des Süd-Westens wissen es bereits: Wir sind unterwegs zu den White Pockets.

 

Zweifellos eines der größten Naturwunder des Amerikanischen Kontinents!
Eine unwirklich anmutende Landschaft aus blendend weißen Kissenbergen, riesigen Sandsteinspiralen und ineinander verdrehten, schaumgekrönten, rot-weißen Meereswellen - eine zu Stein gewordene Künstler-Fantasie  - Salvador-Dali-Land!

 

- sowas ist auf dieser Welt wirklich einzigartig!
Aber halt, noch sind wir ja nicht da, vor uns liegen noch gut 40 Meilen durch teils ruppiges, teils sandiges Terrain. Wenn wir uns beeilen, dann kommen wir gerade rechtzeitig zum sunset an.

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Erneut brausen wir über die House Rock Valley Road, vorbei am Wire Pass, immer parallel zu den Ausläufern der „cockscomb ridge“ hinter denen sich die Coyote Buttes verstecken. Wir überqueren die Staatsgrenze von Utah nach Arizona und biegen schließlich auf eine staubige Piste ins Corral Valley ab. Dieser folgen wir durch wunderbare wüstenartige Landschaften der Poverty Flat. Neben sandigen Passagen trifft man immer wieder auf felsrippen-durchsetzte Abschnitte. Endlich wieder ein bisschen offroad.  smiley
Unser Jeep schluckt die Hindernisse ohne mit der Wimper zu zucken und wir kommen flott voran.

An der verfallenen Poverty Flat Ranch nehmen wir den Abzweig nach Osten, der Sand wird tiefer und unser Jeep pflügt sich durch den Untergrund. Durch die langanhaltende Trockenperiode ist dieser weich und tief (nicht umsonst heißt diese Gegend laut Karte treffend „sand hills“).
Wenn man hier nicht stecken bleiben will, dann sollte man tunlichst Sand-Regel Nr.1 befolgen: Nicht zu langsam fahren, immer gefühlvoll, aber nicht zu zaghaft Gas geben! An mehreren Stellen geht es bergab, auf dem Rückweg ist hier ein guter 4x4 auf jeden Fall angeraten!
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( cool useless fact: Reine Luftlinie liegen die White pockets lediglich 3 Meilen von der “Confluence“ der Buckskin Gulch und des Paria Canyons entfernt. Wenn man diese tiefe Schlucht irgendwo verlassen könnte, dann wäre man also zu Fuß in einer guten Stunde vor Ort)
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schon von weitem erkennt man die weißen Hauben aus dem Sand ragen:


Auf dem Parkplatz bei den White Pockets stehen bereits mehrere Geländewagen (auch geführte Touren), zwei haben hier ihr Lager errichtet.
Hier ist es uns zu overcrowded. Eine unscheinbare Piste führt vom hinteren Ende des Parkplatzes noch 500 m weiter über einen kleinen Sandhügel.
An deren Beginn steht dick und fett ein Hinweisschild „Caution, extremely deep sand - 4x4 highly recommended!“  - wir übersetzen das einfach mal mit „Bolly&Bollo warmly welcome“, holen Schwung und fahren über die Kuppe. Auf der anderen Seite erwartet uns dann eine schöngelegene kleine felsige Freifläche an deren Rand sich unter Bäumen prima Gelegenheiten zum Zelten befinden. Hier hatten wir bereits vor vier Jahren unser Zelt aufgeschlagen.

 

Wir parken unseren Jeep, schmeißen das Zelt in die Luft, vier Heringe rein, und schon sind wir fertig. Es ist bereits 16:30, die Sonne steht schon tief, wir schnüren unsere Wanderschuhe uns stiefeln los.
Die untergehende Sonne wirft ein wunderschönes goldenes Licht auf die Felsenszenerie der White Pockets. 

 


Als die Sonne verschwindet kehren wir zurück und plündern erst mal die „Speisekammer“. Wir fördern einige fast vergessene Schätze zu Tage, aus denen wir uns auf dem Camping-Kocher ein Drei-Gänge-Menü zubereiten. Die Entscheidung heute noch aufzubrechen war absolut richtig, die Location ist Klasse, wir genießen die Abgeschiedenheit und Ruhe mit Blick aus der ersten Reihe auf das weiße Felsenparadies im Abendlicht.

