Womo-Abenteuer

Nordamerika im Wohnmobil erleben!

7. Tag: West Fork bis Mayo, Five Mile Lake CG (Yukon)

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kik143
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7. Tag: West Fork bis Mayo, Five Mile Lake CG (Yukon)
Eckdaten zum Reiseabschnitt

Wir wussten, dass eine lange Fahrt vor uns lag. Geplant war früh nach Chicken zu fahren, um dort zu tanken und das WLAN des Cafés zu nutzen, um die ArriveCan App auszufüllen, wir wollten ja heute nach Kanada. Von daher starteten wir um 6 Uhr morgens nach Chicken. Chicken ist ein total verrücktes Mini Dorf mit ein paar Cafés, Geschäften, 2 Tankstellen und vielen, vielen Hühnern..... Leider war noch alles geschlossen, die Tanken bieten kein Tanken mit Kreditkarte o.ä. an. Tanken geht nur mit persönlicher Unterstützung, von daher mussten wir also warten, bis die Cafés (um 9) öffnen würden. Von daher haben wir erstmal gemütlich in Chicken im RV gefrühstückt, den Ort bewundert und die Hühner besichtigt. Sehr amüsant! Die CG in Chicken muteten sehr ungemütlich an, viele Leute scheinen tatsächlich nur zum Goldschürfen hier zu sein, Tickets hierfür können käuflich erworben werden. Die Schotterparkplätze als CG fand ich schrecklich.

 

Man sollte wissen, dass der weitere Weg bis zur nächsten Tanke sehr, sehr lang ist, von daher war es eigentlich für alle drei Familien klar, dass wir in Chicken warten mussten, bis die Tankstelle öffnet. Zwei Familien waren auch da, die dritte haben wir nicht gesehen, obwohl wir am Vorabend vereinbart hatten, alle in Chicken zu tanken. Da die morgens etwas später vom CG losgefahren waren, waren wir sicher, sie in Chicken zu treffen. Sie kamen aber nicht. Wir hatten uns zwar schon gewundert, aber nun gut, dazu später mehr.....

Um 9 öffnete nun alles, wir tankten, kauften für teuer Geld eine sehr schlechte Internetverbindung, füllten laaaaaangsam ArriveCan aus und konnten dann endlich um kurz vor 10 die weitere Fahrt antreten. Vertane Zeit durch falsche Planung ca. 2 Stunden.....damit nicht genug.....

Unser Sohn entschied sich, bei den Freunden mitzufahren, also vereinbarten wir, dass wir gemeinsam bis zur Grenze fahren und ihn dann wieder zu uns ins Auto holen würden, um einen problemlosen Grenzübertritt hinzubekommen. Wir fuhren also hintereinander die Schotterpiste bis Eagle Junction. Mal war das zweite Fahrzeug direkt hinter uns, mal weiter weg. Wir haben uns bei längerem Abstand nichts gedacht, sind also immer weiter gefahren. Sicherlich hatten sie ein Tier oder ähnliches gesichtet. Wir fuhren also weiter und weiter, haben uns aber irgendwann gewundert, warum das andere RV gar nicht mehr im Rückspiegel auftauchte. Bei Eagle Junction haben wir dann angehalten und wollten warten. Nach einer Ewigkeit wurden wir echt nervös. Die Schotterpiste war nass und rutschig und wir waren sicher, dass etwas passiert sein musste. Zurückfahren wollten wir zunächst nicht, da die Straße teilweise sehr eng ist und ein Wendemanöver kaum möglich gewesen wäre. Wir haben einige Autos angehalten, die aus Chicken kamen und gefragt, ob sie ein RV wie unseres unterwegs gesehen hätten. Alle verneinten das und wir wurden immer nervöser, haben unseren Sohn mitsamt der anderen Familie und dem RV schon im Straßengraben liegen gesehen. Nach einer Stunde entschieden wir uns, dass einer von uns per Anhalter zurück Richtung Chicken fährt. Ich habe dann einen Rucksack mit Essen, Trinken, Papieren gepackt und das nächste Auto angehalten, das Richtung Chicken fuhr. Falls Ihr Euch wundert, warum wir nicht einfach telefoniert haben. Es gab hier, wie in vielen Ecken auf unserer Reise kein Netz. Walkie Talkies hatten wir nicht mit.

 

Das nächste Auto hielt an mit einem netten französischen Ehepaar. Ich habe kurz die Situation erklärt, dann räumten die schon ihre Rückbank frei, um mich mitzunehmen. Die Vorgehensweise war klar: Wir fahren nach Chicken, suchen rechts und links nach einem abgestürzten RV und halten ein uns entgegenkommendes RV per Hupe/Lichthupe an. Wir fuhren also los, mein armer Mann blieb schweißgebadet und mit ganz schwachem Nervenkostüm in unserem RV, irgendwie und irgendwann würde ich schon wieder zurück nach Eagle Junction kommen.... Wir fuhren also los und fuhren und fuhren. Kein RV abseits der Straße. Irgendwann, kurz vor Chicken kam uns endlich ein LePrechaun entgegen. Die Franzosen hupten und blinkten, was das Zeug hielt. Das RV fuhr an uns vorbei und ich sprang einfach nur aus dem Auto auf die Straße und winkte wie eine Blöde.... Endlich leuchteten die Bremslichter auf und das WoMo blieb stehen. Gott sein Dank! Ich habe mich freundlich bei den Franzosen bedankt, meinen Rucksack geschnappt und bin auf das WoMo zugelaufen. DIe Tür ging auf und wer stieg aus.......??? Der Freund aus dem dritten WoMo...... Ich habe ziemlich blöd geguckt, wo der denn nun herkam und hatte schon schlimmste Befürchtungen, dass dann eben diese Familie einen Unfall gehabt haben musste....