Beim Ausheben einer Grube für das Lagerfeuer entdecke ich später zufällig einen Klappspaten den hier irgendjemand wohl versehentlich zurückgelassen hat.
Man weiß ja nie wann man den mal brauchen kann …

Das Lagerfeuer lodert vor sich hin, wir verputzen gerade die Nachspeise, da hören wir Motorengeräusche, sehen Scheinwerferlicht, dann wildes Rufen und geschäftiges Umherlaufen. Da ist also doch noch Jemand auf die Idee gekommen hier hinter zu fahren.
Nach einer ganzen Weile kommen zwei junge Amerikaner zu uns ans Lagerfeuer und berichten sie seien mit ihren Wagen im Sand steckengeblieben, hätten sich festgefahren und kämen nicht mehr weiter.
Eine kurze Inspektion im Licht der Taschenlampen ergibt: Ja, das sieht nach Arbeit aus, die Räder haben sich bis zum Unterboden eingegraben - rien ne vas plus !
Sie bauen erst mal ihr Zelt auf, morgen wollen wir dann weiter sehen.

Am nächsten Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, wühlen wir uns aus unseren Schlafsäcken und drehen eine erste Sonnenaufgangs-Runde. Die Natur erwacht, das ganze Gebiet liegt ruhig und friedlich vor uns. Leider ist der Himmel ein wenig durch Schleierwolken bedeckt, die sich aber im Verlauf der Vormittagsstunden verziehen.
 


 


 


Unsere beiden Nachbarn schlafen noch, also gibt’s bei uns erst einmal eine ordentliche Portion Rührei mit Speck zum Frühstück.
Es sind zwei wirklich coole Typen, junge Studenten aus New York City auf einem Wochenend-Trip.  Ihr Mietwagen ist ein Ford Bronco, allerdings die billige „off the rack“ Version mit Straßenreifen. Das ist natürlich schon ziemlich mutig mit so einem „Hausfrauen-Jeep“ auf großes outdoor adventure zu gehen.

Dann ruft der Arbeitseinsatz.
Ich habe zwar ein (Kletter-)Seil dabei, jedoch findet sich am Bronco keine einzige Möglichkeit dieses zu befestigen. Die Stoßstange sowie die Kotflügel sind aus Plastik, eine Öse ist nirgends vorhanden. Ein Blick in die Gebrauchsanweisung unter „towing“ ergibt, dass nicht alle Modelle über Abschleppeinrichtungen verfügen.
- wie dumm ist das denn? Ein „Geländewagen“ ohne Abschlepp-Öse !
 


Zum Glück aber haben wir ja zwei Klappspaten (einen am Anfang der Reise gekauft, den anderen zufällig gestern Abend gefunden.)
Wir schaufeln und Schwitzen, tragen alles verfügbare Holz und alles andere was uns geeignet erscheint zusammen, stecken dieses unter die Reifen, lassen etwas Luft ab und schieben mit allen Kräften während der Fahrer behutsam im Rückwärtsgang Gas gibt.
Nach einer halben Stunde Schwerstarbeit schaffen wir es dann tatsächlich den Wagen zu befreien und wieder nach unten zu bringen.

Dann fahre ich mit dem Jeep einige Male den Hügel rauf und runter um die entstandenen Löcher zu glätten und eine Spur zu legen. An den einschlägigen Stellen präparieren wir die Piste, indem wir Holz, Äste und Steine in die Fahrspur legen.


Freibeuter der Felsenmeere im Rettungs-Einsatz 


Der Bronco holt von ganz hinten Schwung, fährt mit Vollgas bergauf, überwindet die besagte Stelle, fährt weiter, wird langsamer ... und bleibt erneut stecken !  angry

Also alles nochmal von vorn. Einen halben Liter Schweiß später dann der nächste Versuch. Und diesmal schafft er es tatsächlich, mit Ach und Krach den Berg hinauf. Oben angekommen wird zur Feier mit gekühlten Dosenbier angestoßen.
(Ja, eine Kühlbox ist serienmäßig beim Bronco verbaut -  man muss ja schließlich Prioritäten setzen!  laugh)

Den zweiten Klappspaten schenken wir den beiden, der Weg zurück ist ja auch nicht ohne …

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Inzwischen hat sich das Wetter gebessert und wir drehen noch eine Runde über das weiße Schlaraffenland. Je länger der Tag dauert, desto besser wird das Wetter, die Wolken verschwinden fast komplett und über uns strahlt die Sonne vom stahlblauen Himmel.
Nach einer kurzen Mittagspause machen wir uns erneut auf das gesamte Areal zu erkunden. Diesmal umrunden wir die bizarren Felsen der White Pockets in einem großen Bogen. Das Schöne ist ja, dass man jedes mal wieder etwas Neues entdeckt und jeder Blickwinkel andere sagenhafte Ansichten hervorzaubert.

Zu den White Pockets wurde ja hier im Forum, und auch anderswo, bereits zu Genüge geschrieben,
Deswegen: langer Rede kurzer Sinn, lassen wir einfach die Bilder sprechen:

Weiße Hauben mit gehirnartigen Strukturen

a lonely Ponderosa Pine  -  angeblich die einzige weit und breit, die nächste steht erst im Zion National Park.

Hier könnte man Stunden damit verbringen umherzustreifen und all diese wunderbaren Kunstwerke zu bewundern
(was heißt „könnte“, wir tun es auch, den ganzen lieben langen Tag lang!)


     

laughheartwink

Wenn man weiß wo, dann entdeckt man unweit unseres Lagerplatz auch ein verstecktes Anasazi-Panel oberhalb eines Überhangs:

auf dem Gipfel des Genusses

Am späten Nachmittag haben wir uns dann aber satt gesehen, packen zusammen und machen uns auf zu unserem heutigen Schlafplatz:
Zur Cottenwood Cove, dem Ausgangspunkt für Entdeckungstouren in den Coyote Buttes South.

 


Zuerst geht es wieder über die Sandpisten zurück zur alten Poverty Flat Ranch.
Die Szenerie erinnert hier an einen Apokalypse-Film. Zwischen verfallenen Hütten und einem alten Windrad stehen verrostete Wassertanks und uralte Fahrzeugwracks. Wir steigen kurz aus dem Wagen und inspizieren einige der Gebäude. Die Dächer sind eingefallen, Hausrat stapelt sich im inneren, Stacheldrahtrollen und Eisenschrott liegen kreuz und quer auf dem zugewucherten Gelände. Wir erwarten eigentlich jeden Moment eine Horde Zombies aus den Ruinen auf uns losbrechen, aber es bleibt ruhig. surprise

Danach geht es über eine sandige Jeep-road weiter zur Cottenwood Cove. Auch ein richtig hübsches Plätzchen. Unter einer ausladenden Pinie bauen wir unser Zelt auf. Eigentlich schon verwunderlich warum hier sonst keine Menschenseele ist ...
 

camp an der Cottenwood Cove


Für heute besitzen wir noch keine Permits, außerdem ist es schon spät, daher machen wir nur eine kleine Erkundungstour und beobachten die Spitzen der Coyote Buttes aus der Ferne, wie deren Gipfel von den Strahlen der Abendsonne sanft gekitzelt werden.

 

Gestern hatten wir all unser fire wood verfeuert, aber hier in der Umgebung finden sich haufenweise trockene Äste mit denen wir ein großes Lagerfeuer anfeuern über dem wir leckere S‘mores zubereiten. Bis spät in die Nacht sitzen wir am Feuer und sehen, mit einer Flasche craft beer in der Hand, den Funken nach wie sie in den Nachthimmel fliegen.
 

Mal sehn was der Tag morgen so für uns bereit hält ...

 

 


 

JoIn
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Beigetreten: 12.01.2013 - 11:20
Beiträge: 693
RE: Tag 38: White House Wonderland

... was für ein großartiger Tag in einer der atemberaubendsten Gegenden des Südwestens! 

Klasse, dass ihr den Amerikanern helfen konntet, und was für ein Glück und Zufall, den zweiten Klappspaten gefunden zu haben!

LG Inga

Familie Roesner
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Beigetreten: 17.11.2019 - 11:47
Beiträge: 210
RE: Tag 38: White House Wonderland

Ein toller Tag. :)

Wir haben bei unsrer ersten USA Reise auch schon versucht einen PickUp aus dem Modder zu befreien. Das war eine ziemliche Schlammschlacht laugh.

Der Spatenfund war da bei euch einfach Schicksal yes

Ihr seid so ein richtig, lustiges Abenteuerpaar. Das finde ich gut laugh

Ein paar Tage dürfen wir euren Bericht ja noch genießen :)

LG

Christina