Ich also mit ins WoMo und hier saßen nun die Ursprungsfamilie, mein Sohn und der Vater der dritten Familie. Alle unversehrt. Was war passiert? Die 3. Famlie hat uns morgens in Chicken nicht gesehen und dachte, wir wären weiter gefahren. Die Info, dass es keine Tanke gab, war wohl nicht hängengeblieben. Die fuhren also immer weiter, bis zur kanadischen Grenze, um dort mit leerem Tank liegen zu bleiben.... Die Familie beschloss nun also an der Grenze, dass der Ehemann per Anhalter zurück nach Chicken fahren würde in der Hoffnung, uns zu begegnen. Mit uns dann zurück nach Chicken, Benzinkanister kaufen und zurück zur Grenze. So ist er uns also entgegengekommen und muss, ähnlich wie ich, aus dem Auto gesprungen sein, um auf sich aufmerksam zu machen. Wir haben ihn leider nicht gesehen, wohl aber unsere Freunde im RV hinter uns. Die haben noch versucht, mit Lichthupe und Hupen uns aufmerksam zu machen, aber wir haben das nicht mitgekriegt. Hupe hört man bei dem Gerappel nicht, Lichthupe erkennt man auf den hoppeligen Schotterstraßen nicht. Die sind dann also mit ihm zurück nach Chicken gefahren. Dort hat er einen Benzinkanister für schlappe 55 Dollar (ohne Sprit) gekauft, hat den vollgetankt und dann sind die wieder losgefahren. Tja, unterwegs haben sie dann noch mich aufgegabelt. Wir mussten echt alle lachen, die Situation war so absurd.... Nun aber weiter zur Eagle Junction. Hier sind wir laut hupend angefahren gekommen und mein armer Mann, inzwischen schweißgebadet, kam aus unserem RV gesprungen. Ich glaube, die Felsbrocken, die ihm von den Schultern gefallen sind, konnte man bis Chicken hören. Nun ging es also mit alle Mann weiter bis Littel Gold, die Grenze, mein Sohn nun natürlich in unserem RV - keine weiteren Probleme bitte. Wir sind dann problemlos über die Grenze gekommen und wurden lediglich nach Brennholz gefragt, das wir wohlweislich schon in Westfork abgefackelt hatten. Kurz hinter der Grenze warteten nun Frau und Sohn der 3. Familie und waren auch heilfroh, dass alle wieder vereint und mit Benzin zurück waren. Feierlich wurde das Benzin ins RV gefüllt und endlich, endlich, um 12 Uhr ging es über den Top of the World Highway Richtung Dawson City. Endlich konnte man auch wieder die sehr geile Fahrt und Aussicht genießen.

 

 

 

Am Fähranleger war es halbwegs voll, wir schätzen auf ungefähr drei Fähren, bevor wir drauf kommen würden. Tatsächlich kamen zwei von uns mit der dritten, die dritte Familie mit der 4. Fähre über den Yukon. Inzwischen war es sonnig und heiß. Dawson City empfand ich als kleine Western Stadt. Wir haben im erstaunlich gut ausgestatteten General Store eingekauft und auf dem CG um die Ecke noch gedumpt. Tanken mussten wir natürlich auch.....!!!!

Über den Klondike Highway fuhren bis Stewart Crossing. Hier warteten zwei Baustellen auf uns, der Verkehr wurde durch Pilot Cars geregelt Da steht man also im Yukon, am A...d... W....  ganz alleine an einer roten Ampel und wartet auf ein Pilot Car, das einen dann durch die Baustelle führt. Lustig, auch noch nie gesehen.

Weiter ging es über den Silver Trail nach Mayo. Gesamte Fahrzeit mit Fähre und Pilot Cars ca. 10 Stunden, das alles ohne die Umwege, Warten, Einkaufen. Sehr geiler Camping Platz am See, 5 Mile Lake CG. Freies Feuerholz. Stellplatz Nr. 13 mit direktem Seeblick und Zugang. Stellplätze für die anderen direkt daneben. Inzwischen war es 8 Uhr abends und wir alle sehr platt. Es gab schnelle Nudeln, aber immerhin noch ein gemütliches Lagerfeuer und viel Gin Tonic, um die Nerven zu beruhigen. Was für ein Tag.... Zum Glück hatten wir nun drei Ruhetage in Mayo!

 

Familie Roesner
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Beigetreten: 17.11.2019 - 11:47
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RE: 7. Tag: West Fork bis Mayo, Five Mile Lake CG (Yukon)

laugh Was für ein Erlebnis. Da sieht man mal wie kompliziert es sein kann, wenn man zusammen fährt cheeky.  Ihr habt das ganz toll gelöst..  Und mutig von dir, allein zurück zu fahren.  Wenn die dich nicht gesehen hätten,  wäre es gruselig geworden cheeky.

Schön, dass alles gut ausging.  Das werdet ihr auf alle Fälle nicht vergessen wink​​​​​​.

Ach ja,  und Chicken scheint wirklich seltsam zu sein... 

 

LG

Christina